Friederike Meinke: Neuer Operettenstern auf Schloss Tabor

Schloss Tabor

Wenn ab dem 5. August auf Schloss Tabor die ersten Walzerklänge durch die Sommerluft schweben, dann ist eines gewiss: Das Publikum darf sich auf einen Abend voller Charme, Witz und Wiener Lebensgefühl freuen. Alfons Haider bringt die Operette „Wiener Blut“ auf die Bühne. Sommerlich aufgefrischt, denn die Operette spielt auf einem Kreuzfahrtschiff, in die Gegenwart versetzt. In der Hauptrolle darf man sich auf Friederike Meinke freuen, die sich dem BVZ-Interview stellte.

Intendant Alfons Haider präsentierte bei der Pressekonferenz das Bühnenbild von „Wiener Blut“ und stellte Friederike Meinke vor, die die weibliche Hauptrolle verkörpern wird.

Intendant Alfons Haider präsentierte bei der Pressekonferenz das Bühnenbild von „Wiener Blut“ und stellte Friederike Meinke vor, die die weibliche Hauptrolle verkörpern wird.

© Manfred Vasik

Operette ist weit mehr als bloße Unterhaltung, sie ist ein Lebensgefühl. Ein bisserl Romantik, ein bisserl Verwirrung, eine Handvoll Gspusis, ein ordentliches Remasuri und Melodien, die sofort ins Ohr und direkt ins Herzerl gehen. Genau von diesen Zutaten lebt „Wiener Blut“.

Der Titel allein verspricht bereits alles, was Wien so einzigartig macht: Lebenslust, Charme, Temperament und die Fähigkeit, selbst aus den größten Verwicklungen noch eine vergnügliche Geschichte zu machen. Und davon gibt es in dieser Operette reichlich.

Im Mittelpunkt steht Graf Balduin Zedlau, ein Herr von Welt, der sich mit seinen amourösen Abenteuern mehr beschäftigt als mit diplomatischen Pflichten. Da gibt es die elegante Gattin Gabriele, die fesche Tänzerin Franziska, die kecke Probiermamsell Pepi und allerlei weitere Damen und Herren, die einander begegnen, verwechseln, suchen und finden. Kurz gesagt: Niemand weiß so recht, wer gerade mit wem unterwegs ist, und genau das macht den Spaß aus.

Zwischen Ballsaal, Villa und Heurigenlokal (im Original) entfaltet sich ein turbulentes Verwechslungsspiel, bei dem die Herzen schneller schlagen als der Dreivierteltakt. Immer wieder scheint das Chaos perfekt, doch wie es sich für eine echte Operette gehört, führt am Schluss alles zum Happy End.

Begleitet wird diese Geschichte von den unsterblichen Melodien von Johann Strauss. Zwar entstand „Wiener Blut“ erst gegen Ende seines Lebens aus bereits bestehenden Kompositionen, doch gerade diese musikalische Schatzkiste macht den besonderen Reiz des Werkes aus. Walzer, Polkas und beschwingte Ensembles verschmelzen zu einem Feuerwerk der guten Laune, das seit mehr als hundert Jahren Menschen auf der ganzen Welt begeistert.

Darin liegt das Geheimnis dieser Operette: Sie nimmt das Leben nicht allzu ernst. Sie weiß, dass Liebe manchmal Umwege geht, dass Missverständnisse dazugehören und dass am Ende oft alles gut wird, besonders dann, wenn ein wenig Wiener Blut durch die Adern fließt.

So darf man sich schon jetzt auf einen Sommerabend freuen, an dem Schloss Tabor zum Treffpunkt für Romantiker, Operettenliebhaber und Freunde des Wiener Schmähs wird. Ein Abend voller Melodien, voller Lebensfreude und voller jener besonderen Leichtigkeit, die man nur schwer beschreiben kann.

Oder, um es ganz wienerisch zu sagen: Da wird's a ordentliches Remasuri geben - das schau ma uns an! Denn ein lachendes Herzerl und gute Laune sind bei „Wiener Blut“ garantiert.

Nina Mayer: Sie wurden als neuer Stern am Operettenhimmel bezeichnet. Setzt so ein Lob eher unter Druck oder motiviert es?

Friederike Meinke: Ich erinnere mich noch genau an diese Kritik – sie war zur Premiere der Fledermaus, in der ich als Rosalinde meine allererste Solopartie gesungen habe. Ich war unglaublich nervös, aber als ich diese Worte las, war es wie ein Ritterschlag.

Es hat mir das Gefühl gegeben, dass ich genau auf dem richtigen Weg bin. Natürlich bringt so ein Lob auch Druck mit sich, weil man daran anknüpfen möchte. Aber vor allem motiviert es mich, denn Operette ist genau das, was ich liebe und ich hoffe, ich kann noch oft das Publikum so erreichen, dass dieser Stern weiter strahlt.

Nina Mayer: Gibt es eine Traumrolle, die Sie unbedingt singen möchten?

Friederike Meinke: Seit ich klein bin, war die Hanna Glawari in der ‚Lustigen Witwe‘ eine Traumrolle und ich freue mich, sie bald singen zu dürfen. Doch jede Rolle, die ich singe, wird in dem Moment zu einer Traumrolle, weil ich mich immer voll darauf einlasse. Aber die ganzen großen Operettendiven stehen auf meiner “To sing Liste”. In der Oper reizt mich eine Senta, Elisabeth oder Agathe in der Zukunft – aber ich kann mir keine Rolle vorstellen, die ich nicht lieben werde.

Nina Mayer: Wie hat der Gewinn des Johann-Strauss-Wettbewerbs Ihre Karriere verändert?

Friederike Meinke: Der Johann-Strauss-Wettbewerb war unglaublich spannend. Vor allem, weil die erste Runde direkt nach der Fledermaus-Premiere war und ich noch im Premieren-Hoch schwebte.

Der Gewinn hat meine Karriere wirklich verändert: Meine Agentur wurde auf mich aufmerksam, ich durfte den Juristenball in Wien eröffnen, ich bekam eine Einladung an das renommierte Gärtnerplatz Theater in München und ich spüre, dass Österreich und ich einfach zusammenpassen. Durch den Wettbewerb hat sich dieser Weg eröffnet, und ich freue mich, nun im Sommer mit ‚Wiener Blut‘ in Österreich weiterzumachen.

Nina Mayer: Wenn Sie einen Abend lang mit Johann Strauss sprechen könnten – was würden Sie ihn fragen?

Friederike Meinke: Ich würde Johann Strauss fragen, ob er seine Operetten als wirklich klassisch betrachtet oder wie viel Verrücktheit man hineinlegen darf. Ich wäre neugierig, wie weit man mit den Grenzen der Gesangsstile spielen darf, um seinen Figuren noch mehr Leben und Humor einzuhauchen.

Nina Mayer: Was wünschen Sie sich für die nächsten Jahre Ihrer Karriere?

Friederike Meinke: Ich wünsche mir, weiterhin von meiner Leidenschaft leben zu können, Menschen zu begeistern, zu berühren und auf der Bühne zu stehen. Ich möchte vorläufig meine Basis in Leipzig behalten, aber gleichzeitig neue Häuser, neue Menschen und neue musikalische Impulse erleben. Ich vertraue darauf, dass der Weg genau dorthin führt, wo er mich hinführen soll.

Nina Mayer: Oper oder Operette – wo fühlen Sie sich momentan mehr zu Hause?

Friederike Meinke: Ganz klar in der Operette. Ich fühle mich dort vollkommen zu Hause. Meine Mutter ist Sängerin, mein Vater Posaunist am Theater, und ich habe schon als Kind in der ersten Reihe bei den Operetten mitgesungen. Ich wurde singend im Einkaufswagen durch den Supermarkt geschoben, und als lila Milka-Kuh stand ich im ‚Weißen Rössl‘ auf der Bühne. Operette ist für mich Heimat, Herz und Liebe.

Nina Mayer: Was fasziniert Sie persönlich an Gabrielle von Zedlau, die Sie in ‚Wiener Blut‘ verkörpern werden?

Friederike Meinke: Gräfin Zedlau ist hin und hergerissen zwischen Liebe, Verwirrung und gesellschaftlichen Rollen. Mich fasziniert besonders, dass unsere Gabrielle in dieser Inszenierung ein starkes, selbstbewusstes Frauenbild verkörpert. Sie steht für sich ein, hat Humor und bricht das klassische Rollenbild auf. Diese Mischung aus Stärke und Charme begeistert mich an Gabrielle von Zedlau.

Nina Mayer: Welche musikalischen Momente der Rolle liegen Ihnen besonders am Herzen?

Friederike Meinke: Wie schön ist bitte Johann Strauß’ Musik? Als Preisträgerin darf ich da wohl nichts anderes sagen, haha! Besonders freue ich mich auf das Duett ‚Wiener Blut‘, denn das ist die Melodie, die jeder kennt. Und ich liebe meine Arie ‚Grüß dich Gott, du liebes Nesterl‘ – da kann ich mehrere Farben der Gabrielle zeigen, von Seelenzuständen bis hin zu vielleicht dem einen oder anderen hohen Ton. Das wird schön!

Nina Mayer: Wo finden Sie Gemeinsamkeiten zwischen sich und Gabrielle?

Friederike Meinke: Ich glaube, es ist ihre Neugier und ihre Stärke, in der ich mich wiederfinde. Sowohl Gabrielle als auch ich fragen nach, forschen und finden heraus und stehen für das ein, was uns wichtig ist. Und in dieser Entschlossenheit spüre ich diese Verbindung zu ihr.

Nina Mayer: Operette erlebt derzeit wieder eine Renaissance. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Friederike Meinke: In einer Zeit voller Schwere, durch Kriege und Politik, bietet Operette Leichtigkeit. Sie blickt mit einem Augenzwinkern auf die Welt und schenkt Liebe. Viele finden sich wieder, es ist eine kleine Flucht. Die Melodien bleiben im Herzen, man summt sie auf dem Heimweg. So trägt man die Leichtigkeit der Operette ein Stück weit ins eigene Leben. Deshalb ist sie für mich heute noch so aktuell.

Nina Mayer: Sie haben bereits sehr unterschiedliche Rollen gesungen – von der Oper bis zur Operette. Was reizt Sie daran, zwischen diesen Welten zu wechseln?

Friederike Meinke: Es ist dieses ständige Neuentdecken, sprachlich, szenisch, musikalisch – und die Chance, immer wieder über sich hinauszuwachsen.

Nina Mayer: Gibt es eine Rolle, die Sie besonders geprägt oder sogar verändert hat?

Friederike Meinke: Die Rosalinde in der Fledermaus hat mich geprägt, weil es mein allererster großer Schritt als Solistin war. Aber Sylva Varescu - die Csárdásfürstin - hat mich besonders geprägt und verändert. Ich musste innerhalb von nur anderthalb Wochen Probenphase all ihre Facetten zeigen: lasziv und kokett, leidenschaftlich und zornig, melancholisch und verzweifelt – und dennoch die beste Freundin.

Jeder Abend mit Sylva ist anders, weil ich jedes Mal eine neue Seite und eine neue Farbe an ihr entdecke. Ich habe oft das Gefühl, dass wir beide uns sehr ähnlich sind. Ich fühle mich dieser Figur sehr verbunden und freue mich, wenn ich abends auf der Bühne stehe und mit ihr gemeinsam wachsen darf!

Nina Mayer: Was wünschen Sie sich von Ihrem Publikum, wenn es Ihre Vorstellungen sieht?

Friederike Meinke: Ich wünsche mir, dass das Publikum einen warmen, unterhaltsamen Abend hat, vielleicht ein Lächeln, einen Gedanken und einen Moment der Leichtigkeit mitnimmt. Vor allem hoffe ich, dass sie die wunderbaren Johann-Strauss-Melodien mit nach Hause tragen, vielleicht sogar auf dem Heimweg summen. Denn nur so lebt die Operette weiter.

Nina Mayer: Danke für das Interview und viel Erfolg für Ihre Zukunft!