Ärzte-Pension: Jetzt kommt die Welle noch schneller ins Rollen ...

Nachfolger gesucht!

Zwölf offene Kassenstellen gibt es derzeit im Land – Ende des Jahres könnten es theoretisch mehr als dreimal so viel sein. Denn immer mehr Ärztinnen und Ärzte sind schon bald über dem Pensionsalter.

Ärzte-Pension: Jetzt kommt die Welle noch schneller ins Rollen ...

© Shutterstock, Inna Dodor

Bundesweit 100 neue Kassenstellen für Allgemein- und Fachmedizin, und mit einem Streich haben sich 300 Bewerberinnen und Bewerber gefunden: Die Bundesregierung spricht schon von einem Erfolg, aber längst nicht alle wollen in den Jubel einstimmen. Dabei sind sich eigentlich alle Ebenen einig, dass es dringend medizinischen Nachwuchs braucht. Die Ärztekammer jedenfalls will weder im Bund noch im Land jubeln: Alleine aus der Bewerberzahl lasse sich keine Verbesserung ableiten.

100.000 Euro gibt's vom Bund für die zusätzlichen Kassenstellen, doch zum einen sind es im Burgenland aufgrund des Bevölkerungsschlüssels nur drei, und zum anderen wäre der Startbonus für alle Kassenpraxen nötig, wird gefordert. Und nicht zu vergessen: Es gibt schon jetzt etliche Ordinationen, die seit geraumer Zeit leerstehen (siehe Info unten).

Förderungen für die Praxisübernahme gibt es, wie berichtet, auch seitens des Landes, dazu jährliche Stipendien. Jede Maßnahme wird begrüßt, aber zumindest bei der Übernahme von Ordinationen hält sich die Begeisterung der Jungen in Grenzen.

Patienten-Rekorde an der Belastbarkeitsgrenze

Was einem (Kassen-)Arzt derzeit abverlangt wird, davon erzählt Michael Schriefl als Sprecher im niedergelassenen Bereich: Zum einen macht sich der Ärztemangel immer stärker bemerkbar, zum anderen sei die Infektionswelle im Dezember heftig gewesen: „Nicht nur ich, auch viele Kolleginnen und Kollegen hatten die höchsten Patientenzahlen aller Zeiten. Die Belastung ist bei manchen mittlerweile so hoch, dass sie überlegen, noch vor der Pensionierung aufzuhören.“

Ärzte-Pension: Jetzt kommt die Welle noch schneller ins Rollen ...

© Wolfgang Millendorfer

Beim Stichwort Pension gehen die Alarmglocken ohnehin los: Sieben Allgemeinmediziner und fünf Fachärztinnen und -ärzte erreichen laut der Kammer heuer das Alter von 65 Jahren, 37 sind bereits älter – das macht rein theoretisch 49 weitere mögliche Ordinationsschließungen. Schon jetzt können die bestehenden Kassenpraxen kaum neue Patienten aufnehmen. Zugleich wächst die Zahl der Wahlarzt-Ordinationen, auch in der Allgemeinmedizin. Die Konkurrenz wird zumindest nicht öffentlich ausgelebt.

Im Gegenteil: Als Sprecherin der Wahlärztinnen und -ärzte und als Präsidiumsmitglied in der Kammer unterstreicht Noémi Maár das Netzwerk, das vor allem im Burgenland gut funktioniere; sie übernehme immer wieder Patienten aus dem Kassenbereich. „Auch im Wahlarztbereich ist das stärkere Patientenaufkommen zu spüren, auch wir übernehmen Aufgaben in der Grundversorgung“, sagt die Augenmedizinerin.

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© Ärztekammer, Wolfgang Granabetter

Nicht nur sie vermutet, dass es oftmals die Kassen-Verpflichtungen sind, die Jungmediziner abschrecken. In der Forderung sind sich Kassen- wie Wahlärzte einig: „Wir brauchen nicht nur mehr Stellen, sondern auch mehr Ärztinnen und Ärzte. Und die kommen auf lange Sicht nur mit besseren Arbeitsbedingungen.“

Offene Kassenstellen im Burgenland

Acht offene Ausschreibungen für Kassenpraxis Allgemeinmedizin in Eisenstadt, Güssing, Breitenbrunn, Hornstein, Steinbrunn, Heiligenkreuz, Lackenbach und Jois

Vier Ausschreibungen für Facharzt-Kassenpraxen: Dermatologie in Neusiedl am See und Oberpullendorf, Gynäkologie in Güssing und Großpetersdorf

Die Mehrzehl dieser Stellen wurde nun zum wiederholten Mal ausgeschrieben.