Mattersburger Stadtgespräche: Das gibt's nicht alle Tage!

„Redsölich“

Die Mattersburger Stadtgespräche „Redsölich“ mit den Moderatoren Wolfgang Millendorfer und Thomas Hofer gingen in die nächste Runde. Das Thema am Donnerstag lautete „Unikate - das gibt's nicht alle Tage" und das Motto hielt auch, was versprochen wurde.

Die Moderatoren Wolfgang Millendorfer und Thomas Hofer, die Gäste Patrick und Andreas Pingitzer, Hermann Hanzl-Cermin mit Bürgermeisterin Claudia Schlager.

Die Moderatoren Wolfgang Millendorfer und Thomas Hofer, die Gäste Patrick und Andreas Pingitzer, Hermann Hanzl-Cermin mit Bürgermeisterin Claudia Schlager.

© Richard Vogler

Die Gäste Andreas und Patrick Pingitzer von der Mattersburger Eisenwarenhandlung sowie Zauberer Hermann Hanzl-Cermin alias „Magier Merlix“ üben ihren Job in dritter Generation aus und gaben einen interessanten, humorvollen, mit Anekdoten gespickten Einblick in ihre Tätigkeit. Die Veranstaltung wurde an einem außergewöhnlichen Tag - den 29. Februar - abgehalten. Und auch die Location gibt's nicht alle Tage: Diese diente eine lange Zeit als Wirtshaus und wurde dann von der Mattersburger Stadtgemeinde als Vereinstreff übernommen.

Von „Zauberer Hermann“ zu „Magier Merlix“

Hermann Hanzl-Cermin wurde in Wien geboren, ließ sich im Burgenland als er nach Pöttelsdorf übersiedelte nieder und ist mittlerweile in Neudörfl beheimatet. 2013 erhielt er gemeinsam mit Psychotherapeut Thomas Mitrovits, für das Konzept „Zauberwirkstatt“, den österreichischen Kinderschutzpreis.

Infiziert mit dem „Zaubervirus“ wurde er von seinen Großvater und Vater, beide übten den „magischen Job aus“. Schon als kleines Kind durfte er hinter die Kulissen von Toni Rei, einem der bekanntesten Zauberer und Illusionisten im deutschsprachigen Raum, blicken.

Den konkreten Einstieg in die Zauberei erläutert Hanzl-Cermin wie folgt: „Am Anfang habe ich es eigentlich bevorzugt, vor Erwachsenen zu zaubern. Dies vor Kinder zu machen, ist nicht sehr einfach. Als mich ein Kollege um eine Vertretung vor einem Kinderpublikum gebeten hatte, habe ich mich 'breitschlagen' lassen und zugesagt. Bei diesem Auftritt ist der Funke dann übergesprungen: Die ehrliche Art, die die Kinder an den Tag legen und wenn man die Freude, Erstaunen in den Kinderaugen sieht, dies gibt eine unglaublich positive Energie.“

Zu Beginn trat er noch unter „Magier Hermann“ auf, als 1997 „Burg Forchtenstein Fantastisch“ mit der Burgmaus Forfel auf seinem Terminkalender stand, musste ein anderer Name her. „Der Name 'Zauberer Hermann' war nicht passend zum Thema der Veranstaltung. Aus 'Merlin' und 'Miraculix' wurde schlussendlich 'Merlix'", berichtet Hanzl-Cermin.

Millendorfer wollte von Hanzl-Cermin wissen, was er im realen Leben wegzaubern würde. „Ich würde die Frage etwas anders stellen und zwar, was ich herzaubern würde und dies wäre viel mehr Toleranz“, so Hanzl-Cermin um weiter auszuführen: „In manchen Kindergärten wollte man mir meinen Zauberspruch 'Hokus Pokus Schweinekuss' verbieten. In Ankara war dies jedoch kein Problem, da haben sie sich richtiggehend 'abgehaut'.“

Eisenwarenhandlung Pingitzer: Museum, Zeitmaschine, Sammelstelle und ein Kuriositätenkabinett

Die Eisenwarenhandlung Pingitzer wurde 1958 von Matthias Pingitzer gegründet - damals noch gegenüber des heutigen Standortes, wo er 1966 hin übersiedele. 1982 übernahm Sohn Norbert das Geschäft in der Michael Kochstraße. Schon als Kinder halfen Patrick und Andreas Pingitzer im Geschäft mit. Andreas absolvierte die HTL Maschinenbau und ist seit 2002 bei der Firma beschäftigt. Patrick erlernte das Handwerk des Steinmetzes und stieg 2006 in die Firma ein.

„Das Pingitzer-Geschäft ist eine Eisenwarenhandlung mit integrierter Umkleidekabine, ein Museum, eine Zeitmaschine, eine Sammelstelle, ein Kuriositätenkabinett“ startete Hofer mit treffenden, einleitenden Worten. „Euer Großvater führte das Geschäft, euer Vater führte das Geschäft. War es da eigentlich nicht eine Verpflichtung, diesen Weg weiter zu verfolgen?“

„Unser Vater hat immer gesagt, 'überlegt's euch gut, ob ihr das Geschäft übernehmt'. Wir sind jedoch beide freiwillig in der Firma, es macht sehr viel Spaß,“, antwortete Patrick und Andreas ergänzte: „Wir sind ja quasi auch hineingeboren worden, dies ist wie vererbt. Bei uns sieht man wieder einmal, dass Kinder jenes machen, was auch ihre Eltern machen.“

Hofer bezeichnete „den Pingitzer“ auch als „eine Verbindung zur Welt von früher“, was von Patrick auch bestätigt wurde. „Ich habe mir jetzt erst Fotos angesehen, wo unsere Großmutter hinter der 'Bud'l' gestanden ist. Da hat sich bis heute nicht viel verändert.“

Der Vereinstreff, ein ehemaliges Wirtshaus

Jene Lokalität, wo dieses Mal die „Stadtgespräche“ stattfanden, ist auch eine geschichtsträchtige. Der Fleischhauer Johann Bauer eröffnete dort einst das Gasthaus Bauer, welches er in weiterer Folge an die Familie Koller verkaufte. 1961 erhielt Elisabeth Koller die Konzession für den Betrieb des Gastgewerbes. Im Laufe der Jahre wurde ein zweiter Stock errichtet, der als Fremdenzimmer diente. 1983 übernahm Lore Strodl die Pacht für das Wirtshaus. Die Familie Koller verpachtete später den Gastgewerbebetrieb an Hansi Salamon. Nach der Beendigung des Pachtvertrages mit Hansi Salamon übernimmt Franz Adelsmayer - von allen nur „Monaco Franzi“ genannt - für kurze Zeit den Betrieb des Gasthauses. Seit Mitte, Ende der 1980er-Jahre gab es keinen Gaststättenbetrieb, schlussendlich mietete sich die Stadtgemeinde ein und stellt es nun als „Vereinstreff“ zur Verfügung.