Christian Gattinger: „Ich habe meine Berufung zum Beruf gemacht“
Rotes Kreuz
Bei der kürzlich in Antau abgehaltenen Bezirksversammlung der Österreichisches Rotes Kreuz Bezirksstelle Mattersburg zog Bezirksstellenleiterin Helga Ludwig Bilanz über das vergangene Jahr. Geehrt wurde dabei auch Christian Gattinger, der für seine 12.000. Rettungsfahrt die Rotkreuz Fahrtenspange in Gold erhielt.
Christian Gattinger erhielt für seine 12.000. Rettungsausfahrt die Rotkreuz Fahrtenspange in Gold. Die Ehrungen führten Bezirksstellenleiterin Helga Ludwig, Anna Benczak und David Wilfing durch.
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„Diese Auszeichnung zeigt den Aufwand und die Intensität, die wir als hauptberufliche Mitarbeiter leisten müssen. Insofern fühle ich mich sehr geehrt, dass ich diese Fahrtenspange erreicht habe. Ich muss aber auch sagen, dass ich mittlerweile das Alter dazu habe“, sagt Christian Gattinger mit einem Lächeln. Der 59-Jährige ist seit insgesamt 40 Jahren beim Roten Kreuz tätig. Zunächst engagierte er sich ehrenamtlich, bevor er vor 20 Jahren hauptberuflich in den Rettungsdienst wechselte. „Ich bin jetzt dort, wo ich hingehöre. Ich habe meine Berufung zum Beruf gemacht.“
„Ob er sich noch an seinen ersten Einsatz erinnern kann? „Leider ja“, sagt Gattinger gegenüber der BVZ. Sein erster Einsatz nach der Rettungsdienstprüfung führte ihn während eines Nachtdienstes zu einem schweren Verkehrsunfall nach Sieggraben, bei dem mehrere junge Menschen ums Leben kamen. „Der ganze Eindruck begleitet einen natürlich.“ Trotz solcher belastenden Erlebnisse habe ihn die Arbeit nie losgelassen. „Du kannst Menschen helfen, die sich selbst gerade nicht helfen können“, erzählt er. Dabei gehe es nicht immer nur um medizinische Maßnahmen. „Oft hilft ein Gespräch oder einfach, dass man sich Zeit nimmt und den Menschen zuhört.“ Besonders berührend seien für ihn Begegnungen mit Patientinnen und Patienten, die ihn Jahre später noch erkennen würden.
Neben dem Rettungsdienst spielte auch die Musik lange eine wichtige Rolle in seinem Leben. Zehn Jahre lang war Gattinger Frontman der Austropop-Gruppe „Die Männer“. Während der Coronapandemie hörte die Band schließlich auf. „Die Auftritte wurden mehr und auch die Entfernungen zu den Veranstaltungsorten immer größer. Gleichzeitig wurde es zunehmend schwieriger, alles mit dem Berufs- und Privatleben zu vereinbaren“, erzählt er. Trotzdem schlägt sein Herz noch immer für den Austropop. „Ich habe oft überlegt, ob ich die Gitarre noch einmal aus dem Schrank hole. Aber es ist gut so, wie es ist. Es bleiben schöne Erinnerungen.“
Jungen Menschen, die sich für das Rote Kreuz interessieren, möchte Gattinger vor allem eines mitgeben: „Beim Roten Kreuz wirst du nicht reich. Aber wenn das Menschliche und das Soziale in dir steckt, ist es der schönste Beruf.“
„Ich bin sehr stolz auf unsere vielen engagierten freiwilligen Helferinnen und Helfer“, sagt die Bezirksstellenleiterin und pensionierte Volksschuldirektorin aus Draßburg, Helga Ludwig. Insgesamt sind derzeit 425 freiwillige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Bezirk tätig. Davon engagieren sich rund 100 im Rettungsdienst, der im Jahr 2025 insgesamt 12.478 ehrenamtliche Stunden verzeichnete. Weitere unterstützen unter anderem die Team Österreich Tafel, die Krisenintervention oder soziale Dienste. Zusätzlich sind 19 hauptberufliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Einsatz. „Besonders stolz bin ich darauf, dass sich so viele junge Menschen bei uns engagieren und viele auch langfristig dabeibleiben.“ Viele Zivildiener würden nach dem Dienst weiterhin beim Roten Kreuz bleiben und freiwilligen Rettungsdienst machen.
Ein besonderes Herzensprojekt ist für Ludwig vor allem das Lesepatenprojekt des Roten Kreuzes: „Unsere Lesepatinnen und Lesepaten gehen regelmäßig in die Schulen und unterstützen Kinder, die beim Lesen noch Schwierigkeiten haben.“ Insgesamt engagieren sich dabei 36 Freiwillige, die rund 800 Kinder betreuen. Auch der Henry Laden in Mattersburg ist für die Bezirksleiterin ein wichtiges soziales Angebot. Seit mittlerweile vier Jahren wird dort Kleidung an zwei Öffnungstagen günstig verkauft. „Das wird bei der Bevölkerung sehr gut angenommen“, zeigt sich Ludwig erfreut.
Eine der größten Herausforderungen im Jahr 2025 ist der laufende Umbau des Dienststellengebäudes. Mit den Bauarbeiten wurde im September begonnen. Seitdem ist der Betrieb in Containern auf dem Gelände der Firma Forstinger untergebracht. Erste-Hilfe-Kurse sowie Sitzungen finden derzeit in den Räumlichkeiten des „easyDESK“ statt.
Neben der Sanierung des bestehenden Gebäudes werden auch die Garagen erweitert, um größeren Einsatzfahrzeugen gerecht zu werden. Im Innenbereich sind unter anderem ein größerer Lehrsaal sowie verbesserte Aufenthaltsmöglichkeiten für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geplant. Für die Akutordination ist zudem ein eigener Eingangsbereich vorgesehen. Der Umbau schreitet voran, die Übersiedlung ist für den Herbst geplant.
Das Rote Kreuz Burgenland feiert am 8. Mai sein 80-jähriges Bestehen und plant dazu eine große Ausstellung auf der Burg Schlaining. Auch in den einzelnen Bezirksstellen sind Ausstellungen vorgesehen. In Mattersburg soll diese trotz des laufenden Umbaus im Herbst im Rahmen der feierlichen Eröffnung der neuen Bezirksstelle stattfinden.
Ein Blick auf die Zahlen des vergangenen Jahres zeigt das Leistungsspektrum der Bezirksstelle Mattersburg. Im Rettungsdienst wurden 7.004 Sanitätseinsätze und 4.546 Rettungseinsätze durchgeführt. Die Krisenintervention wurde 37-mal alarmiert und betreute dabei 155 Personen. Im Blutspendewesen fanden 34 Aktionen statt, bei denen insgesamt 2.190 Blutkonserven gewonnen werden konnten. Auch im sozialen Bereich ist die Bezirksstelle aktiv: Über die „Team Österreich Tafel“ wurden mehr als 38.000 Kilogramm Lebensmittel ausgegeben.
Im Rahmen der Bezirksversammlung gab es auch personelle Änderungen: Katharina Sket wurde zur stellvertretenden Rettungsdienstreferentin ernannt.
Am Ende der Bezirksversammlung bedankte sich Ludwig bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern: „Unsere freiwilligen Helferinnen und Helfer sind das Herz unserer Organisation. Ohne ihren Einsatz – oft neben Beruf, Familie und anderen Verpflichtungen – wäre diese Arbeit nicht möglich.“ Auch den hauptberuflichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern spricht sie ihren Dank für Professionalität, Verlässlichkeit und Engagement aus.