Sonntagsfrage: FPÖ vor ÖVP und SPÖ
BVZ-Umfrage, Teil 2
1.250 Wahlberechtigte hat das Institut für Demoskopie & Datenanalyse (IFDD) österreichweit im Auftrag der BVZ zur SPÖ-Vorsitzdebatte befragt. Spannend ist dabei nicht nur die Einschätzung der drei Bewerber, sondern auch die Abbildung der allgemeinen politischen Lage. Bei der Sonntagsfrage liegen derzeit die Freiheitlichen vorne, in der fiktiven Kanzler-Direktwahl liegt Nehammer vor Kickl und Rendi-Wagner.
Im Auftrag der BVZ wurde auch abgefragt, welcher Partei die Umfrage-Teilnehmer ihre Stimmen geben würden, wenn am kommenden Sonntag gewählt werden würde.
© Shutterstock, vchal
Mit Hans Peter Doskozil an der Spitze trauen 38 Prozent der SPÖ den ersten Platz bei der nächsten Nationalratswahl zu – dieses Ergebnis brachte die IFDD-Umfrage im Auftrag der BVZ. Wie berichtet, liegt der Landeshauptmann dabei mit 36 Prozent Zustimmung auch erstmals unter den deklarierten SPÖ-Wählerinnen und -Wählern vorne. Auf den zweiten Herausforderer, Andreas Babler, setzen 17 Prozent (und 22 Prozent der SPÖ-Wähler), auf die aktuelle Vorsitzende Pamela Rendi-Wagner zehn Prozent (27 Prozent in der eigenen Wählerschaft).
Ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefern sich Doskozil und Rendi-Wagner mit jeweils 26 Prozent in Sachen Vertrauenswürdigkeit; innerhalb der SPÖ-Wähler ist aber Rendi-Wagner mit 53 Prozent klar vorne.
In der Frage nach der Durchsetzungskraft liegt Doskozil mit 62 Prozent eindeutig auf Platz eins; und er punktet auch bei den Wählerinnen und Wählern anderer Parteien.
Unterschiede bei Wunsch-Koalition und Sonntagsfrage
Überraschend klar wird zudem die Koalitionsfrage beantwortet (27 Prozent sind für SPÖ-Grün- NEOS; Schwarz-Blau kommt in wechselnder Führungsrolle gesamt auf 21 Prozent).
Die Sonntagsfrage hingegen entscheidet laut Hochschätzung die FPÖ mit Herbert Kickl für sich (27 Prozent), vor der ÖVP mit Karl Nehammer (24 Prozent) und der SPÖ mit Rendi-Wagner (22 Prozent). Die Wahlbeteiligung bei der Nationalratswahl würde laut Umfrage derzeit bei 76 Prozent liegen.
Bei einer fiktiven Kanzler-Direktwahl würde Nehammer laut Hochschätzung auf 29 Prozent kommen, Kickl auf 27, Rendi-Wagner auf 25, Beate Meinl-Reisinger von den NEOS auf zwölf und Grünen-Chef Werner Kogler auf sieben Prozent. In den Rohdaten zeigt sich zugleich, dass ein Viertel der Wahlberechtigten in dieser Frage noch unentschlossen ist.

© IFDD, BVZ
In der Analyse wagt IFDD-Geschäftsführer Christoph Haselmayer auch einen Ausblick für den Herbst 2024: „Für 27 Prozent ist das Thema Gesundheit und Soziales das wahlentscheidende Thema bei den kommenden Nationalratswahlen.“ Dahinter folgen Themen wie Wirtschaft (16 Prozent), Migration (15 Prozent), Wohnen (12 Prozent) oder Energie (11 Prozent; siehe Grafik).

© IFDD, BVZ
Weiters tun sich laut Haselmayer bei der Vertrauensfrage „derzeit österreichweit alle Politikerinnen und Politiker relativ schwer, egal welcher Partei sie angehören“. Die Einzelabfrage zu Rendi-Wagner zeigt hier einen negativen Saldo von -16, bei Doskozil von -15 und bei Babler von -3. Die Einstufung erfolgt aus positivem und negativem Saldo unter Berücksichtigung der Angaben „kenne ich nicht“ und „weiß nicht“. Hier zeigt sich beispielsweise, dass es immer noch 31 Prozent gibt, die Andreas Babler nicht kennen; bei Rendi-Wagner beträgt dieser Wert null Prozent, nur drei Prozent geben an, Doskozil nicht zu kennen.
34 Prozent sehen ihre Interessen am ehesten durch Hans Peter Doskozil vertreten (darunter nur 14 Prozent der SPÖ-Wähler), 20 Prozent von Andreas Babler (SPÖ-Wählerschaft: 39 Prozent) und 17 Prozent von Pamela Rendi-Wagner (SPÖ-Wählerschaft: 40 Prozent).
Und: „Für über zwei Drittel spielt es keine Rolle, ob der SPÖ-Parteivorsitz von einer Frau oder einem Mann gestellt wird“, analysiert Haselmayer eine weitere Frage: 15 Prozent sprechen sich für eine Frau aus, 18 Prozent für einen Mann, 67 Prozent ist das sozusagen egal.
Quelle: IFDD – Institut für Demoskopie und Datenanalyse GmbH, Umfragezeitraum: 29. April bis 1. Mai; 1.250 Online-Interviews, repräsentativ für die wahlberechtigte österreichische Bevölkerung ab 16 Jahren, maximale Schwankungsbreite ± 2,8 Prozent. IFDD ist Mitglied im Verband der Marktforscher Österreichs und handelt nach den gültigen Normen und ethischen Grundsätzen von ESOMAR.