Sollten Häuslbauer und -käufer einen Zuschuss von 100.000 € bekommen?

Pro & Kontra

Eine Forderung der Sozialpartner sorgt für Debatten: Geht es nach den Vertretern der Bau-Holz-Gewerkschaft und der Wirtschaftskammer, sollten Häuslbauer und -käufer künftig bis zu 100.000 Euro als Unterstützung erhalten. Ist ein solcher Eigenheim-Bonus sinnvoll, um die Bauwirtschaft anzukurbeln und den Traum vom Eigenheim wieder leistbar zu machen?

Um den Bausektor anzukurbeln, sollen alle jene, die sich ein Eigenheim bauen oder kaufen möchten, mit dem Bonus unterstützt werden.

Um den Bausektor anzukurbeln, sollen alle jene, die sich ein Eigenheim bauen oder kaufen möchten, mit dem Bonus unterstützt werden.

© Shutterstock/MIND AND I

Pro: Yves Suter, Geschäftsführer Hartl Haus

Sollten Häuslbauer und -käufer einen Zuschuss von 100.000 € bekommen?

© Hartl Haus

Es ist dringend erforderlich, dass die Politik Maßnahmen ergreift, um den Zugang speziell für junge Familien zum Wohneigentum zu erleichtern. Die Sozialpartner stoßen aktuell mit der Forderung eines Baupaketes in die richtige Richtung. Jetzt heißt es allerdings schnell und vor allem unbürokratisch aktiv zu werden.

Dies könnte eben durch diese Bereitstellung von Förderungen und finanziellen Anreizen für junge Familien geschehen, aber auch durch die Schaffung von Rahmenbedingungen, die den Bau von Eigenheimen attraktiver machen. Einfamilienhäuser und Eigentumswohnungen sind das Rückgrat der privaten Vermögensbildung einer wohlhabenden Nation wie Österreich.

Hier Schlusslicht zu sein, kann sich Österreich einfach nicht leisten. Österreich ist in Sachen Sozialleistungen ein Leuchtturm in Europa, aber das kann sich nicht ausgehen, wenn wir immer abhängiger und unselbstständiger werden. Wenn immer weniger Menschen Zugang zur Altersvorsorge und Vermögensaufbau in Form von Eigentum haben, wird Österreich Stück für Stück privatisiert und Herr und Frau Österreicher ärmer und ärmer.

Kontra: Michael Klien, Ökonom beim Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO)

Sollten Häuslbauer und -käufer einen Zuschuss von 100.000 € bekommen?

© Alexander Müller

Neben mehr gefördertem Mietwohnungsbau sollte auch das Segment Wohnungseigentum bei einem Konjunkturbaupaket zur Stabilisierung der Bauwirtschaft mitberücksichtigt werden. Ohne eine Stabilisierung der Nachfrage nach Eigentumswohnungen und Häusern ist nämlich keine Dämpfung bei den Mieten zu erwarten, weil die verhinderten Eigentümer den Druck auf den Mietenmarkt erhöhen.

Die Forderung nach einem Zuschuss von bis zu 100.000 Euro ist jedoch überschießend, teuer und auch verteilungspolitisch problematisch. Der Steuereuro könnte wesentlich effektiver eingesetzt werden, wenn über die Wohnbauförderung zinsgünstige Darlehen an private Haushalte und Gemeinnützige vergeben werden.

Hier hat das Leistbarkeitsproblem mit der Zinswende und der Verschärfung der Kreditvergaberegeln (KIM-Verordnung) begonnen, und hier sind auch zielgerichtet Lösungen zu suchen. Der Bund sollte hier den Ländern unter die Arme greifen, aber zur schnellen Wirksamkeit auf das etablierte System der Wohnbauförderung setzen.