Von Schlammsaugen bis Donauzufluss: Seemanagement zieht Bilanz

Neusiedler See

Das Seemanagement Burgenland war über den Winter in elf von 14 Anrainergemeinden im Einsatz und entfernte dabei 43.000 Kubikmeter Schlamm aus dem Neusiedler See.

Landesrat Heinrich Dorner, Oggaus Bürgermeister Bundesrat Thomas Schmid und Seemanager Erich Gebhardt vor einer neuen Schilfschneidemaschine am Oggauer Hafen.

Landesrat Heinrich Dorner, Oggaus Bürgermeister Bundesrat Thomas Schmid und Seemanager Erich Gebhardt vor einer neuen Schilfschneidemaschine am Oggauer Hafen.

© BVZ/Wagentristl

Es sind drei große Themenblöcke, mit denen die Seemanagement Burgenland GmbH des Landes besonders viel Arbeit hat: der geplante Zufluss von der Donau in den Neusiedler See, das Verhindern von übermäßigen Wasserabfluss aus dem See (und dem Seewinkel) und das Seemanagement. Über Letzteres zog das Land am Montag in Oggau Bilanz.

Zu den Kernaufgaben des Seemanagements gehören vor allem die Pflege des Schilfgürtels, insbesondere die Entfernung von Bruchschilf, die Instandhaltung von Kanälen, Brandschutzschneisen und Schilfinseln, sowie das Absaugen von störenden Schlamm. Dieser sorgt vor allem in Häfen, in den Fahrspuren der Fähren und in Badebereichen für Probleme.

Weniger Schlamm als im Vorjahr abgesaugt

„Das Team des Seemanagement um Geschäftsführer Erich Gebhardt hat wirklich gute Arbeit beim Entschlammen und Schilfschneiden geleistet“, so Landesrat Heinrich Dorner.

Es wurden an 29 Standorte Maßnahmen umgesetzt und das in elf von 14 Gemeinden am Neusiedler See. Landesrat Heinrich Dorner zog Bilanz über die Arbeit des Seemanagements.

Von Schlammsaugen bis Donauzufluss: Seemanagement zieht Bilanz

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Insgesamt wurden heuer 43.000 Kubikmeter Schlamm aus dem Neusiedler See entfernt. Im Vorjahr waren es noch 60.000 Kubikmeter. Die geringere Menge sei vor allem darauf zurückzuführen, dass heuer ein Schlamabsatzbecken weniger zur Verfügung stand, nämlich jenes in Breitenbrunn. Dieses werde gerade „auf den Stand der Technik gebracht“, so Seemanager Gebhardt.

In anderen Gemeinden seien bereits neue Absetzbecken in Planung, andernorts sollen bestehende Becken wieder instandgesetzt werden.

Wo das Seemanagement im Einsatz war

Schilfarbeiten dürfen am Neusiedler See nur zwischen 15. Oktober und 15. März stattfinden - aus Rücksicht auf die tierischen Bewohner des Schilfgürtels. Für die Seemanagement Burgenland GmbH war es die zweite Saison. Auch heuer wurde der Fuhrpark nach ausgiebigen Tests erweitert, etwa um eine umgebaute Pistenraupe - „Serienware von der Stange“ gibt es zur Schilf- und Schlammbekämpfung nicht.

Auch heuer lag der Fokus dabei auf Schifffahrtswegen, Hafenanlagen und Badebereichen. Konkret gearbeitet wurde etwa am Westhafen in Neusiedl, am Südhafen in Podersdorf, und in Bereichen in der Nähe des Burgenländischen Yachtclubs (BYC) in Rust und beim Yachtclub Podersdorf (YCP).

Eine größere Baustelle gab es für das Seemanagement auch bei der Schilfinsel in Neusiedl. Diese „war schon fast mit dem Schilfgürtel zusammengewachsen“, wodurch die Zirkulation des Wassers fast gänzlich verhindert wurde. Ähnliche Arbeiten stehen auch in anderen Bereichen an, erklärt Gebhardt.

Nicht nur Land, auch Bund bekennt sich zu Seezufluss

Wenig Neues gibt es auch zum geplanten und mehrfach angekündigten Zufluss von der Donau zum Neusiedler See. Die ungarische Lösung ist hier vom Tisch, stattdessen setzt das Burgenland nun auf Zusammenarbeit mit Niederösterreich. „Hier gibt es gute Gespräche mit meinem Gegenüber Stephan Pernkopf“, versichert Dorner.

Von Schlammsaugen bis Donauzufluss: Seemanagement zieht Bilanz

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Eine Zeitachse für die Umsetzung gibt es bei diesem emotionalisierten Thema noch nicht, bis Jahresende soll allerdings die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) starten. Konkreter wollte der Landesrat aber noch nicht werden.

Das hier zuletzt wenig weiterging, liegt nicht zuletzt am Bund: In der mehr als hunderttägigen Zeit der Regierungsbildung gab es für das Burgenland keinen Ansprechpartner - ehe feststand, dass mit Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig alles beim Alten bleibt.

Allerdings: „Nicht nur die Landesregierung, auch die Bundesregierung hat das Projekt Seezufluss im Regierungsprogramm festgeschrieben“, freut sich Dorner über Rückhalt aus Wien.

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Abbrennen von Totschilf: Reinhaltegesetz als Bremse

Aufgrund der langen Ungewissheit im Bund stockte zuletzt auch die Debatte über eine Gesetzesänderung beim Luftreinhaltegesetz, um das Abbrennen von Totschilfflächen zu ermöglichen. Hier sind sich von Land bis Tierschützern alle einig, dass - unter streng kontrollierten Voraussetzungen - der Neusiedler See samt Pflanzen und Tieren davon profitieren würde.

Wasser soll in der Region gehalten werden

Dass angesichts von zunehmender Trockenheit weiterhin Wasser vom Seewinkel Richtung schwarzes Meer fließt, ist auch der Landespolitik und dem Seemanagement ein Dorn im Auge. Über 20 Wehranlagen wurden daher in den Entwässerungsgräben des ehemals dauerfeuchten Hanságs errichtet, die den kostbaren Niederschlag vor dem Abfluss Richtung Osten bewahren sollen.

Von Schlammsaugen bis Donauzufluss: Seemanagement zieht Bilanz

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Generell sei man jedenfalls laufend um Austausch mit Landwirtschaftskammer und Wassergenossenschaften bemüht. Die Landwirtschaft müsse sich den veränderten Gegebenheiten anpassen. „Ohne Unterstützungsmaßnahmen für die Anpassung an den Klimawandel wird es nicht gehen“, betont Landesrat Dorner auf Nachfrage. An den Details werde aktuell noch gearbeitet.

Bewässerung im Seewinkel kann so wohl nicht weitergehen

Ein Dorn im Auge von Klima- und Umweltschützern ist aber auch die intensive Bewässerung der Landwirtschaft im Seewinkel. Man sei noch in der „Absimmungsphase mit Vertretern der Landwirtschaft“, Änderungen seien hier aber jedenfalls geplant - nicht zuletzt beim Zeitpunkt. Vor allem das Bewässern von Maisfeldern und co. tagsüber bei pannonischer Sommerhitze gilt als ineffiziente Wasserverschwendung.

Es gibt zwar Grenzwerte, ab denen nicht mehr bewässert werden darf - diese greifen laut einige Experten (auch beim Land) aber deutlich zu spät, wenn die Grundwasser-Situation eigentlich bereits dramatisch ist. Das schadet vor allem den Lacken im Seewinkel, die im Gegensatz zum Neusiedler See stark vom Grundwasserspiegel abhängig sind.

„Hier müssen alle Stakeholder mitwirken. Und hier muss sich jeder bewegen“, betont Dorner.