Örtliches Entwicklungskonzept wurde mit der Bevölkerung diskutiert
Neudörfl
Wie soll sich Neudörfl in den kommenden zehn bis fünfzehn Jahren entwickeln? Mit dieser Frage beschäftigt sich das Örtliche Entwicklungskonzept (ÖEK), dessen Ausarbeitung bereits mehrere Phasen durchlaufen hat. Am Donnerstag, 3. September, wurde zu einer Bürgerbeteiligungsveranstaltung in den Martinihof geladen. Raumplanerin DI Susanne Scherübl-Meitz vom „Büro Dr. Paula ZT-GmbH“ präsentierte einen aktuellen Vorentwurf. Gemeinsam mit Bürgermeister Dieter Posch und Gemeindevertretern wurde die Bevölkerung anschließend dazu eingeladen, eigene Ideen, Wünsche und Anregungen einzubringen.
Raumplanerin Susanne Scherübl-Meitz vom „Büro Dr. Paula ZT-GmbH“ rechts neben Bürgermeister Dieter Posch, Gemeindevertretern der Parteien SPÖ, ÖVP und GRÜNE sowie interessierte Neudörfler und Neudörflerinnen beim Bürgerbeteiligungsprozess zum Örtlichen Entwicklungskonzept im Martinihof am Donnerstag.
© Christian Artner
Ein Örtliches Entwicklungskonzept ist vom Land Burgenland gesetzlich für alle Gemeinden vorgeschrieben und soll die Entwicklung einer Gemeinde langfristig strukturieren. Anders als der Flächenwidmungs- oder Bebauungsplan geht es dabei nicht um einzelne Bauvorhaben, sondern um die strategische Ausrichtung der Gemeinde für viele Jahre. „Überall, wo Neues entsteht, gibt es zunächst einmal große Aufregung. Gewohntes wird plötzlich anders“, erklärte Bürgermeister Dieter Posch zu Beginn.
Das bis dato letzte Entwicklungskonzept stammt aus dem Jahr 2007. Schon damals war Susanne Scherübl-Meitz vom „Büro Dr. Paula ZT-GmbH“ (aus Wien) beteiligt. Seitdem begleitet sie Neudörfl in Fragen der Raumplanung. Das neue ÖEK soll verbindlich als Verordnung beschlossen werden. Zuvor sind unter anderem eine strategische Umweltprüfung (SUP) und eine öffentliche Auflage vorgesehen. Eine Bürgerbeteiligung, die im Gemeinderat seit Beginn an miteingeplant wurde, stellt ebenfalls einen wesentlichen Schritt in diesem Verfahren dar. „Durch das Örtliche Entwicklungskonzept erfahren Sie als Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde frühzeitig, wie sich Neudörfl in den nächsten zehn Jahren entwickeln will“, erläuterte Scherübl-Meitz einen von mehreren Nutzen eines ÖEK für die Bevölkerung. Als weitere Vorteile nennt sie eine geordnete und vor allem nachvollziehbare Gemeindeentwicklung, einfachere und raschere Auskunft zu Bauansuchen oder eine raschere Änderung des Flächenwidmungsplanes, sofern dieser im Einklang mit dem ÖEK steht.
Das ÖEK hat in Neudörfl bereits erste wesentliche Phasen durchlaufen. Zu Beginn stand die formale Kundmachung der Absicht, ein ÖEK zu erstellen und damit verbunden eine Datenanforderung beim Land Burgenland. Anschließend wurde vom Büro Dr. Paula Grundlagenforschung zur Gemeinde betrieben. Die gewonnenen Erkenntnisse wurden analysiert und daraus ein Vorabzug des Entwurfs erstellt, der im Gemeinderat mit den Vertretern aller Parteien im Mai diskutiert wurde.
Eine Erkenntnis der Bestandsanalyse betrifft die vorhandenen Baulandreserven, führt Scherübl-Meitz aus. Rund 22 Prozent des gewidmeten Wohnbaulandes sind derzeit noch unbebaut. Das entspricht etwa 38 Hektar. Im Betriebsbauland liegt der Anteil der Baulücken bei rund zehn Prozent. Aus Sicht der Raumplanerin sind damit grundsätzlich ausreichend Wohnbaulandreserven für die kommenden zehn Jahre vorhanden. Der Vorentwurf sieht daher unter anderem vor, die Siedlungsentwicklung weitgehend innerhalb der bestehenden Grenzen zu halten.
Gleichzeitig soll Neudörfl seiner Bedeutung als Wirtschaftsstandort nachkommen. Die Gemeinde gilt laut Landesentwicklungsprogramm als Industrie- und Gewerbezone der Stufe 2 und damit als besonders geeigneter Betriebsstandort. Die gute Verkehrsanbindung – die Nähe zur Schnellstraße, die Anbindung zur Bahn – sowie die Lage im Großraum Wien seien bedeutende Standortvorteile.
Auch die Zahl der Arbeitsstätten ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten deutlich gestiegen. Gleichzeitig habe sich Neudörfl von einer Einpendler- zu einer Auspendlergemeinde entwickelt, erläuterte Scherübl-Meitz. Viele Neudörfler arbeiten heute außerhalb des Ortes.
Neben Wohnen und Wirtschaft umfasst das ÖEK weitere zentrale Bereiche. Dazu zählen Freizeit und Erholung, soziale Einrichtungen, Naturraum und Umwelt sowie Mobilität und technische Infrastruktur. Zu all diesen Punkten enthält das Entwicklungskonzept konkrete Ziele und Maßnahmen, zum Beispiel sollen Grünflächen und der charakteristische Ortsbereich erhalten werden, Angebote für unterschiedliche Altersgruppen geschaffen und Fuß- und Radverkehr sowie öffentlicher Verkehr weiter verbessert werden.
Bevor der Entwurf des ÖEK zur Strategischen Umweltprüfung (SUP) gelangt und anschließend nach öffentlicher Auflage beschlossen und genehmigt werden soll, wurde nun auch die Bevölkerung eingebungen. Für die Bürgerinnen und Bürger gab es bei der Veranstaltung im Martinihof Gelegenheit, konkrete Vorschläge einzubringen. Gefragt wurde unter anderem nach Problemstellen bei Starkregen, erhaltenswerten Bereichen im Ort, fehlenden Fuß- und Radwegen, Gefahrenstellen, unübersichtlichen Kreuzungen, fehlenden Schattenplätzen oder zusätzlichen Angeboten für ältere und jüngere Menschen.
Die Rückmeldungen sollen in die weitere Ausarbeitung einfließen. Bürgermeister Posch hatte bereits zu Beginn betont, dass der Gemeinderat bewusst die Bevölkerung einbinden wolle: Neue Erkenntnisse und Zukunftsvorstellungen der Bürgerinnen und Bürger sollen, soweit möglich, in die endgültige Beschlussfassung einfließen. Erst danach soll das Örtliche Entwicklungskonzept endgültig beschlossen und vom Land genehmigt werden. Damit soll für Neudörfl ein verbindlicher Rahmen geschaffen werden, der die Entwicklung der Gemeinde für die kommenden zumindest zehn Jahre vorgibt.
Bürgermeister Posch zieht Bilanz: „Das Zukunftsthema hätte sich zwar mehr Leute verdient, andererseits ermöglichte die überschaubare Anzahl den direkten Dialog zwischen Interessierten und anwesenden GemeindevertreterInnen bzw. Experten. Im Großen und Ganzen wurde der präsentierte Entwurf des Gemeinderates bestätigt. Die zahlreichen Anregungen der BürgerInnen werden ernst genommen. Das gilt auch für jene, die nicht in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Örtlichen Entwicklungkonzept stehen.“
- Bäume im Ortsgebiet setzen, kaputte Bäume nachsetzen
- Ärzte für Allgemeinmedizin dringend notwendig
- Geschwindigkeitsbeschränkung bei der Ortseinfahrt von Pöttsching
- Radweg nach Pöttsching
- PV Anlagen auf öffentlichen Gebäuden
- Busverkehr nicht nur durch die Hauptstraße, Bushaltestelle auf Pöttschingerstraße
- Mehr Bänke und Verweilorte im Ort verteilt, Sitzgelegenheiten bei Lebensmittelmärkten für ältere Menschen, die abgeholt werden.
- Trinkwasser für Spaziergänger und Radfahrer entlang Hauptstraße
- Gefährliche Kreuzungen (Seestraße und Hauptstraße, Hauptstraße und Pöttschingerstraße)
- Schmale Gehsteige auf den Straßen zu Kindergarten und Schule.
- Einbahnen sind nicht für Radfahren geöffnet.
- Zebrastreifen im Bereich Siedlergasse und Konsumgasse.
- Grünanlagen, die als Gehwege benutzt werden, ändern.
- Lose Randsteine entfernen.
- Beschilderung Geh- und Radwege entlang Hauptstraße/B53 inkonsistent.
- Stopp-Schild bei Spar-Ausfahrt auf B53 wird regelmäßig missachtet (Gefahr für Radfahrer)
- Sehr schlechte Sicht bei Kreuzungen der Matthias-Kollwentz Straße (eventuell Spiegel)
- 30er Beschränkung Matthias-Kollwentz Straße, übersichtlichere Beschilderung der 30er-Begrenzung bei Karl-Markon-Straße.
- Schwerverkehr auf Pöttschingerstraße, Geschwindigkeit reduzieren ab Obststand.
- Leichter und ohne Gefährdung zum Billa und Kosmetikgeschäft über die Straße gehen können.
- Bei zu viel Regen steht Wasser auf der Straße zum Beispiel beim Friedhof.
- „Über Scooter sollte man auch reden.“
- „Man soll nicht auf die Ausgrabungen vergessen.“
- „Wir täten wieder ein Geschäft im Dorf brauchten“ (Betonung auf „im“)