Nachbarschaftliche Leuchtturmprojekte: So läuft die Energiewende

Nordburgenland

Mit einem repowerten Windpark in Neusiedl am See / Weiden am See und einem Hybridkraftwerk im benachbarten Parndorf sind im Nordburgenland zwei große Energieprojekte in Betrieb gegangen. Während in den beiden Seegemeinden bestehende Windkraftanlagen durch leistungsstärkere Modelle ersetzt wurden, hat unweit davon in Parndorf eine kombinierte Wind- und Photovoltaikanlage den Probebetrieb aufgenommen. Beide Anlagen setzen auf erneuerbare Energiequellen und regionale Stromproduktion.

Eröffnung von Österreichs größtem Windpark in Neusiedl/Weiden mit Bundesminister Peter Hanke, Landeshauptmann Hans Peter Doskozil und CEO Stephan Sharma (Burgenland Energie).

Eröffnung von Österreichs größtem Windpark in Neusiedl/Weiden mit Bundesminister Peter Hanke, Landeshauptmann Hans Peter Doskozil und CEO Stephan Sharma (Burgenland Energie).

© Energie Burgenland AG, Richard Neubauer

Leistungsstärkster Windpark Österreichs nach Repowering in Betrieb

Im Beisein von Landeshauptmann Hans Peter Doskozil, Bundesminister Peter Hanke und Burgenland Energie CEO Stephan Sharma wurde der modernisierte Windpark Neusiedl/Weiden heute offiziell gestartet. Betreiber ist die Burgenland Energie.

Nachbarschaftliche Leuchtturmprojekte: So läuft die Energiewende

© BVZ

Am Standort wurden bestehende Anlagen durch neue ersetzt. Insgesamt erzeugen nun 23 Windräder mit rund 122 Megawatt Leistung jährlich etwa 251 Millionen Kilowattstunden Strom. „Damit können rund 70.000 Haushalte mit Strom versorgt werden und über den Fanclub Burgenland Energieunabhängig 20 Jahre einen sicheren Strompreis von 10 Cent pro Kilowattstunde erhalten.“, sagte Doskozil bei der Eröffnung.

Das Projekt gilt als weiterer Schritt auf dem Weg zur bilanziellen Energieunabhängigkeit des Burgenland bis 2030. Die Umsetzung erfolgte gemeinsam mit der Europäische Investitionsbank.

Nachbarschaftliche Leuchtturmprojekte: So läuft die Energiewende

© Energie Burgenland AG, Richard Neubauer

Weniger Anlagen, höhere Leistung

Am Standort wurden 44 ältere Windräder abgebaut und vollständig recycelt. Die neuen Anlagen sind deutlich leistungsstärker. „ Die Anzahl der Windräder wurde halbiert und gleichzeitig die Stromproduktion verdoppelt“, erklärte Stephan Sharma. Die Errichtung dauerte laut Unternehmensangaben rund drei Jahre.

Österreich sei im Winter weiterhin auf Stromimporte angewiesen, betonte Hanke: „Daher brauchen wir mehr Winderzeugung, die gerade in dieser Zeit besonders stark ist und daher einen Beitrag zur Versorgungssicherheit leistet.“ Die Eröffnung des größten Windparks Österreichs sei ein wichtiges Signal, denn damit fördere man die Erzeugung heimischen Stroms für die heimische Industrie. „Die Investitionen, die hier getätigt wurden, führen auch zu österreichischer und regionaler Wertschöpfung.“

Nachbarschaftliche Leuchtturmprojekte: So läuft die Energiewende

© Energie Burgenland AG

Ergänzend zu den 23 Windrädern im Windpark Neusiedl/Weiden ist in den nächsten Monaten die Errichtung eines Agri-Photovoltaikparks vorgesehen.

Hybridkraftwerk Parndorf speist erste Energie ein

Nur wenige Kilometer entfernt startete ein so ein Projekt in den Probebetrieb. Ein Agri-PV-Hybridkraftwerk im Parndorfer Gemeindegebiet speist bereits erste Strommengen ins Netz ein. Beteiligt sind hier die oekostrom AG, die deutsche Energiegenossenschaft Green Planet Energy eG sowie die Stadtwerke Hartberg.

Die Anlage erreicht im Endausbau eine Gesamtleistung von 17 Megawatt peak (MWp). Rund 6.320 Haushalte sollen damit versorgt werden. Das Kraftwerk verbindet Windkraft und Photovoltaik auf einer gemeinsamen Infrastruktur. Dadurch steigt die jährliche Betriebsdauer von etwa 2.000 auf rund 4.000 Stunden.

„Der Probebetrieb zeigt bereits eindrucksvoll, wie gut sich Wind und Sonne ergänzen“, sagte Jan Häupler von der oekostrom AG. „Mit derselben Infrastruktur erzielen wir nahezu doppelt so viele Betriebsstunden wie mit einer Einzelanlage – ein zentraler Effizienzgewinn für die Energiewende.“

Nachbarschaftliche Leuchtturmprojekte: So läuft die Energiewende

© oekostrom AG

Auch die Bauweise der Solarmodule folgt diesem Ansatz. Die Solarmodule folgen dem Tagesverlauf der Sonne von Ost nach West – vom Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. „So nutzen wir Solarenergie gleichmäßig über den ganzen Tag und passen die Produktion optimal an den Verbrauch vor- und nachmittags an, ohne die typische Mittagsspitze“, erläuterte Nils Müller von Green Planet Energy.

Energieproduktion und Landwirtschaft kombiniert

Die Flächen zwischen den Solarmodulen bleiben landwirtschaftlich nutzbar. Künftig sollen Schafe dort grasen und gleichzeitig die Vegetation pflegen. „Parndorf ist ein Vorzeigeprojekt, das beweist, wie sich erneuerbare Energiequellen über das Jahr hinweg optimal ergänzen. Gleichzeitig zeigt die Agri-PV-Fläche, wie Energieproduktion und Landwirtschaft – etwa durch Schafbeweidung – harmonisch zusammenwirken können“, erklärte Christoph Ehrenhöfer von den Stadtwerken Hartberg.

Ein Batteriespeicherprojekt wurde bereits bei der Behörde eingereicht. „Mit dem Speicher heben wir das Hybridkonzept auf das nächste Level“, sagte Christoph Grosssteiner von der oekostrom Produktions GmbH. „Er macht die Einspeisung in das Verteilnetz nicht nur flexibler, sondern steigert auch den systemischen Nutzen für das Energiesystem.“

Zwei Projekte, ein gemeinsames Ziel

Das Repowering des Windparks bei Neusiedl und Weiden sowie das Hybridkraftwerk in Parndorf stehen für unterschiedliche technische Ansätze, verfolgen aber ein gemeinsames Ziel: mehr Strom aus regionalen erneuerbaren Quellen und eine stabilere Versorgung über das Jahr hinweg. Im Nordburgenland wächst damit ein eng vernetztes Energiesystem, das Wind, Sonne, Landwirtschaft und Speichertechnologien miteinander verbindet.