Vor 20 Jahren Tochter missbraucht: Haftstrafe für 64-Jährigen

Bezirk Neusiedl

Ein 64-jähriger, von Krankheit schwer gezeichneter Mann aus dem Bezirk Neusiedl stand wegen sexuellen Missbrauchs seiner Tochter vor Gericht.

Der Angeklagte wurde im Rollstuhl in den Verhandlungssaal gebracht.

Der Angeklagte wurde im Rollstuhl in den Verhandlungssaal gebracht.

© BVZ/Kirchmeir

Am 5. Februar 2025 wurde der 64-jährige Angeklagte im Rollstuhl in den Verhandlungssaal 1 im Landesgericht Eisenstadt geführt. Die Fragen der Richterinnen, der Staatsanwältin, der Anwältin des mutmaßlichen Opfers und des Verteidigers beanwortete er mit heiserer, schwer vernehmbarer Stimme.

Was ihm die Staatsanwältin vorwirft, wiegt schwer. Er soll seine leibliche Tochter sexuell missbraucht haben, als diese sieben oder acht Jahre alt war. Der Missbrauch soll 2005 oder 2006 stattgefunden haben. Mitte 2007 ließ sich die Mutter des Mädchens von ihrem Ehemann scheiden.

Einige Monate später wurde das Kind in der Jugendpsychiatrie aufgenommen. Ärztliche Befunde attestieren ihr ein schweres kindliches Trauma.

Nach vielen Jahren fand die Frau heraus, was in ihrer Kindheit passierte

Erst 2022, bei einer Rehabilitation, fand die junge Frau heraus, was sie so sehr quälte. Sie erstattete Anzeige gegen ihren Vater und schilderte die Missbrauchshandlungen in einer schonenden, auf Video aufgezeichneten gerichtlichen Einvernahme.

„Die meisten von uns können sich das nicht vorstellen“, sagte die Privatbeteiligtenvertreterin Csilla Popadic-Antal. „Aber das vergisst man nicht, wenn der eigene Vater sagt: Hast du Lust auf ein bisschen Sex.“ Sie forderte für ihre Mandantin 5.000 Euro als Schadenersatz für die Verletzung der sexuellen Integrität und die seelischen Schmerzen.

Angeklagter Vater ist ein Pflegefall

„Er ist ein Pflegefall“, sagte Verteidiger Gert Untergrabner. Sein Mandant leide an den Folgen einer missglückten Operation, er sei an Herz und Hirn operiert worden. Schon in den 1970er- und 1980er-Jahren sei bei dem früheren Unternehmer eine psychische Störung aufgetreten. Er habe auch einen Selbstmordversuch unternommen, so der Verteidiger.

Obwohl er Psychopharmaka einnehmen musste, trank der Familienvater täglich rund zehn Flaschen Bier, wie er selbst vor Gericht bestätigte.

„Das ist alles eine Lüge“, lispelte der Angeklagte ins Mikrofon und bekannte sich zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft nicht schuldig.

Der Pensionist bestritt die Übergriffe

„Warum sollte Ihre Tochter nach so vielen Jahren so etwas erfinden?“, fragte ihn die Richterin. „Geld wollen sie haben“, antwortete der Angeklagte. Zuvor hatte er angegeben, beim Finanzamt verschuldet zu sein und von 1.200 Euro Pension zu leben. „Ich habe Ersparnisse“, informierte er jetzt das Gericht. „5.000 Euro vielleicht.“

Im Laufe des Prozesses wurden einige Details aus dem Leben des Angeklagten angesprochen. So erzählte dieser, er habe in einem Bordell in Wien Schulden gemacht. „Am nächsten Tag kam ein Schläger in meine Firma, der wollte Geld eintreiben“, berichtete der Angeklagte. Einen Teil des Geldes habe er dem Mann gegeben.

Rotlicht-Milieu und Stringtangas

Seine Ex-Frau hatte zu Protokoll gegeben: „Sie legten mir Bilder vor, wie er nackt an einer Stange tanzte. Sie drohten mir, wenn ich nicht zahle, schicken sie mir die Russen-Mafia.“ Sie habe daraufhin ihre Tochter immer nur in Begleitung in die Schule gehen lassen.

Zur Sprache kam auch, dass der Angeklagte seiner Tochter einen „erotischen Stringtanga“ gezeigt haben soll, als diese elf Jahre alt war. Der Pensionist bestätigte, Unterwäsche dieser Art besessen zu haben. „Wieso zeigt man seiner Tochter so etwas?“, fragte die Richterin. „Weil sie mich fragte, ob ich so etwas habe“, antwortete der Angeklagte.

Mutter des Opfers berichtete von Schlägen

Die Mutter des mutmaßlichen Opfers berichtete als Zeugin vor Gericht, dass ihre Tochter vom Vater geschlagen worden sei: „Mit der flachen Hand - auf den Rücken, auf den Hintern, wo er sie erwischt hat.“ Von den sexuellen Übergriffen habe sie nichts mitbekommen.

Sie habe aber geahnt, dass „etwas passiert sein muss, ich wusste aber nicht, was“, so die Frau. Auch in der Jugendpsychiatrie habe „niemand herausgekriegt, was passiert ist“, sagte die Mutter.

„Können Sie sich erklären, warum sie nach so vielen Jahren die Anzeige machte?“, fragte die Richterin.

Opfer wollte endlich einen Schlussstrich ziehen können

„Als es bei der Therapie herauskam, wurde ihr nahegelegt, ihn anzuzeigen, um endlich einen Schlussstrich ziehen zu können“, sagte die Mutter.

Der 64-jährige Angeklagte blieb bis zum Schluss dabei: Er habe nichts Falsches gemacht.

Der Schöffensenat sprach ihn aber aufgrund der glaubwürdigen Aussagen des Opfers und einer früheren Schulfreundin schuldig und verurteilte ihn zu 21 Monaten Haft. An seine Tochter muss der Pensionist 3.000 Euro bezahlen.

Das Urteil ist nicht rechtskräftig.