Kleidosty: „Wir wissen viel zu wenig von unserer Jugend“

Musicalprojekt

Das sagt Günther Kleidosty, Musikpädagoge am Neusiedler Gymnasium. Das Musical „Q-Rage“ soll das ändern. Am Freitag stellten Schülerinnen und Schüler das Projekt vor.

Schülerinnen und Schüler der 7. Klassen am Gymnasium präsentierten das Musicalprojekt „Q-Rage“. Es beleuchtet die Problemfelder der heutigen Jugend und möchte jungen Leuten eine Stimme geben.

Schülerinnen und Schüler der 7. Klassen am Gymnasium präsentierten das Musicalprojekt „Q-Rage“. Es beleuchtet die Problemfelder der heutigen Jugend und möchte jungen Leuten eine Stimme geben.

© Birgit Böhm-Ritter

Mit einer musikalischen und tänzerischen Kostprobe begann in der Aula des Gymnasiums die Präsentation des neuen Musicalprojekts „Q-Rage“. Das Stück entsteht mit Unterstützung des Kiwanis-Club Neusiedl am See sowie der Bildungsdirektion Burgenland und wird von den Sozialen Diensten Burgenland unterstützt.

Was an diesem Vormittag auf der Bühne sichtbar wurde, ist das Ergebnis eines ungewöhnlichen Prozesses. Nicht ein fertiges Skript stand am Anfang, sondern Fragen. Viele Fragen.

120 Fragen an die Jugend

Ausgangspunkt war eine Irritation. Musikpädagoge Günther Kleidosty schilderte bei der Präsentation die Entstehungsgeschichte: „Ich hatte ein fertiges Musical in der Schublade, das ich mit den Jugendlichen einstudieren wollte. Dabei bemerkte ich, dass es sich nicht mit den Werten der jungen Menschen deckt. Ich gewann den Eindruck, dass wir viel zu wenig von unserer Jugend wissen.“

Kleidosty: „Wir wissen viel zu wenig von unserer Jugend“

© Birgit Böhm-Ritter

Für ihn war klar: „Wenn wir auf Augenhöhe mit der Jugend kommunizieren wollen, müssen wir sie anhören.“ Daraus entstand eine groß angelegte Umfrage im gesamten Bezirk. Schülerinnen und Schüler der 7. Klassen des Gymnasiums entwickelten einen Fragebogen mit 120 Fragen und werteten die Antworten aus.

Die Ergebnisse bilden nun die Grundlage für Handlung, Figuren und Themen des Musicals. 16 Problemfelder wurden sichtbar, darunter Drogenkonsum, Missbrauch sozialer Medien, Wortgewalt und Zukunftsängste. Besonders betroffen zeigte sich Kleidosty von einem Ergebnis: „Am meisten hat mich erschüttert, dass 40 Prozent der Befragten angaben, schon einmal Suizidgedanken gehabt zu haben.“

Für ihn liegt die Bedeutung des Projekts nicht nur im fertigen Stück, sondern im Weg dorthin. Der gemeinsame Arbeitsprozess eröffne Räume, um Probleme anzusprechen und Lösungsansätze zu entwickeln.

Entstehung in Schülerhand

Die künstlerische Umsetzung tragen die Jugendlichen selbst. Sie verfassen Texte, entwickeln Szenen und Choreografien, gestalten das Bühnenbild analog und digital und stehen als Darstellerinnen und Darsteller auf der Bühne. Begleitet werden sie vom Schulchor unter der Leitung von Claudia Hautzinger-Kaschmitter sowie vom Schulorchester gemeinsam mit dem Symphonischen Jugendblasorchester der Musikschule Frauenkirchen unter der Leitung von Günther Kleidosty. Die Regie übernimmt Georg Wacks.

Ein eigenes Projektmanagementteam aus Schülerinnen und Schülern organisiert zudem Ablauf, Öffentlichkeitsarbeit und Pressekonferenz. Damit lernen die Jugendlichen nicht nur künstlerische, sondern auch organisatorische Verantwortung zu übernehmen.

Direktorin Tanja Bayer-Felzmann betonte die pädagogische Dimension: Der Entstehungsprozess liege ganz in den Händen der Schülerinnen und Schüler. Das stärke ihr Selbstvertrauen, „sie lernen Konflikte auszutragen, Kompromisse einzugehen, Entscheidungen zu treffen und mit deren Konsequenzen umzugehen.“ Viele Jugendliche stünden unter hohem Druck, die psychischen Belastungen seien oft beträchtlich. „Dieses Projekt schafft Raum, in dem die Jugendlichen gesehen und ernst genommen werden.“

Kleidosty: „Wir wissen viel zu wenig von unserer Jugend“

© Birgit Böhm-Ritter

Themen aus der Lebenswelt

Inhaltlich greift „Q-Rage“ zentrale Herausforderungen junger Menschen auf: Suchtverhalten, Gruppendruck, familiäre Belastungen, psychische Erkrankungen sowie der Umgang mit sozialen Medien und digitalen Abhängigkeiten.

Als Partnerorganisation sind die Sozialen Dienste Burgenland eingebunden. Dabei handelt es sich um eine landesnahe Einrichtung, die unter anderem Beratung und Präventionsarbeit anbietet. Verena Fischbach von der Fachstelle Suchtprävention kennt die Problemfelder aus ihrer täglichen Arbeit. Um psychischen Erkrankungen vorzubeugen, sei es entscheidend, die Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen ernst zu nehmen. Sie appellierte, früh zu vermitteln, wie man Stress bewältigt, Konflikte löst und mit Herausforderungen umgeht.

Die Aufführungen sind für den 29. April 2026 als Schulvorstellung und für den 30. April 2026 als Abendveranstaltung im Vila Vita Pamhagen geplant. Dort soll sichtbar werden, was in der Aula bereits spürbar war: Jugendliche erzählen ihre Geschichte selbst – in Musik, Tanz und klaren Worten.