Frauenkirchen: Die Vögel singen nicht mehr

Naturschutz

Wald- und Buschbestände beim Lagerhof wurden zugunsten von Bauprojekten in Frauenkirchen abgeholzt, die Vorgehensweise dabei schlägt Wellen.

Ein zurückgebliebener Baumstumpf auf dem Grundstück der Gemeinde, wo Häuserplätze entstehen sollen.

Ein zurückgebliebener Baumstumpf auf dem Grundstück der Gemeinde, wo Häuserplätze entstehen sollen.

© Klaus Zwinger

Vergangene Woche sorgte ein Flugblatt der ÖVP Frauenkirchen für Aufregung in der Stadtgemeinde. Gegenstand des Schreibens war die „Rodung“ von Wald- und Buschbeständen auf insgesamt drei Grundstücken (je eines in Besitz der „Hans Niessl Consulting“, der OSG und der Stadtgemeinde Frauenkirchen) in direkter Nähe zur Straße „Lagerhof“ zugunsten der Schaffung von Wohngebäuden für Thermenmitarbeiter durch die OSG sowie zur Schaffung von zwanzig Häuserplätzen durch die Stadtgemeinde.

„Rodung außerhalb des gesetzlichen Zeitrahmens“

Das Abholzen der Bäume und des Buschwerks habe nämlich außerhalb des vorgeschriebenen Zeitrahmens (von 1. Oktober bis 1. März) stattgefunden, wie auf dem Flugblatt mit einem Auszug aus dem Naturschutzgesetz argumentiert wird. Nun hätten hier im April schon Vögel in der Vegetation gebrütet, ihr Lebensraum wäre de facto zerstört worden. Das rasche Vorgehen bei den Arbeiten rief auch Zivilbürger auf den Plan, die den Vorgang auf Facebook mit Bildern dokumentierten und eine kleine Bürgerinitiative starteten.

Entschuldigung von OSG-Chef Kollar

Dem OSG-Geschäftsführer Alfred Kollar ist es ein Anliegen, sich in aller Form für den gewählten Zeitpunkt zu entschuldigen: „Das war ein offensichtlicher Fehler, dass man darauf zu wenig genau geschaut hat, das hätte man schon im Februar machen sollen“. Gleichzeitig verweist er darauf, dass auf den Grünflächen auch eine illegale Müllhalde zu finden war, deren Entfernung alleine laut Kostenvoranschlag 16.000 Euro ausgemacht hätte. „An dem Betrag sieht man auch, dass es sich hier nicht nur um zwei Autoreifen und drei Dachziegel gehandelt hat“, so Kollar weiter. Im Sinne des „Green Way“ der OSG ist es für ihn selbstverständlich, dass hier künftig im Rahmen des Wohnprojekts Ersatzpflanzungen stattfinden werden.

Schmid: „Keine Rodung sondern eine Fällung“

Bürgermeister Hannes Schmid wiederum ist sich keines Fehlverhaltens bewusst. „Wir haben hier eine Fachfirma beauftragt, die dieses Vorgehen für in Ordnung befunden hat“. Ein Antrag für einen Rodungsbescheid (der bislang noch nicht ausgestellt wurde) für das derzeit noch als Grünland gewidmete Grundstück der Gemeinde neben dem Rübenplatz wurde laut Schmid an die BH Neusiedl am See gestellt - da die Wurzeln und Baumstümpfe noch vorhanden seien, könne und dürfe man hier nicht von einer Rodung sprechen. Und nicht zuletzt, argumentiert Schmid, habe es sich bei den entfernten Bäumen unter anderem um die in Österreich invasive Art der Robinien (im Volksmund „Akazienbaum“ genannt) gehandelt. Eines der drei fraglichen Grundstücke ist bereits als Aufschließungsgebiet gewidmet, die restlichen beiden Grundstücke sollen im nächsten Monat in Bauland umgewidmet werden. Von der illegalen Müllhalde will Schmid persönlich nichts gewusst haben.

Kettner: „Das ist einfach eine Ausrede“

Vizebürgermeisterin Kettner, die das Flugblatt der ÖVP Frauenkirchen verfasst hat, will Schmids Argumentation so nicht stehen lassen. „Das ist einfach eine Ausrede.“ Dass man hier so überhastet agiert habe sei „einfach traurig“ – hätte man bereits vor zwei Monaten gehandelt, hätte es kein Problem gegeben.