Bezirk Mattersburg: FPÖ in sechs Gemeinden an der Spitze

Nationalratswahl

Im Bezirk Mattersburg liegt die SPÖ zwar knapp vor der FPÖ. In Mattersburg, Neudörfl, Bad Sauerbrunn, Forchtenstein, Loipersbach und Wiesen sind die Freiheitlichen jedoch die stärkste Kraft.

Bei der Wahlbeteiligung im Bezirk Mattersburg gab es einen Anstieg von 10,38 Prozent.

Bei der Wahlbeteiligung im Bezirk Mattersburg gab es einen Anstieg von 10,38 Prozent.

© Erwin Wodicka - wodicka@aon.at, Erwin Wodicka

Sehr erfreulich bei den Wahlen war die höhere Wahlbeteiligung im Vergleich zu 2019: Dieses Mal gab es 25.927 Wähler. Um 3.462 mehr als 2019 - ein Anstieg von 10,38 Prozentpunkten.

Die FPÖ liegt im Bezirk Mattersburg nur mehr knapp hinter der SPÖ. Die Zahlen bei den Wählerstimmen machen den Zustrom an FPÖ-Wählern mehr als deutlich: 2019 stimmten 3.814 für die FPÖ, dieses Mal waren es 7.355. Und in sechs Gemeinden des Bezirks erhielten die Freiheitlichen den größten Zuspruch: In Mattersburg, Neudörfl, Bad Sauerbrunn, Forchtenstein, Loipersbach und Wiesen.

Bezirk Mattersburg: FPÖ in sechs Gemeinden an der Spitze

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Die Loipersbacherin Sabrina Neusteurer ist Pressesprecherin des FPÖ-Landtagsbklubs und Vizebürgermeisterin in ihrer Heimatgemeinde Loipersbach für die „Liste Gemeinsam für Loipersbach“. „Innerhalb der FPÖ-Bezirkspartei hat es die vergangenen Jahre etwas Unruhe mit Parteiaustritten gegeben. Umso mehr freut es mich, dass die FPÖ im Bezirk Mattersburg so ein tolles Ergebnis erreichen konnte“, berichtet Neusteurer, um weiter auszuführen: „Vor allem Wiesen war für mich eine sehr große Überraschung, wo wir die ÖVP vom ersten Platz verdrängt haben. Hier hat Lydia Zweng großen Einsatz gezeigt und tolle Arbeit geleistet.

In Forchtenstein sitzt der ehemalige FPÖ-Bezirksparteiobmann Christian Spuller mit der „Freien Liste Forchtenstein“ im Gemeinderat. „Von der Einstellung und den Themenlagen her bin ich noch immer ein Freiheitlicher“, so Spuller, der zum Wahlausgang meint: „Ich spüre schon seit langer Zeit, dass etwas im Gange ist, dies habe ich auch in persönlichen Gesprächen mitbekommen. Viele trauen sich nun auch, sich öffentlich für die FPÖ zu deklarieren.“ In seiner Heimatgemeinde gab es ein hauchdünnes Ergebnis: 564 Forchtensteiner wählten die Freiheitlichen, 560 die ÖVP. „Dies ist ein historisches Ergebnis. Es ist bemerkenswert, dass sich die Leute 'drüber getraut' haben.“

Im Bezirk Mattersburg kam die SPÖ noch mit einem blauen Auge davon. Er ist einer der wenigen Bezirke in Österreich, wo die SPÖ voran liegt. „Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass wir im Bund das historisch schlechteste Ergebnis eingefahren haben. Im Bezirk liegen wir jedoch noch immer vorne. Dies ist ein Zeichen, dass unsere Funktionäre gute Arbeit geleistet haben“, so SPÖ-Bezirksobmann Thomas Hoffmann, um dennoch festzuhalten, dass es „doch einige Überraschungen gibt, mit denen wir nicht gerechnet haben.“ In seiner Heimatgemeinde Schattendorf fuhr die SPÖ zwar ein Minus von 4,25 Prozent ein, mit 40,6 Prozent ist der Vorsprung auf die FPÖ (24,3 Prozent) dennoch sehr klar. „Wir haben auf jeden Fall gute Arbeit geleistet“.

ÖVP-Bezirksgeschäftsführer Thomas Haffer findet es „bedauerlich, dass sich bei den Nationalratswahlen Platz eins nicht ausgegangen ist. Im Burgenland haben wir auf jeden Fall gute Arbeit geleistet.“ Bezüglich der zukünftigen Koalition hält er fest, dass „es wichtig ist, dass eine Partei der Mitte regiert.“

NEOS-Bezirkssprecher Robert Strnad ist mit dem Ergebnis der Nationalratswahlen sehr zufrieden: „Wir sind neben der FPÖ jene Partei, die dazugewonnen hat, alle anderen haben Verluste geschrieben.“

Auch im Bezirk Mattersburg gibt es für die NEOS ein Plus. „Sehr erfreulich ist, dass wir über dem Bundesschnitt liegen. Ich denke, dass wir mit jenen Wahlkarten, die noch auszuzählen sind, noch einmal dazugewinnen.“

In Bad Sauerbrunn wählten 10,6 Prozent die NEOS, was den zweithöchsten Wert im Burgenland darstellt. „Für die NEOS gibt es in den Gemeinden mit viel Zuzug tendenziell höhere Zugewinne“, so Strnad.

Der Abwärtstrend der Grünen auf Bundesebene machte auch vor dem Bezirk Mattersburg nicht Halt: Dort sackte man von 8,8 auf 4,6 Prozent ab. „Trotz der Umfragen hatte ich gehofft, dass wir mehr Wähler mobilisieren können. Die FPÖ hat Ängste geschürt. Das Ergebnis ist auch ein Zeichen, dass die Österreicher mit der Regierung unzufrieden sind“, hält Hanna Walk, Bezirkssprecherin der Grünen, fest. Dass im Bezirk Mattersburg die FPÖ nur den zweiten Platz belegt, empfindet sie als positiv. „Es ist noch immer besser, dass die SPÖ als demokratische Partei vor der FPÖ liegt.“ Dennoch: In ihrer Heimatgemeinde Bad Sauerbrunn ist die FPÖ die stärkste Kraft. „Hier haben 70 Prozent nicht die FPÖ gewählt“, so Walk, die klarstellt: „Nun gilt es zu evaluieren, was die Grünen besser machen können. Ich auf jeden Fall werde mich weiter für die Grünen einsetzen – für einen sozialen, nachhaltigen und auf Menschenrechten basierenden Weg.“