„Blöd“ geschaut? Am Gehsteig niedergeschlagen
Opfer will 7.100 Euro
Ehepaar angeklagt, weil Lokalbesucher niedergeschlagen und Rettung nicht gerufen wurde.
Der 32-jährige Arbeitslose und seine 34-jährige Frau müssen sich wegen eines Vorfalls von Anfang Juni vor Gericht verantworten.
© BVZ/Kirchmeir
Ein folgenschwerer Vorfall vom 4. Juni 2026 in Jennersdorf ist jetzt Thema am Landesgericht Eisenstadt. Ein 32-jähriger Mann soll einen Lokalbesucher mit der Faust niedergeschlagen, seine 34-jährige Frau soll es unterlassen haben, für den Schwerverletzten die Rettung zu rufen. Vorgeworfen wird ihr auch eine Falschaussage, weil sie bei der Polizei behauptete, von der körperlichen Auseinandersetzung nichts mitbekommen zu haben.
Am Dienstag, 11. August 2026, argumentierte der Ehemann mit Notwehr, seine Frau behauptete, den Vorfall gar nicht bemerkt zu haben. Der Prozess wurde vertagt, weil ein Augenzeuge seiner Zeugenladung nicht Folge geleistet hatte.
Vorfall passierte beim Zigarettenholen
Am 4. Juni wollte das Ehepaar in Jennersdorf nur schnell „Zigaretten aus dem Automaten drücken“. Die Frau, die das Auto lenkte, stieg aus, ihr Mann blieb auf der Beifahrerseite sitzen und wandte sich nach eigenen Angaben an Personen, die vor einem wenige Meter entfernten Schanigarten saßen. „Ich sagte: Lasst's das respektlose Schauen“, so der Angeklagte.
„Ich sah schon beim Hinfahren, dass sie blöd lachten“, beschrieb er die Situation. Einer der Lokalbesucher habe gefragt: „Was ist los, du Depperter?“ und sei „sehr aggressiv und schnell auf ihn zugekommen“, so der 32-Jährige.
„Sie müssen ihn stark getroffen haben“
Der andere habe „die Hand gehoben und zu einer Faust geformt“ gehabt, da habe er selbst mit der rechten Faust zugeschlagen. Mit schlimmen Folgen: Das Opfer stürzte mit dem Kopf auf den Randstein und zog sich Brüche an der Nase und am Augenhöhlenboden zu. „Sie müssen ihn stark getroffen haben“, stellte die Richterin fest.
„Es war ein Fehler. Ich hätte nicht aussteigen sollen“, gab der Angeklagte zu. Die vom Opfer geforderten 7.100 Euro könne er nicht zahlen, so der bislang unbescholtene 32-Jährige, der seit einem Monat auf Arbeitssuche ist.
„Ich ging eigentlich ins Auto“
Seine Ehefrau behauptete, sie sei unverrichteter Dinge vor dem Zigarettenautomaten umgekehrt, als sie einen verbalen Streit gehört habe. „Ich wurde nervös, flüchtete vor Streit und Auseinandersetzung“, sagte sie vor Gericht. „Ich ging eigentlich ins Auto. Ich gehe so etwas aus dem Weg, eigentlich“, lautete ihre Verantwortung vor Gericht.
Sie habe nicht mitbekommen, „dass etwas eskaliert wäre“.
Anders hatte es jener Augenzeuge bei der Polizei geschildert, der seiner Einvernahme bei Gericht unentschuldigt ferngeblieben war: Er hatte angegeben, dass die Frau den Schlag ihres Ehemannes sehr wohl gesehen habe.
„Ich dachte, er schreit mich an“
„Der Mann machte die Autotür auf und schrie“, berichtete das Opfer vor Gericht. „Ich dachte, er schreit mich an. Ich fragte, was los ist.“ Dann sei der Mann auf ihn zugekommen, die Frau habe versucht, ihn zurückzuhalten.
Er sei aufgestanden, so das Opfer, habe die offenen Hände nach vorne gehalten und den Angreifer aufgefordert, Ruhe zu geben. „Er hatte beide Fäuste erhoben“, so das Opfer über den Angeklagten. Unmittelbar danach sei er ohnmächtig geworden. Einen Monat lang sei er nach der Attacke im Krankenstand gewesen, er habe noch immer Schmerzen und eine Nasen-OP vor sich.
Der Prozess wurde vertagt.