Die Segel-Crew im olympischen Tüftelmodus
Olympia 2028
Knapp zwei Jahre vor den Spielen in Los Angeles läuft die Vorbereitung auf das Olympiarevier auf Hochtouren. Mittendrin waren bei umfangreichen Trainings in den USA mit Olympiasieger Valentin Bontus sowie Laura Farese und Matthäus Zöchling drei Aktive burgenländischer Yachtclubs. Sie alle befanden sich im Tüftelmodus.
© OeSV/Dominik Matesa
Los Angeles 2028 scheint noch weit entfernt. Im österreichischen Segelsport ist Olympia aber längst Gegenwart. Seit Anfang Juli und nahezu durchgehend bis Anfang Oktober ist der Österreichische Segel-Verband blockweise mit Athleten, Trainern und Experten im künftigen Olympiarevier vor San Pedro und Long Beach vertreten.
Mit dabei waren auch drei Segler unter rot-goldener Flagge: Formula-Kite-Olympiasieger Valentin Bontus vom Yacht Club Podersdorf sowie das Nacra-17-Duo Laura Farese und Matthäus Zöchling vom Union Yacht Club Neusiedlersee. Sie absolvierten ebenso wie weitere Nationalteammitglieder einen hochwertigen Vergleich mit der internationalen Konkurrenz.
Gesteuert wird die sportliche Olympia-Kampagne von einem weiteren alten Bekannten der heimischen Segelszene. OeSV-Sportdirektor Matthias Schmid (45) war selbst im 470er gemeinsam mit Florian Reichstädter für den Yacht Club Breitenbrunn aktiv und nahm dreimal an Olympischen Spielen teil: 2008 in Peking, 2012 in London und 2016 in Rio.
Nun zieht er seit geraumer Zeit als Sportdirektor die Fäden im Verband. Bereits 2025 gehörte Österreich zu den wenigen Nationen, die einen längeren Trainingsaufenthalt in Los Angeles absolvierten. Damals ging es vor allem darum, die beiden Wettkampforte kennenzulernen sowie Wetter- und Strömungsdaten zu sammeln. Heuer wurde die Präsenz massiv ausgeweitet.
„Im Vorjahr ging es noch um das Kennenlernen, heuer um das Verstehen“, bringt es Schmid auf den Punkt. Gearbeitet wurde unter anderem an Material, Bewegungslehre, Meteorologie, Strömung, Technologie, Taktik und Strategie.
Das Ziel dahinter ist klar. Die österreichischen Segler sollen sich im Olympiarevier möglichst heimisch fühlen. „Man kann nie lange genug im Olympiarevier trainieren“, sagt Schmid. Entscheidend sei letztlich aber nicht die Zahl der Trainingsstunden: „Es geht nicht darum, wie lange wir hier waren. Entscheidend ist, ob wir die gesammelten Informationen am Ende besser nutzen können als die Konkurrenz.“
San Pedro und Long Beach gelten grundsätzlich als vergleichsweise berechenbare Reviere. Der Wind ist meist stabil, viele Muster sind früh zu erkennen. Genau deshalb könnten bei Olympia Kleinigkeiten den Ausschlag geben.
„Wenn alle wissen, wo es hingeht, entscheiden die Details“, erklärt Schmid. Gute Starts und vor allem die Bootsgeschwindigkeit sollen besonders wichtig werden. Entsprechend intensiv arbeitet das Technologie-Team um Roman Hagara an der Abstimmung des Materials.
Eine weitere Herausforderung wartet bei der Lage der Regattabahnen. Die Kurse können innerhalb oder außerhalb des Hafenbeckens gelegt werden – mit teils völlig unterschiedlichen Bedingungen. Laut Schmid brachten bereits Verlegungen um lediglich 100 Meter deutlich andere Strömungsdaten.
Während des langen LA-Aufenthalts absolvierte Österreich auch hochwertige Regatten und damit wichtige Vergleiche mit der internationalen Konkurrenz. Mit dabei waren neben Bontus im Formula Kite und Farese/Zöchling im Nacra-17 auch die 49er-Vizeweltmeister Keanu Prettner und Jakob Flachberger sowie das zweite Nacra-17-Boot mit Lukas Haberl/Clara Stamminger. Insgesamt gelangen der österreichischen Equipe drei Top-10-Platzierungen.
Für Schmid waren allerdings weniger die nackten Resultate als die dabei gewonnenen Erkenntnisse entscheidend: „Eine Regatta ist immer relevant. Noch wichtiger ist für uns aber, was wir daraus lernen, mitnehmen und in weiterer Folge verbessern können.“ Im Laufe der Bewerbe habe man deutliche Fortschritte gesehen. „Das war sehr positiv und zeigt gleichzeitig, wie wichtig jede zusätzliche Stunde in diesem Revier für uns ist. Wir sind noch nicht dort, wo wir sein wollen, wissen aber sehr genau, woran wir arbeiten müssen.“