Windpark-Repowering: Umweltschutzorganisation legt Beschwerde ein
Neue Windräder zu hoch
Die Umweltorganisation „Alliance for Nature“ befürchtet durch das Repowering des Windparks Neusiedl/Weiden am See eine weitere erhebliche Beeinträchtigung des UNESCO-Welterbe-Gebiets.
© Birgit Böhm-Ritter
Der Windpark Neusiedl-Weiden ist vor 20 Jahren errichtet worden und soll nun durch ein Repowering auf den neuesten Stand der Technik gebracht werden. Die Anzahl der Windkraftanlagen wird dabei zwar nahezu halbiert, die 23 neuen Anlagen arbeiten aber weit effizienter. Sie sind allerdings mit einer Höhe von 200 beziehungsweise 244 Metern doppelt so hoch.
Das ist auch einer der wesentlichsten Kritikpunkte der Umweltorganisation „Alliance von Nature“, die gegen das Projekt Einwendungen eingebracht und nun auch gegen den Bescheid des Amts der Burgenländischen Landesregierung Beschwerde erhoben hat. „Schon jetzt sind WIA (Anm. Windindustrieanlagen) vom Neusiedler See weithin sichtbar. Durch die Höhe (...) würde die Sichtbarkeit noch höher werden - und damit die Sichtachsen der UNESCO-Welterbestätten noch mehr beeinträchtigt werden“, heißt es in der Beschwerde, die der BVZ vorliegt.
Die Sichtbarkeit und Höhe von Bauwerken war auch in der Vergangenheit immer wieder ein diskutiertes Kriterium im Zusammenhang mit dem Welterbestatus der Region. Der Pannonia Tower in Parndorf wurde letztlich statt der geplanten 73 Meter nur noch 47 Meter hoch gebaut, nachdem eine Experten-Mission der UNESCO eingeschaltet worden ist. Und genau so eine sogenannte „Advisory Mission“ fordert „Alliance for Nature“ auch für das Repowering-Projekt in Neusiedl und Weiden. Die Umweltorganisation empfiehlt dem Verwaltungsgericht dringend, das UNESCO-Welterbe-Zentrum und ICOMOS International einzuschalten und eine Mission unabhängiger Experten zu veranlassen.
Windkraftanlagen lehnt „Alliance for Nature“ nicht generell ab, aber in hochrangigen Schutzgebieten wie im vorliegenden Fall hätten Windparks keine Berechtigung, sagt Generalsekretär Christian Schuhböck. Flora und Fauna würden darunter leiden und die Bodenversiegelung weiter voranschreiten. Er gibt zu bedenken, dass die neuen Windräder nicht auf den Fundamenten der alten Anlagen gebaut werden könnten und diese auch nicht vollkommen entfernt würden. Und weiter: „Man kann nicht ganz Österreich mit Windparks verbauen. Man sollte endlich Energiesparmaßnahmen setzen. Wenn das in der Bevölkerung nicht freiwillig gemacht wird, dann braucht es gesetzliche Maßnahmen.“ Der Energieverschwendung müsse Einhalt geboten werden.
„Alliance for Nature“ und auch die „Freunde des Neusiedlersees“ fordern, dass das UNESCO-Welterbe „Fertö-Neusiedlersee“ auf die Rote Liste gefährdeter Welterbestätten gesetzt wird. Das Welterbe sei schon vier Gefahren ausgesetzt: Verbauung des Seeufers durch Tourismusprojekte, Dotierung des Sees mit Fremdwasser, Austrocknung der Salzlacken durch übermäßige Entnahme des Grundwassers durch die Landwirtschaft und Beeinträchtigung durch den geplanten Windpark Neusiedl-Weiden.