70 Jahre Christian Spatzek: Premiere am Ehrentag in Parndorf

Sommertheater Parndorf

Wenn Christian Spatzek am 9. Juli 2026 seinen 70. Geburtstag feiert, könnte der Zeitpunkt kaum besser inszeniert sein. Denn ausgerechnet an diesem Tag hebt sich beim „Theater Sommer Parndorf „der Vorhang zur Premiere von Molières „Der Geizige“. Jenem Festival also, das Spatzek seit mittlerweile 15 Jahren als Intendant prägt und längst zu einem kulturellen Fixpunkt des burgenländischen Sommers gemacht hat. Ein Geburtstag mitten im Rampenlicht – passender könnte ein Bühnenleben wohl kaum gefeiert werden.

Christian Spatzek feiert am 9. Juli seinen 70. Geburtstag und die Premiere von Molieres „Der Geizige“ beim „Theater Sommer Parndorf“, dem er seit 15 Jahren als Intendant vorsteht.

Christian Spatzek feiert am 9. Juli seinen 70. Geburtstag und die Premiere von Molieres „Der Geizige“ beim „Theater Sommer Parndorf“, dem er seit 15 Jahren als Intendant vorsteht.

© Ingo Folie

Christian Spatzek wurde am 9. Juli 1956 in Wien geboren. Schon früh zeichnete sich ab, dass sein Weg auf die Bühne führen würde. Es folgte die Ausbildung an der Universität für Musik und darstellende Kunst Mozarteum Salzburg – gewissermaßen die erste Ouvertüre einer außergewöhnlichen Karriere.

Bald führten ihn Engagements an bedeutende deutschsprachige Bühnen: ans Schauspielhaus Zürich, Wiener Volkstheater, Theater in der Josefstadt, zu den Salzburger Festspielen und an zahlreiche weitere große Häuser.

Einem Millionenpublikum wurde Spatzek schließlich durch seine legendäre Rolle als Gustl Schimek in der ORF-Kultserie „Kaisermühlen Blues“ bekannt. Als ehrgeiziger Wiener Polizist spielte er sich in den 1990er-Jahren direkt in die Herzen des österreichischen Fernsehpublikums und wurde endgültig Teil heimischer Fernsehgeschichte.

Ob Tatort, die Rosenheim-Cops oder zahlreiche weitere Produktionen – Christian Spatzek bewies über Jahrzehnte hinweg eindrucksvoll seine Vielseitigkeit zwischen Fernsehen, Theater und großen Charakterrollen.

Das Burgenland wurde für ihn zu einer zweiten künstlerischen Heimat.

Mit der Übernahme der Intendanz des „Theater Sommer Parndorf“ im Jahr 2011 begann für Christian Spatzek ein neues Kapitel – diesmal nicht nur vor, sondern auch hinter der Bühne.

Den Auftakt machte Johann Nestroys „Der Talisman“, es folgten umjubelte Produktionen wie „Häuptling Abendwind“, „Lumpazivagabundus“ oder „Das Mädl aus der Vorstadt“. Mit feinem Gespür für Publikum, Humor und große österreichische Theaterklassiker entwickelte er Parndorf Schritt für Schritt zu einer festen Größe im burgenländischen Kulturkalender. Doch damit nicht genug.

Seit Ende 2018 steht Christian Spatzek zusätzlich an der Spitze der Festspiele Stockerau und verantwortet dort ebenfalls die künstlerische Leitung eines traditionsreichen Sommerfestivals. Auch hier setzt er konsequent auf publikumsnahes Theater und starke Ensembles und auf Klassik mit Charme, Witz und jener Leichtigkeit, die einen gelungenen Sommerabend erst vollkommen macht.

Bei den Festspielen Stockerau bringt Spatzek heuer William Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“ auf die Bühne (Bühnenbild Manfred Waba) – ein weiterer Beweis dafür, mit welcher Energie und Leidenschaft der Jubilar bis heute mehrere bedeutende Sommerbühnen gleichzeitig prägt.

Dass nun ausgerechnet an seinem 70. Geburtstag in Parndorf Premiere gefeiert wird, wirkt fast wie eine jener wunderbaren Pointen, die nur das Theater schreiben kann. Ein Künstler, der sein gesamtes Leben auf, vor und hinter der Bühne verbracht hat, feiert sein persönliches Jubiläum genau dort, wo er seit Jahren selbst als Intendant, Schauspieler und kreativer Kopf das Geschehen bestimmt.

Christian Spatzek gehört ohne Zweifel zu jener Generation österreichischer Künstler, die Fernsehen, Theater und Kulturarbeit gleichermaßen geprägt haben. Für das Burgenland ist er längst weit mehr als nur ein prominenter Schauspieler geworden – nämlich ein wichtiger Kulturträger, der bewiesen hat, dass große Theatermomente nicht nur in Metropolen entstehen, sondern genauso unter freiem Himmel, an lauen Sommerabenden und vor begeistertem Publikum.

Mit 70 Jahren steht Christian Spatzek längst nicht für einen Rückblick, sondern vielmehr für die schöne Gewissheit, dass manche Hauptrollen ein Leben lang dauern.

Nina Mayer: Wenn Sie auf sieben Jahrzehnte Leben und eine lange Karriere zurückblicken: Worauf sind Sie besonders stolz?

Christian Spatzek: Dass ich gesund bin und noch immer die Kraft habe, all diese Aufgaben zu bewältigen. Das ist in meinem Alter alles andere als selbstverständlich.

Gab es einen Moment oder eine Begegnung, die Ihren künstlerischen Weg entscheidend geprägt hat?

Spatzek:Vor allem Karl Paryla, der mir gezeigt hat, wie Theater wirklich funktioniert. Aber auch Michael Haneke, Peter Stein und Otto Schenk haben meinen Blick auf die Bühne nachhaltig geprägt.

Was hat Ihnen das Theater fürs Leben beigebracht, das Sie anderswo nicht gelernt hätten?

Spatzek: Das Miteinander. Theater entsteht nur im Team. Das ist ganz anders als in der bildenden Kunst, meiner zweiten Leidenschaft – dort arbeitet man allein. Das hat auch seinen Reiz, aber Theater lebt vom gemeinsamen Atem.

Sie prägen den Theater Sommer Parndorf seit 15 Jahren. Was macht diesen Ort für Sie so besonders?

Spatzek: Parndorf ist ein Ort mit Herz. Hier arbeiten Menschen mit Leidenschaft zusammen, und das Publikum begegnet uns mit großer Offenheit. Diese besondere Atmosphäre spürt man an jedem einzelnen Abend.

Wenn Sie an Ihre Zeit als Intendant denken: Welche Produktion oder welcher Moment ist Ihnen besonders ans Herz gewachsen?

Spatzek:Natürlich alle Produktionen! Jede hat ihre eigene Geschichte. Aber das Theater zeigt einem auch die Vergänglichkeit. Im vergangenen Jahr ist unser Hauptdarsteller Christoph Schobesberger neun Tage vor der Premiere verstorben. Solche Momente vergisst man nie.

Warum haben Sie sich diesen Sommer für „Der Geizige“ entschieden?

Spatzek: Weil Molière zeitlos ist. Harpagons Gier, sein Kontrollzwang und seine Angst vor Verlust begegnen uns heute genauso wie vor Jahrhunderten – und trotzdem kann man herzlich darüber lachen.

Was macht Molières Stück heute noch aktuell?

Spatzek:Die Gier nach Geld und Besitz ist aktueller denn je. Oft wird materieller Erfolg über Menschlichkeit gestellt. Molière hält uns diesen Spiegel auf humorvolle Weise vor – und genau deshalb funktioniert das Stück bis heute.

Ist die Inszenierung klassisch oder gibt es moderne Bezüge?

Spatzek: Wir bleiben der Geschichte treu, erzählen sie aber mit einem frischen Blick und einem Tempo, das heutige Zuschauer anspricht. Gute Komödien altern nicht.

Wie wichtig ist Ihnen die Nähe zum Publikum?

Spatzek: Das ist der große Unterschied zum Film. Theater entsteht im Augenblick, gemeinsam mit den Zuschauern. Gerade unter freiem Himmel spürt man diese Energie besonders intensiv.

Sie sind seit 2012 Intendant in Parndorf. Wie hat sich das Festival in dieser Zeit verändert?

Spatzek: Die Pawlatsche steht noch immer – sie hat sich also längst amortisiert. Vor allem aber haben wir viele neue Besucher gewonnen und den „Theater Sommer Parndorf“ zu einer festen kulturellen Größe im Burgenland entwickelt. Darauf bin ich gemeinsam mit meinem Team stolz.

Was macht für Sie gutes Sommertheater aus?

Spatzek: Großartige Schauspieler, die eine gute Geschichte erzählen – egal ob lustig oder traurig. Wenn die Menschen zufrieden und vielleicht ein bisschen glücklicher nach Hause gehen, haben wir unser Ziel erreicht.

Was fasziniert Sie nach all den Jahren noch immer an der Bühne?

Spatzek: Dass jeder Abend einzigartig ist. Kein Publikum reagiert gleich, jede Vorstellung entwickelt ihre eigene Magie. Genau das macht Theater lebendig.

Welche Rollen würden Sie gerne noch spielen?

Spatzek: Das ist schwierig – es gibt so viele wunderbare Rollen. Eigentlich freut man sich immer auf das nächste Stück. Das Schöne an unserem Beruf ist, dass die Rollen mit einem älter werden. Anders als in der Commedia dell’arte, wo ein Schauspieler sein Leben lang denselben Charakter spielte.

Welche Eigenschaften braucht ein guter Intendant?

Spatzek: Er muss zuhören können, Entscheidungen treffen, Menschen begeistern und auch in schwierigen Situationen die Ruhe bewahren. Theater ist und bleibt Teamarbeit.

Wo tanken Sie Kraft, wenn einmal keine Probe und keine Vorstellung auf dem Spielplan stehen?

Spatzek:Bei meiner Familie, mit guten Freunden oder in der Natur – ich gehe leidenschaftlich gerne Schwammerlbrocken. Urlaub mache ich kaum, manchmal fliege ich nach Korea zur Familie meiner Frau.

Mit 70 Jahren: Was wünschen Sie sich in Zukunft für sich selbst und für das Theater?

Spatzek: Gesundheit, Neugier und weiterhin die Möglichkeit, Geschichten erzählen zu dürfen. Für das Theater wünsche ich mir ein Publikum, das zuhört, mitleidet und mitlacht. Kultur ist kein Luxus, sondern Nahrung für die Seele – und ganz nebenbei sichert sie auch mehr als 115.000 Arbeitsplätze.

Und abschließend: Was ist für Sie persönlich der größte Reichtum im Leben?

Spatzek: Zeit mit den Menschen, die man liebt, Gesundheit und die Freude an der eigenen Arbeit. Geld kann vieles erleichtern, aber echtes Glück entsteht durch Begegnungen, Freundschaft und gemeinsame Erlebnisse.

Lieber Herr Spatzek: Alles Gute zum Geburtstag und weiterhin viel Erfolg!