Neusiedl am See: Verfallenes Seerestaurant wird zum Kulturzentrum
Planung fixiert
Das frühere Seerestaurant am Neusiedler Strandbad wird zum neuen Kulturzentrum für den Bezirk Neusiedl am See. Nach Jahren des Stillstands hat das Land Burgenland angekündigt, das leerstehende Gebäude zu revitalisieren und künftig für kulturelle, bildnerische und gastronomische Zwecke zu nutzen. Geplanter Baubeginn ist nach Abschluss der Detailplanung.
Das alte Seerestaurant soll als KUZ (Kulturzentrum ) Neusiedl das ganze Jahr über aktiv genutzt werden und als Plattform für die Vermittlung von Natur- und Kulturerbe-Themen rund um den Nationalpark Neusiedler See – Seewinkel und das UNESCO-Weltkulturerbe Fertõ/Neusiedler See dienen.
© LIB – Landesimmobilien Burgenland GmbH
Erste Einblicke in das geplante Projekt gab Landeshauptmann Hans Peter Doskozil zusammen mit Kultur-Burgenland-Geschäftsführerin Claudia Priber, Neusiedls Bürgermeisterin Elisabeth Böhm und Landesimmobilien-Geschäftsführerin Jutta Benedek als „nächsten Meilenstein in der Kulturpolitik“: Man habe sich Zeit genommen, um mögliche Standorte zu prüfen, auch im Hinblick auf das Natura-2000-Gebiet; für den Standort direkt am See hat man sich nun entschieden, und auch der Kaufpreis von 4,8 Millionen Euro brutto könne gerechtfertigt werden.
Von der historischen Idee her, dieses Gebäude am See nicht schleifen zu lassen, sondern den Bestand zu erhalten und zu revitalisieren, geht der Plan des neuen Kulturzentrums aus, erläuterte der Landeshauptmann. Auch Landesimmobilien-Geschäftsführerin Benedek gab einen Ausblick auf die ressourcenschonende Bauweise.
Kulturbetriebe-Geschäfztsführerin Priber nannte das alte Seerestaurant bei der Präsentation ein „Schmuckstück“, das trotz seiner vielen Jahre eine Energie habe, die man neu beleben will. Bürgermeisterin Böhm kündigte die ganzjährige Nutzung an und sprach vom nunmehrigen Projektstart als „historischen Tag“.
© Wolfgang Millendorfer
Die Vorgeschichte: „Schandfleck“ am See
Wer dieser Tage das Strandbad in Neusiedl am See betritt, sieht als Erstes das ehemalige Seerestaurant. Das Gebäude, seit Jahren ungenutzt, steht zunehmend im Zeichen des Verfalls: abgeblätterter Putz, verwitterte Fensterrahmen, ein verwahrloster Vorplatz. Für viele ist der Zustand ein Ärgernis – der einst belebte Treffpunkt hat sich zu einem städtebaulichen Schandfleck entwickelt.
Einst Hotel geplant – jetzt multifunktionaler Ort für Kultur und Bildung
Dabei hat das Gebäude eine bewegte Geschichte. Über viele Jahre hinweg wurde es als Seerestaurant betrieben, zuletzt von Pächter Mansoor Fazeli. Nach dessen Pensionierung im Jahr 2016 blieb der Betrieb geschlossen, lediglich einzelne Events fanden noch statt. 2019 legte die neue Eigentümerin, die Seeblick GmbH, dem Gemeinderat ein Konzept für ein Lifestyle-Hotel mit 63 Zimmern und Spa-Bereich vor.
Das 13-Millionen-Euro-Projekt von Gerhard und Bettina Milletich, Stefan Graf und Gerald Pichler scheiterte jedoch am fehlenden Gemeinderatsbeschluss zur nötigen Umwidmung. Auch der Welterbe-Beirat äußerte Bedenken, insbesondere zur Gebäudehöhe. Das Hotel kam nie über die Planungsphase hinaus.

© BVZ, Grafik: Landesimmobilien Burgenland
Nachhaltige Nutzung ohne Neubau
Nun also ein neues Kapitel: Das Land Burgenland hat das Gebäude gekauft und möchte im Altbestand ein Kulturzentrum errichten: Das Projekt ist der letzte Puzzlestein im Rahmen der landesweiten Strategie, jedem Bezirk ein KUZ (Kulturzentrum) bereitzustellen. Landeshauptmann Hans Peter Doskozil sprach beim Projektstart von einer „Einlösung eines Versprechens“ und betonte ebenfalls den ressourcenschonenden Ansatz.
Anstelle eines Neubaus wird der vorhandene Baukörper soweit wie möglich erhalten. Geplante bauliche Ergänzungen orientieren sich in Materialwahl und Gestaltung an der umliegenden Natur des Neusiedler Sees.
Die Landesimmobilien Burgenland (LIB) übernimmt als Bauherrin die Verantwortung für Planung und Projektsteuerung. Geschäftsführerin Jutta Benedek erklärte: „Geplant ist, den Bestandsbaukörper mittels gezielter Eingriffe in seiner bestehenden Optik nicht wesentlich zu verändern.“ Ziel sei es, Bestehendes aufzuwerten, ohne neue Flächen zu versiegeln.
Raum für Kultur, Bildung und Begegnung
Das neue KUZ soll rund 2.500 Quadratmeter auf zwei Ebenen umfassen. Herzstück ist ein Veranstaltungssaal mit bis zu 450 Sitzplätzen, mobiler Bühne und flexibler Bestuhlung. Geplant sind außerdem Seminarräume, Ausstellungsflächen, ein multimedial gestaltetes Foyer mit Lounge, Co-Working-Zonen und ein Bistro mit Innen- und Terrassensitzplätzen. Im Sommer wird der Außenraum für Veranstaltungen genutzt – unter anderem für Führungen und interaktive Formate.
Das KUZ Neusiedl soll das ganze Jahr über aktiv genutzt werden und als Plattform für die Vermittlung von Natur- und Kulturerbe-Themen rund um den Nationalpark Neusiedler See – Seewinkel und das UNESCO-Weltkulturerbe Fertõ/Neusiedler See dienen. Neben Konzerten, Theater und Kunstausstellungen soll das Zentrum auch der Vermittlung von Natur- und Kulturerbe dienen. Claudia Priber, Geschäftsführerin der Kulturbetriebe Burgenland, kündigte eine immersive Ausstellungswelt zu Themen wie Klimaschutz, Artenvielfalt und Nachhaltigkeit an. Ein Infopoint bietet künftig Informationen zu regionalen Angeboten, Touren und Veranstaltungen.
Ein Partner hat sich bereits mit dem Karin Schäfer Figurentheater gefunden. Das Kulturzentrum will man, wie die anderen Kulturzentren, als offenes Haus führen. Bürgermeisterin Elisabeth Böhm (SPÖ) spricht von einem „Meilenstein für die Stadt und ein starkes Signal für die Region“. Das neue Zentrum verstehe sich als „Ort für alle – für Bürgerinnen und Bürger, Gäste, Kulturschaffende, Naturinteressierte und Familien“.
Die bautechnische Detailplanung läuft, im Neusiedler Gemeinderat werden kommende Woche die Pläne präsentiert - die öffentliche Sitzung findet in der Tennishalle statt, weil mit einem regen Interesse der Bevölkerung gerechnet wird.
Wann die Bauarbeiten konkret starten, wurde noch nicht bekannt gegeben. Landeshauptmann Doskozil rechnet mit der Bauphase ab 2027 und einer Fertigstellung bis 2028. Was die Gesamtkosten betrifft, geht man - aus der Erfahrung beim Neubau des Kulturzentrums Güssing - von einer Investitionssumme von „knapp über 20 Millionen Euro“ aus. Über allem steht der Plan, das heruntergekommene Seerestaurant wieder zu einem Ort der Begegnung zu machen.