Tourismus 2024: Wo die Rekorde purzeln
Neusiedler See Region
Mit klar über drei Millionen Nächtigungen und einem Plus von 4,5 Prozent im Vergleich zu 2023 jubelt man im Burgenland über ein Rekordergebnis. Doch wie hat sich die Region Neusiedler See entwickelt?
Der Tourismus in der Region Neusiedler See schreibt 2024 ein Rekordjahr.
© Burgenland Tourismus, Stills & Emotions
Die Touristiker im Land dürfen sich freuen. Im vergangenen Jahr wurde eine Rekordzahl an Übernachtungen im Burgenland gezählt: Mit 3.287.439 Nächtigungen und einem Plus von 4,5 Prozent gegenüber 2023 wurde erstmals die Marke von 3,2 Millionen Nächtigungen überschritten. Der kürzlich veröffentlichte Bundesländervergleich der Statistik Austria sowie die Dezemberzahlen unterstreichen den Erfolg: Das Burgenland belegt hinter Wien den zweiten Platz bei den prozentuellen Nächtigungssteigerungen von Jänner bis Dezember 2024 und verzeichnet im Dezember, auch dank „Winterwunder Mörbisch“, eine Steigerung von 7,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Der Tourismusmotor für das Burgenland schlechthin ist die Region Neusiedler See: Mehr als die Hälfte aller Übernachtungen werden hier gezählt. Erfreulich für die Tourismuswirtschaft: 2024 hat man das bisherige Rekordjahr 2019 überholt, und zwar mit einer Steigerung von über 10 Prozent an Übernachtungen seit dem Vor-Corona-Jahr.
© Grafik BVZ/ Quelle: Statistik Burgenland
Den Einbruch durch die Corona-Pandemie konnte man im Tourismus nach fünf Jahren wettmachen. Zu erwähnen sei, dass dieser Rekord auch hält, wenn man die Nova Rock-Camper in Nickelsdorf außer Acht lässt. Die Festival-Camper scheinen seit 2023 in der Nächtigungsstatistik auf.
Podersdorf bleibt Zugpferd
Größte Tourismusgemeinde bleibt unangefochten Podersdorf. Nur ein verregneter Juni verhinderte auch hier einen neuen Nächtigungsrekord. Podersdorf punktet mit zahlreichen Veranstaltungen für Familien und innovativen Neuerungen im Strandbereich. Mit 407.149 Übernachtungen belegt Podersdorf hinter Bad Tatzmannsdorf Platz zwei im Burgenland-Ranking.
Der Erfolg in der Seegemeinde steigt und fällt allerdings mit dem Wasserstand des Neusiedler Sees, der sich 2024 stabilisiert hatte. Kaum eine andere Gemeinde hängt so sehr vom Pegel des Sees ab, wie Podersdorf. Für 2025 sch
Sorgenkind mit Potenzial
Eine andere Seegemeinde kämpft trotz gutem Pegelstands mit einem Rückgang an Gästen. Seit 2019 gehen die Nächtigungszahlen in Illmitz stetig bergab. In der Nationalparkgemeinde gibt es viele Privatzimmer, die bereits in die Jahre gekommen sind. Ältere Vermieter wollen nicht mehr in die Unterkünfte investieren, wenn keine Nachfolger in Sicht sind, die den Betrieb weiterführen wollen.

© TVB Nordburgenland/Maria Hollunder, Maria Hollunder
„Es gibt zwar viele Stammgäste, die seit vielen Jahren oder Jahrzehnten gerne nach Illmitz kommen. Aber jüngere Generationen buchen hier weniger“, erklärt Patrik Hierner, Geschäftsführer des Tourismusverbands Nordburgenland. Er sieht einen Investitionsrückstau in Illmitz, gleichzeitig aber ein großes Potenzial in der Gemeinde. Investitionen in das Seebad und in neue innovative Betriebe könnten den Tourismus hier schnell wieder ankurbeln, glaubt er. Der Nationalpark und die einzigartige Landschaft würden sowohl in Illmitz als auch in Apetlon große Chancen bieten.
Ob kleine Privatzimmer oder große Hotels – dort wo Qualität geboten wird, kann mit einem vollen Haus gerechnet werden. Bestes Beispiel ist die Gemeinde Andau. „Das Resort der Familie Scheiblhofer ist allen Unkenrufen zum Trotz gut gebucht. Selbst jetzt im Winter“, betont Hierner. Die hoch qualitativen Unterkünfte des Winzers und Neo-Hoteliers Erich Scheiblhofer brachten der Grenzgemeinde Andau mehr Übernachtungen (67.009) ein als der Hauptstadt Eisenstadt (62.713) mit ihrem umfangreichen Kulturangebot.
Turbo abseits des Neusiedler Sees
Neben dem Neusiedler See, der einzigartigen Naturlandschaft und der Kulinarik ist ein ganz anderes Thema für die Region in den vergangenen Jahren immer wichtiger geworden: das Shopping. „Die Entwicklung in Parndorf ist gewaltig. Nicht nur in den großen Hotels rund um die Einkaufszentren. Es öffnen auch immer mehr kleine Betriebe“, weiß Hierner zu berichten. Seit 2023 hat Parndorf – nach Nächtigungszahlen – Illmitz als zweitgrößte Tourismusgemeinde des Bezirks abgelöst. Auch 2024 darf man sich in der Einkaufsmetropole des Burgenlands über einen Nächtigungszuwachs um mehr als vier Prozent freuen. Auch die Nachbargemeinde Bruckneudorf profitiert laut Hierner immer mehr von diesem Trend.
Und wo sieht der Tourismusexperte neue Möglichkeiten zur Weiterentwicklung? „Vor allem in einem nachhaltigen Tourismus“, sagt er. In Sachen Nachhaltigkeit will man Vorreiter werden. Derzeit ist man auf einem guten Weg eine Zertifizierung mit dem Umweltzeichen zu bekommen. Solche Zertifizierungen würden immer bedeutender werden, so Hierner. Darüber hinaus will man mit „Pannonisch Wandern“ einen neuen Schwerpunkt setzen: „Es gibt ja nicht nur die Wanderer, die in den Bergen herumkraxeln wollen.“
Die burgenländischen Gemeinden mit den höchsten Nächtigungszahlen im Vergleich zu 2023:
1. Bad Tatzmannsdorf 516.458 (+9,6%)
2. Podersdorf 407.149 (+6,5%)
3. Lutzmannsburg 272.657 (-0,3%)
4. Stegersbach 223.360 (+6,2%)
5. Rust 159.798 (0,0%)
6. Parndorf 138.610 (+4,2%)
7. Frauenkirchen 125.363 (+1,7%)
8. Nickelsdorf 123.194 (-12,7%)
9. Bad Sauerbrunn 114.247 (+4,2%)
10. Illmitz 108.409 (-4,7%)