Schloss Tabor sticht mit „Wiener Blut“ in See

Premiere Schloss Tabor

Alle Mann an Bord! Wer am Mittwochabend Schloss Tabor betrat, kaufte nicht nur eine Eintrittskarte für eine Operette, sondern gleichsam ein Ticket für eine höchst vergnügliche Kreuzfahrt. Die MS „Wiener Blut“ lichtete den Anker, Walzer und Polka bestimmten den Kurs, und Kapitän Balduin Zedlau steuerte sein Schiff in ein Meer aus amourösen Verwicklungen.

Auf Schloss Tabor besteigen die Gäste von „Wiener Blut“ in diesem Sommer ein Kreuzfahrtschiff, auf dem sich amouröse Verstrickungen ereignen.

Auf Schloss Tabor besteigen die Gäste von „Wiener Blut“ in diesem Sommer ein Kreuzfahrtschiff, auf dem sich amouröse Verstrickungen ereignen.

© Nina Mayer

Schon die Begrüßung machte Lust auf einen außergewöhnlichen Operettenabend. Intendant Alfons Haider, ganz in Weiß und damit selbst einem eleganten Kapitän zum Verwechseln ähnlich, hieß seine Gäste mit einer Mischung aus Charme, Humor und sprachlicher Eleganz willkommen, die längst zu seinem Markenzeichen geworden ist. Seinen Begrüßungsworten zu lauschen, ist beinahe schon ein eigener Programmpunkt: pointiert, unterhaltsam und stets mit einem Augenzwinkern.

Gemeinsam mit Festivalleiter Benno Döller beweist Alfons Haider einmal mehr ein feines Gespür dafür, wie man Operette modern erzählt, ohne ihr Herz zu verlieren. Johann Strauss bleibt Johann Strauss – voller Wiener Schmäh, beschwingter Melodien und Walzerseligkeit und doch mit viel sommerlicher Sprühkraft.

Regisseurin Rita Sereinig und Bühnenbildner Hans Kudlich machten aus Schloss Tabor kurzerhand ein Kreuzfahrtschiff. Matrosen flanierten über Deck, Seepferdchen tauchten auf, schillernde, märchenhaft anmutende Kostüme sorgten für sommerliche Leichtigkeit. Tatsächlich fühlte man sich als Premierengast wie ein Passagier auf einer luxuriösen Kreuzfahrt. Selbst das legendäre „Traumschiff“ hätte an diesem Abend wohl neidisch auf die Einschaltquoten geblickt.

Mitten auf dieser schwimmenden Bühne sorgt Kapitän Balduin Zedlau für kräftigen Wellengang. Der charmante Frauenheld glaubt nämlich, mehrere Liebschaften gleichzeitig elegant manövrieren zu können. Seine blonde Geliebte Franzi, ein glanzvolles Showgirl, versucht er davon zu überzeugen, dass ein verheirateter Mann seiner Ehefrau hin und wieder doch etwas Aufmerksamkeit schenken müsse, selbst wenn das Ehejoch drückt.

Dumm nur, dass genau diese Ehefrau ebenfalls an Bord ist. Friederike Meinke verleiht der resoluten Gabriele eine beeindruckende Präsenz und überzeugt mit einer ausdrucksstarken Stimme.

Doch damit nicht genug. Als wären eine Geliebte und eine Ehefrau nicht Herausforderung genug, wirft Kapitän Zedlau auch noch ein Auge auf die fesche Ankleiderin Pepi. Ein Brief, der eigentlich zu einem heimlichen Stelldichein führen soll, sorgt schließlich für jenes herrliche Durcheinander, das Operettenfreunde so lieben.

Zwischen den aufgeheizten Fronten findet sich Chefsteward Josef wieder, während Franzis Vater das Geschehen zusätzlich aufmischt. Der wohlhabende Spielautomatenkönig ist kein Mann diplomatischer Worte. Den Kapitän hat er längst als künftigen Schwiegersohn ins Visier genommen, ob dieser möchte oder nicht.

Doch wie jedes Lügengebäude hält auch dieses nicht ewig.

Als die drei Damen erkennen, dass sie allesamt demselben Charmeur aufgesessen sind, übernehmen sie kurzerhand selbst das Kommando. Die Herren der Schöpfung verlieren das Ruder und am Ende sogar ihr Schiff. Das Finale hält eine ebenso überraschende wie augenzwinkernde Pointe bereit: Die Männer finden sich in einem Rettungsboot auf offener See wieder. Strafe, wem Strafe gebührt!

Musikalisch ließ Dirigent Peter Sommerer gemeinsam mit der „Junge Philharmonie Brandenburg“ keinen Wunsch offen. Strauss' unvergängliche Melodien erklangen mit Eleganz, Schwung und jener Leichtigkeit, die das Publikum vom ersten bis zum letzten Walzer trug.

Und als hätte der Abend nicht ohnehin schon genug Überraschungen geboten, setzte die Inszenierung zum Schluss noch einen drauf. Plötzlich erschien ein riesiger Krake auf der Bühne – liebevoll auf den Namen "Schani" getauft, eine augenzwinkernde Hommage an Johann Strauss. Ein Abschlussbild, das unvergesslich bleiben wird.

Das Premierenpublikum zeigte sich begeistert. Minutenlanger Applaus und Standing Ovations waren der verdiente Lohn für Ensemble, Orchester und das gesamte Kreativteam.

Unter den Ehrengästen befanden sich Landeshauptmann Hans Peter Doskozil und seine Gattin Julia, die in einem lindgrünen Ensemble bezauberte, Landeshauptmann-Stellvertreterin Anja Haider-Wallner, Landesrat Leonhard Schneemann, Alt-Landeshauptmann Hans Niessl, Verena Dunst - ehem. Landtagspräsidentin, Schauspielerin Konstanze Breitebener sowie zahlreiche Bürgermeisterinnen und Bürgermeister der Region.

Am Ende blieb frei nach Johann Strauss nur noch eines zu sagen: „Wiener Blut, Wiener Blut, eig’ner Saft, voller Kraft, voller Glut, du erhebst, du belebst unser’n Mut!“

Oder, um es mit den Worten eines glücklichen Kreuzfahrtpassagiers zu formulieren: Schiff ahoi, Kapitän!