Rückkehr der Zugvögel wird zum Prüfstein für Sodalacken im Seewinkel
Nationalpark
Mit dem Eintreffen der Zugvögel im März rückt der Zustand der Sodalacken im Seewinkel erneut in den Fokus. Die salzhaltigen Gewässer gelten als wertvolle Brut- und Rastplätze, stehen jedoch unter massivem Druck. Fachleute sehen in der Rückkehr der Vögel einen jährlichen Test dafür, ob das einzigartige Naturerbe erhalten bleibt.
Säbelschnäbler als einer der Gradmesser für den Zustand der Salzlacken
© zVg / NP / Manuel Gruber / Anna-Maria Seebacher
Rückkehr der Vögel als Gradmesser
Wenn die ersten warmen Tage den Frühling einleiten, kehren Zugvögel in den Nationalpark Neusiedler See–Seewinkel zurück. Die Sodalacken zählen europaweit zu ihren wichtigsten Lebensräumen. Ihr Rückgang stellt laut Expertinnen und Experten jedoch ein zentrales Risiko dar. WWF-Fachmann Bernhard Kohler, der die Brutbestände seit 40 Jahren dokumentiert, warnt: „Im 19. Jahrhundert gab es hier noch rund 140 Lacken, heute sind es nicht einmal mehr 30 – und mindestens zehn davon stehen unmittelbar vor dem Verschwinden.“
Die Sodalacken entscheiden über das Überleben charakteristischer Arten wie des Säbelschnäblers. Die Vögel durchsuchen das seichte Wasser mit ihrem gebogenen Schnabel nach Zuckmückenlarven und Urzeitkrebsen, die nur in diesen salzhaltigen Lebensräumen gedeihen. Gut gefüllte Lacken bedeuten Nahrung und sichere Brutplätze. Sinkt der Wasserstand, droht ein Verlust der Habitatqualität.
Grundwassermangel gefährdet ein einzigartiges Ökosystem
Die Funktionsweise der Lacken hängt eng mit dem Grundwasser zusammen, das salzhaltiges Wasser in die Senken nachliefert. Entwässerungsgräben und hohe Wasserentnahmen für landwirtschaftliche Zwecke senken den Grundwasserspiegel seit Jahren deutlich. Das unterbricht die Salzzufuhr und beschleunigt das Verlanden der Gewässer.

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„Der Verlust der Sodalacken würde nicht nur den Fortbestand der Säbelschnäbler gefährden, sondern ist auch ein Alarmsignal für eine Ära nie gekannter Wasserknappheit im Seewinkel“, sagt Kohler. Die jährliche Rückkehr der Zugvögel verdeutlicht daher jedes Mal, wie weit der Schutz dieser sensiblen Landschaft fortgeschritten ist – oder wo dringender Handlungsbedarf besteht.
Maßnahmen für den Erhalt der Sodalacken
Gegenmaßnahmen laufen bereits im Rahmen des EU-finanzierten Förderprogramms LIFE für Umwelt und Klimaschutz. Das Projekt „Pannonic Salt“ verfolgt das Ziel, Sodalacken wiederherzustellen und ihre Wasserstände zu stabilisieren. Bisher errichtete Wehranlagen zeigen spürbare Verbesserungen für Grundwasser und Lacken.
Der Nationalpark Neusiedler See–Seewinkel arbeitet gemeinsam mit dem Hauptreferat Wasserwirtschaft der Burgenländischen Landesregierung an zusätzlichen Wehren und an Lösungen zur Verringerung des landwirtschaftlichen Wasserverbrauchs. Nationalpark-Direktor Johannes Ehrenfeldner betont: „Duch den Erhalt der Sodalacken sollen gebietstypische und attraktive Vogelarten wie Säbelschnäbler und Seeregenpfeifer weiterhin geeignete Brutlebensräume im Seewinkel vorfinden.“