Trockenheit: Wasserleitungsverband erhöht Tarife im Nordburgenland
Preisanpassung
Der Wasserleitungsverband Nördliches Burgenland (WLV) hat eine Tariferhöhung beschlossen. Grund dafür sind der Klimawandel und die damit einhergehende Trockenheit, erforderliche Erneuerungen und Neubauten bei der Infrastruktur sowie Preissteigerungen, die den WLV vor große Herausforderungen stellen, hielt Obmann Ernst Edelmann am Dienstag in einer Aussendung fest. Der Wasserpreis steigt von 1,56 auf 2 Euro netto pro Kubikmeter, die Grundgebühr von 7,15 auf 12 Euro im Monat.
© Wasserleitungsverband Nordburgenland
Gerade im Osten Österreichs seien die Niederschläge gering und die Trockenheit ein Problem. Die alternde Infrastruktur, die unter anderem rund 3.000 Kilometer an Leitungen, 52 Brunnen und 63 Wasserbehälter umfasst, müsse erneuert werden. Zudem brauche es Neubauten und Neudimensionierungen, weil die Region wachse, erläuterte Edelmann.
Zur Sicherstellung der Trinkwasserversorgung wird der WLV in den kommenden zehn Jahren circa 400 Mio. Euro investieren. Auch die neue Gebührengestaltung diene dazu, die Versorgung abzusichern, so Edelmann. Neue Brunnen sollen erschlossen, bestehende Brunnenanlagen adaptiert und ausgebaut werden. Außerdem sind Arbeiten an Hochbehältern, Ortsnetzleitungen, Transportleitungen und Hausanschlüssen geplant. Wasserwerke sollen sowohl um- als auch neugebaut werden.
Mit dem erhöhten Wasserpreis liege man weiter im österreichischen Mittel. Der Sozialrabatt soll von 25 auf 90 Euro im Jahr angehoben werden, um finanziell ohnehin schon gebeutelte Kunden entlasten zu können, sagte Edelmann. Er sprach von einer „überfraktionellen Mehrheit“, die die Erhöhung beschlossen habe. Anders als Grüne und einige Listen sei die ÖVP jedoch dagegen gewesen, hielt Klubobmann Markus Ulram am Dienstag fest.
ÖVP sieht hinter Erhöhung „Abzocke der SPÖ"
Ulram kritisierte die erhöhten Tarife in einer Aussendung als „Abzocke der SPÖ“. „Obwohl der WLV weiter Gewinne erzielt, werden die Preise stark erhöht“, meinte er. Für einen Kunden des Wasserleitungsverbandes, der etwa 208 Kubikmeter Wasser verbraucht, bedeute die Erhöhung Mehrkosten von rund 165 Euro pro Jahr, rechnet der Klubobmann.
Erich Trummer, Präsident des Sozialdemokratischen GemeindevertreterInnenverbandes (GVV) im Burgenland, wies die Kritik der ÖVP zurück. Die „falsche Finanzpolitik“ der türkis-grünen Bundesregierung, die die Inflation befeuere, zwinge die Gemeinden und deren Verbände zu Gebührenerhöhungen.
Bürgerlisten und Grüne: „zwingend notwendig“
Auch die ebenfalls im WLV vertretenen Bürgerleisten aus Bad Sauerbrunn und Parndorf verteidigen die Erhöhung. August Gruber von der LIBS – Unabhängigen Liste Bad Sauerbrunn spricht von einem „zwingend notwendigen Schritt“ um die „hochwertige Wasserversorgung“ zu gewährleisten. Stefan Vestl von der LIPA Liste Parndorf fügt hinzu: „Darum haben wir seit Jahren gekämpft und es freut uns, dass nun auch die Mehrheitsfraktion SPÖ diese Einsicht gewonnen und sich zu diesem Schritt durchgerungen hat."
Anja Haider-Wallner, Vertreterin der Grünen Eisenstadt und neue Landesprecherin der Grünen verteidigt den Schritt ebenfall: "Wasser ist Da-Seins-Vorsorge. Mit dem heutigen Beschluss stellen wir eine funktionierende Versorgung mit gesundem Wasser für unsere Kinder und Kindes-Kinder sicher! Das ist gelebte Verantwortung! Durch den Sozialrabatt wird die Preisanpassung für Personen mit geringem Haushaltsbudget abgefedert."
FPÖ: Soll WLV an Burgenland Energie verkauft werden?
„Auf das Nordburgenland kommt eine unerträgliche Belastung zu“, ärgert sich der Präsident der freiheitlichen Gemeindevertreter und FPÖ-Bezirksparteiobmann, Mario Jaksch. Der Wasserleitungsverband Nördliches Burgenland (WLV) hat gerade eine drastische Erhöhung der Wasserpreise beschlossen, angeblich wegen des Klimawandels. Diese Preiserhöhung ist aber weit mehr als dreist - sie ist unsozial, unverantwortlich und belastet unsere Landsleute massiv.
Von „Profitemacherei“ spricht hingegen die FPÖ: „Es kann nicht sein, dass die Verantwortung für eine massive Preiserhöhung auf dem Rücken der Bürger abgeladen wird. Die Tatsache, dass der WLV in den letzten Jahren massive Gewinne gemacht hat, wirft Fragen auf. Warum werden die Preise erhöht, wenn es finanziell nicht notwendig ist? Das ist eine Abzocke der SPÖ, die wir nicht akzeptieren können. Der WLV sollte als öffentliches Unternehmen die Interessen der Nordburgenländer vor Profite stellen“, so Mario Jaksch. Laut ihm gäbe es sogar Spekulationen, dass der Wasserleitungsverband für eine sogenannte Due Diligence vorbereitet wird, um ihn eventuell an die Burgenland Energie zu verkaufen.