Trauer um Ex-ORF-Religionschef Gerhard Klein aus Neusiedl am See

Nachruf

Der langjährige ORF-Manager Gerhard Klein, ehemaliger Leiter der ORF-TV-Hauptabteilungen Religion sowie Bildung und Zeitgeschehen, ist am Donnerstag, dem 29. Jänner 2026, nach schwerer Krankheit im 73. Lebensjahr gestorben. Das gab der ORF in einer Aussendung bekannt. Klein stammte aus Neusiedl am See.

Trauer um Ex-ORF-Religionschef Gerhard Klein aus Neusiedl am See

© Shutterstock/Mc_Shutter, Mc_Shutter

Gerhard Klein prägte den öffentlich-rechtlichen Rundfunk über Jahrzehnte hinweg. ORF-Generaldirektor Roland Weißmann würdigte ihn als „prägende Persönlichkeit und echten Brückenbauer“, der konsequent den Dialog zwischen Religion und Wissenschaft sowie zwischen unterschiedlichen Weltbildern gesucht habe. Dabei habe er nicht das Trennende betont, sondern das Verbindende in den Mittelpunkt gestellt und zentrale ORF-Marken wie „Universum“ und „kreuz und quer“ maßgeblich mitgestaltet.

Barbara Krenn, Leiterin der ORF-Hauptabteilung „Religion und Ethik multimedial“, hob Kleins Bedeutung für den unabhängigen Religionsjournalismus in Österreich hervor. Er habe sich der kritischen Tradition der Aufklärung verpflichtet gefühlt und sich intensiv mit dem Verhältnis von Glaube und Vernunft, Religion und Politik sowie mit dem Zusammenleben in einer pluralen Gesellschaft auseinandergesetzt.

Auch Thomas Matzek, Leiter der multimedialen ORF-Hauptabteilung „Wissen“, erinnerte an Kleins nachhaltigen Einfluss auf die Wissenschaftsprogramme. Mit einem ethischen und gesamtgesellschaftlichen Zugang habe er neue Impulse gesetzt und die Dokumentationsleiste „Universum“ unter seiner Führung weiterentwickelt. Zudem habe er an der Konzeption von „Universum History“ mitgewirkt.

Gerhard Klein wurde am 17. Juli 1953 in Kittsee geboren. Er studierte Theologie, Philosophie und Anglistik und war seit 1988 für den ORF tätig. Zu seinen beruflichen Stationen zählten die Tätigkeit als Assistent von Programmintendant Ernst Wolfram Marboe, als Redakteur und Dramaturg der Abteilung Fernsehspiel sowie als Sendungsverantwortlicher der mehrfach ausgezeichneten Formate „Orientierung“, „FeierAbend“ und „kreuz und quer“. 1997 übernahm er die Leitung der Fernseh-Abteilung „Religion“, 2010 zusätzlich jene der TV-Hauptabteilung „Bildung und Zeitgeschehen“.

Für seine journalistische und programmgestaltende Arbeit erhielt Klein zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Dr.-Karl-Renner-Publizistikpreis, den Claus Gatterer-Preis, den Erasmus Media Award, den „Romy“-Jurypreis, den Leopold-Kunschak-Preis sowie den Volksbildungspreis. 2019 trat der aus Neusiedl am See stammende Medienmanager in den Ruhestand. Anschließend übernahm er die ehrenamtliche journalistische Leitung der Katholischen Medien Akademie.

Gerhard Klein war verheiratet, Vater von vier Töchtern und Großvater eines Enkelsohns.

Berührend fällt die Reaktion von Kardinal Christoph Schönborn aus, der den Verstorbenen seit vielen Jahren persönlich kannte und schätzte. In einer ersten Stellungnahme würdigte der Wiener Erzbischof Klein als „herausragenden Menschen, kompetenten Journalisten – und Freund“.

„Zwischen uns bestand eine jahrelange, große gegenseitige Wertschätzung“, so Schönborn. „Wir haben uns nicht nur gut verstanden, sondern auch viel miteinander gelacht.“ Der Kardinal unterstrich, dass Klein in einem Umfeld, in dem Glauben keineswegs selbstverständlich sei, „ein Christ im Alltag“ geblieben sei – authentisch, unaufdringlich, überzeugend: „Er hat seinen Glauben nie vor sich hergetragen, aber er hat ihn gelebt.“

Der ORF widmet dem Verstorbenen mehrere Beiträge: Nach einem Nachruf auf Gerhard Klein in der heutigen „ZIB“ um 13.00 Uhr gibt es am Samstag, dem 31. Jänner, in „Prisma“ um 16.45 Uhr und am Sonntag, dem 1. Februar, um 16.55 Uhr in „Was ich glaube“ in ORF 2 und auf ORF ON weitere Beiträge in memoriam Gerhard Klein.