400 „Lebensbilder“ von Harro Pirch zum Mitnehmen
Neues Kunstbuch
Bis zum 85. Geburtstag von Harro Pirch am 26. August ist in seinem Turmhaus Unterrabnitz die Ausstellung „Lebensbilder“ zu sehen, die versucht, die Facetten seines umfangreichen Werkes beginnend 1963 mit seiner Studienzeit bis 2026 - widerzuspiegeln. Gleiches gilt für das neu erschienene Buch „Harro Pirch. Kunst und Leben im Paradies“, in dem 400 seiner Bilder abgebildet sind und das bei der Ausstellungseröffnung präsentiert wurde.
Landeshauptmann Hans Peter Doskozil, Constanze Pirch, Eva Gold-Pirch, Harro Pirch, Kulturbetriebe Burgenland-Geschäftsführerin Claudia Prieber, Sabine Kritsch-Schmall, Gerhard Altmann und Manfred Leirer bei der Ausstellungseröffnung samt Buchpräsentation.
© Michaela Grabner
Kraftvolle Stiere scheinen aus der Leinwand zu stürmen, ein Gefühl von Dahoam keimt beim Anblick der mit goldgelb glänzenden Äckern und sattgrünen Wiesen bedeckten Hügel auf und über dem Marmarameer glitzern die Lichter von Istanbul. Insgesamt 1.700 Kunstwerke lagern im persönlichen Fundus von Harro Pirch in seinem Turmhaus in Unterrabnitz - die Aufgabe einen möglichst repräsentativen Querschnitt durch dieses jahrzehntelange Schaffen für die Ausstellung „Lebensbilder“ zusammenzustellen, übertrug er an den befreundeten Künstler Manfred Leirer, selbst aus Unterrabnitz stammend und über 30 Jahre Teilnehmer bei den von Pirch begründeten Rabnitztaler Malerwochen.
„Manchmal habe ich in einer schlaflosen Nacht nachgedacht, wie wird man dem Werk von Harro Pirch gerecht. Für mich als Maler war es dann ganz klar die Farbe“, führte Leirer bei der Ausstellungseröffnung aus. Eine weitere Vorgabe für ihn waren die dreieinhalb Räume der Galerie Turmhaus, wobei Leirer den Rundgang durch die Ausstellung mit einer Wanderung durch die Zeit vergleicht. „Und die beginnt in der Studienzeit in den 1960er-Jahren, als Harro Pirch an der Kunstakademie studierte“, führte Leirer aus.
So werden im kleinsten Raum Bilder gezeigt, denen Leirer „gedämpfte Farbigkeit“ attestiert, die aber gleichzeitig Pirchs Gefühl für Farbe in besonderer Weise hervorstreicht. Im zweiten Raum, in dem die Farbe Gelb dominiert, findet man Werke aus Pirchs ersten Jahren in Unterrabnitz, von denen viele sagen würden, das sei ein typischer Pirch. Es sind vornehmlich Sommerlandschaften zwischen dem Rabnitztal und dem Zöberntal mit Streifenfeldern. Geht man weiter, so folgt man Harro Pirch bei seiner Hinwendung zur Farbe Rot. Besonders das Thema Stiere fasziniert ihn. „Er spielt auf der Klaviatur seiner Malfähigkeit, komponiert und setzt gekonnt jeden Pinselstrich auf die Leinwand - ein Höhepunkt in seinem Werkschaffen“, meint Leirer.
Und schließlich fällt der Blick beim Eintreten in den „blauen Raum“ auf die Silhouette von Istanbul und das Marmarameer. „Vielleicht sein Sehnsuchtsort, ab 1984 ist es ein großes Thema - die Sonnenaufgänge am Bosporus, dampfende Schiffe am Goldenen Horn, die Silhouette von Istanbul, er sagt dazu die Betonwüste, aber bei Harro schaut die Betonwüste aus wie ein Bild von Monet“, stellt Leirer fest. Der betont: „Wenn Harro Pirch malt, dann ist er in seinem Element, er saugt die Umgebung auf wie ein Badeschwamm und gibt sie wieder tropfenweise durch sein Empfinden gefiltert auf die Leinwand.“
Pirchs Bilder werden im Oktober und November auch in Eisenstadt zu sehen sein, denn Landeshauptmann Hans Peter Doskozil beschenkte den Künstler bei der Vernissage in Unterrabnitz zum 85er mit einer Jubiläumsausstellung in der Landesgalerie. „Harro Pirch zählt zu den prägenden Künstlerpersönlichkeiten unseres Landes. Sein jahrzehntelanges Schaffen reicht weit über sein eigenes Werk hinaus. Er hat Begegnungsräume geschaffen, Menschen miteinander verbunden und das Burgenland als Ort der zeitgenössischen Kunst weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt gemacht“, betonte der Landeshauptmann.
Mit seinem Wirken habe Pirch Generationen von Künstlerinnen und Künstlern inspiriert und einen Ort geschaffen, an dem Kreativität, Begegnung und internationaler Austausch gelebt werden. „Mit Harro Pirch ehren wir nicht nur einen herausragenden Künstler, sondern auch einen Kulturvermittler und Visionär. Sein Engagement hat Generationen von Kunstschaffenden inspiriert und die Kulturlandschaft des Burgenlandes nachhaltig geprägt. Sein Werk wird auch künftig einen festen Platz in der Kunstgeschichte unseres Landes einnehmen.“
Einen Beitrag dazu wird auch das Buch „Harro Pirch. Kunst und Leben im Paradies“ leisten, das im Verlag lex liszt 12 erschienen ist und Leben und Werk des Künstlers dokumentiert. Es möchte durch Beiträge von Wegbegleiter*innen unterschiedliche Perspektiven auf Pirchs Persönlichkeit und sein künstlerisches Schaffen eröffnen. Dazu wurden auch 160 Werke von Pirch im Großformat und 240 weitere in Miniatur abgebildet. Das Buch wurde im Rahmen der Ausstellungseröffnung direkt im titelgebenden „Paradies“ zwischen blühenden Sträuchern und bunten Blumen, schattenspendenden Bäumen und den verwunschenen alten Gemäuern des Turmhauses präsentiert.
Oder um es mit den Worten von Manfred Leirer zu sagen: „Man kommt gerne zu Harro Pirch ins Turmhaus als Künstler, als Besucher der Ausstellung und als Freund, weil man in Harro Pirch einen wahrhaft begeisterten, in einer Sache aufgehen könnenden, unglaublich charismatischen Menschen findet, der unbeirrt sich selbst treu geblieben ist und der Menschen um sich braucht, um selbst gebraucht zu werden und der einfach glücklich ist, weil er in diesem Paradies leben darf.“
Harro Pirch, 1941 geboren und ausgebildet an der Akademie der bildenden Künste bei Robin Christian Andersen und Herbert Boeckl, zählt seit Jahrzehnten zu den zentralen Persönlichkeiten des burgenländischen Kunstlebens. Mit der Gründung der Rabnitztaler Malerwochen im Jahr 1971 schuf er einen Ort, an dem ländliche Idylle und internationale künstlerische Impulse über Jahrzehnte hinweg miteinander verschmolzen und machte das Mittelburgenland zu einem Ort der Begegnung und der Kreativität.Pirchs eigene Malerei ist tief mit der Landschaft des Mittelburgenlandes verbunden und fängt nicht nur die Stimmungen des Hügellandes und die Formen von Bäumen und Pflanzen, sondern auch das charakteristische Licht der Region ein. Mit derselben Intensität widmet er sich Motiven auf Reisen wie etwa seinen ikonischen „Krafttieren“ – den Stieren. Seine Bilder sind – wie der Maler selbst – sowohl kraftvoll und intensiv als auch durch Ruhe und innere Balance geprägt.
Quelle: lex liszt 12