Eine Suppe als Zeichen der Hoffnung
Solidarität
Eine Fastensuppe ist immer mehr als eine Mahlzeit. In Güssing wurde sie zum Zeichen der Solidarität für die achtjährige Kathalea, deren Alltag von einer schweren neurologischen Erkrankung geprägt ist.
ecole Direktorin Karin Schneemann, Diözesanbischof Ägidius J. Zsifkovics, Jennifer Böcskör, Kathalea Böcskör, Rene Böcskör und Präsidentin der Volkshilfe Burgenland Verena Dunst(v.l.).
© Volkshilfe
Eine Fastensuppe gehört zur Tradition der Fastenzeit. Sie steht für Reduktion, für bewussten Verzicht, für den Blick auf das Wesentliche. In Güssing bekam sie eine sehr konkrete Bedeutung und wurde zum Zeichen der Unterstützung für die achtjährige Kathalea.
Das Mädchen lebt mit dem Rett-Syndrom, einer seltenen schweren neurologischen Entwicklungsstörung. Die Erkrankung hat ihr Leben und das ihrer Familie grundlegend verändert. Kathaleas Bewegungsmöglichkeiten sind stark eingeschränkt, im Alltag ist sie vollständig auf Unterstützung angewiesen. Pflege bestimmt den Tagesablauf. Selbst einfache Handgriffe erfordern Planung, Aufmerksamkeit und körperliche Kraft. Es sind Abläufe, die sich nicht „nebenbei“ erledigen lassen, sondern den Tag strukturieren.
„Gerade in der Fastenzeit geht es darum, innezuhalten und hinzuschauen. Mit dem heutigen Fastensuppenessen zeigen wir, dass Solidarität ganz konkret wirken kann. Aus einer gemeinsamen Mahlzeit entsteht echte Unterstützung für ein Kind und seine Familie. Das ist gelebte Menschlichkeit“, betonte Verena Dunst, Präsidentin der Volkshilfe Burgenland, in ihrer Ansprache.
Besonders herausfordernd ist die tägliche Körperpflege. Was für andere selbstverständlich ist, bedeutet für die Familie Heben, Stützen und Sichern und immer mit dem Anspruch, Sicherheit und Geborgenheit zu gewährleisten. Ein dringend benötigter Badewannenlift würde deutlich entlasten. Der Lift würde die Pflege erleichtern, die Sicherheit erhöhen und ein Stück Alltag vereinfachen. Genau darum ging es: nicht um Symbolik, sondern um eine konkrete Hilfe, die im täglichen Leben einen Unterschied macht. Und genau an diesem Punkt setzt die Aktion an. Die Ecole Güssing organisierte gemeinsam mit der Volkshilfe Burgenland ein Fastensuppenessen zugunsten des Mädchens. Zahlreiche Gäste folgten der Einladung und setzten mit ihrer Teilnahme ein sichtbares Zeichen der Solidarität. Gekocht wurde nach dem Prinzip des „Restlkochens“, einer Idee der Volkshilfe.
Verarbeitet wurden bewusst vorhandene Lebensmittel, um auch ein Zeichen gegen Verschwendung zu setzen. Aus einfachen Zutaten entstanden drei Suppen: eine Brotsuppe, eine klassische Rindsuppe und eine asiatisch inspirierte Variante. Die Schüler:innen arbeiteten engagiert mit und waren mit Feuereifer bei der Sache. Das Prinzip dahinter ist einfach: Aus dem, was bereits vorhanden ist, entsteht etwas Sinnvolles – und in diesem Fall auch etwas, das über das Essen hinaus Wirkung entfaltet. „Als Direktorin der HLW und FW ecole güssing macht es mich stolz, mit so viel Herzblut und Engagement von sozialer Verantwortung nicht nur zu sprechen, sondern diese auch in der Schule zu leben und somit Kathalea ganz konkret unterstützen zu können“, betonte ecole Direktorin Karin Schneemann.
„Die größten Menschen sind jene, die anderen Hoffnung schenken können.“ Und mit den freiwilligen Spenden der Besucher:innen soll genau diese Hoffnung finanziert werden. Die Fastensuppe wird zu einer ganz konkreten Hilfe im Alltag der Familie. „Teilen ist ein zutiefst christlicher Wert. Wenn wir gemeinsam essen und zugleich helfen, verbinden wir Nächstenliebe mit Verantwortung. Es ist ein starkes Zeichen der Hoffnung für Kathalea und ihre Familie“, zeigte sich auch Diözesanbischof Ägidius Zsifkovics von der Aktion begeistert.
Wer den dringend benötigten Badewannenlift für Kathalea weiterhin unterstützen möchte, kann dies über das Spendenkonto der Volkshilfe Burgenland tun: IBAN: AT04 5100 0910 1310 0610 – BIC: EHBBAT2E – Kennwort: Kathalea Denn eine Mahlzeit allein verändert nicht alles. Aber sie kann dort ansetzen, wo Hilfe gebraucht wird – und genau das war in Güssing der Fall.
Das Fastensuppenessen hat seinen Ursprung in der christlichen Fastenzeit vor Ostern. Seit dem Mittelalter galt das Fasten als Zeit der Besinnung, des Verzichts und der Umkehr. Fleisch und üppige Speisen waren traditionell tabu – einfache Gerichte wie Suppen rückten in den Mittelpunkt.
In Österreich entwickelte sich daraus das sogenannte „Fastensuppenessen“ als solidarische Aktion. Pfarren, Schulen und soziale Einrichtungen laden dabei zu einfachen Mahlzeiten ein und bitten im Gegenzug um freiwillige Spenden für soziale Projekte.
Die Idee dahinter ist klar: Weniger für sich selbst – mehr für andere. Aus einer schlichten Mahlzeit wird konkrete Hilfe. Heute verbinden viele Initiativen die Tradition zusätzlich mit Nachhaltigkeit – etwa durch das Verarbeiten vorhandener Lebensmittel oder regionale Zutaten.
So wird aus einem religiösen Brauch ein gesellschaftliches Zeichen – getragen von Gemeinschaft und Verantwortung