WWF zu Kinik Gols: Bau hat „negative Auswirkung auf Wasserhaushalt“

Standortprüfung gefordert

Anlässlich der aktuell wieder angeheizten Diskussion zum geplanten Krankenhaus Gols warnt die Umweltschutzorganisation WWF Österreich vehement vor dem derzeit gewählten Standort zwischen Gols und Weiden am See.

WWF zu Kinik Gols: Bau hat „negative Auswirkung auf Wasserhaushalt“

© Landesmedienservice Burgenland

„Der geplante Standort ist höchst problematisch, weil hier negative Folgen für den Wasserhaushalt der Region und für geschützte Arten drohen. Außerdem droht ein Verstoß gegen die Naturschutz-Richtlinien der Europäischen Union“, sagt WWF-Experte Bernhard Kohler. Es gebe mehrere geeignete Alternativen – sowohl in Gols selbst, als auch in anderen Gemeinden.

Der WWF reagiert damit auf die gestern beschlossene Novelle des Krankenanstaltengesetztes im Burgenländischen Landtag. Durch die Novelle soll das Umwidmungsverfahren wie berichtet für den geplanten Standort beschleunigt werden.

Neue Gesetzeslage

Die Flächenwidmung für den Bau von öffentlichen Spitälern mit einer überregionalen Bedeutung, wie dem Krankenhaus Gols, wird aus der örtlichen Raumplanung genommen. Das entsprechende Flächenwidmungsverfahren wird nun nicht mehr von der Gemeinde, sondern vom Land Burgenland abgewickelt.

Die Gemeinde Gols kann damit die Flächenwidmungsplan-Änderung, die aufgrund eines Einspruchs der Umweltorganisation „Pro Thayatal“ beim Landesverwaltungsgericht (LVwG) hängt, zurücknehmen. So kann die Gesundheit Burgenland GmbH den gesamten Antrag auf Errichtung der Klinik Gols beim Amt der Burgenländischen Landesregierung einbringen, das dann das Verfahren in einer Abteilung konzentriert und gebündelt abwickeln wird. „Damit wird das Genehmigungsverfahren für den Bau der Klinik Gols entscheidend beschleunigt“, so Landeshauptmann Hans Peter Doskozil.

WWF-Apell an Landesregierung, Alternativstandorte zu prüfen

Die Umweltschutzorganisation appelliert an die Burgenländische Landesregierung, die möglichen Alternativstandorte gründlich zu prüfen und nicht die Gesundheit der Menschen gegen den Naturschutz auszuspielen.

“Erst kürzlich hat die UNESCO Welterbe-Kommission das Projekt scharf kritisiert und eine sorgfältige Prüfung der Auswirkungen verlangt – und zwar bevor entscheidende Schritte zur Umsetzung vorgenommen werden. Diese Prüfung ist jedoch nicht erfolgt”, kritisiert Bernhard Kohler vom WWF. Die Konsequenzen für die Natur würden ignoriert oder verharmlost.

Grundwasserzufluss zu Naturschutzgebiet gefährdert

„Eines der größten Probleme ist, dass das Projekt den Grundwasserzufluss zu den Zitzmannsdorfer Wiesen bremsen oder verringern kann – was dramatische Folgen für die einmalige Fauna und Flora vor Ort hätte”, warnt Kohler. In der Nationalpark-Bewahrungszone Zitzmannsdorfer Wiesen kommen europaweit einzigartigen Schutzgüter vor, wie zum Beispiel der Schlitzblättrige Wermut, die Salzwiesen-Schwertlilie oder die Sumpfmaus. Eine weitere Schädigung des Grundwasserhaushalts der Wiesen könnte zu einer existentiellen Bedrohung für diese Arten werden.

Die im Zuge der Umwidmung erstellte Naturverträglichkeits-Erklärung hat die möglichen negativen Auswirkungen aus Sicht des WWF nur unzureichend berücksichtigt. “Auch das hydrologische Gutachten ist viel zu oberflächlich und obendrein unvollständig, weil es die entwässernde Wirkung der kilometerlangen Rohrleitungen nicht berücksichtigt, die das Krankenhaus mit den benachbarten Ortschaften verbinden werden”, warnt Bernhard Kohler vom WWF. Deshalb sei auch die Schlussfolgerungen der Naturverträglichkeits-Erklärung unzulässig, wonach angeblich keine Gefahr für den Wasserhaushalt der Niedermoore und Salzwiesen auf den Zitzmannsdorfer Wiesen bestehe.

Lichtverschmutzung und blockierter Vogelzug-Korridor

Auch wichtige Themen wie die Lichtverschmutzung oder die Störungswirkung von Hubschrauber Zu- und Abflügen würden in der Erklärung nur unzureichend behandelt. Laut Kohler werde die Beeinträchtigung des Vogelzug-Korridors, der die Zitzmannsdorfer Wiesen quer über die Parndorfer Platte mit der Leitha Niederung verbindet, vernachlässigt. „Ein intakter Vogelzug-Korridor ist die Voraussetzung dafür, dass die Windkraftanlagen auf der Parndorfer Platte weiterhin als unproblematisch für die Vogelwelt gelten können”, erklärt der Experte und sagt weiter: „In die Identifikation und Ausweisung des Korridors wurde viel Arbeit investiert. Ihn nun durch Bauarbeiten zu beeinträchtigen, macht jahrelange Bemühungen des Burgenlands um eine naturschutzverträgliche Gestaltung des Windkraft-Ausbaus zunichte.”

Positive Stimme zum Standort in Gols

Der Beschluss des Landtags wird aber nicht nur negativ aufgenommen. So meldete sich etwa Walter Meidlinger bei der BVZ, um die positive Bedeutung des Klinikprojekts für den Neusiedler Bezirk zu unterstreichen. Er betreibt eine Facebook-Gruppe mit dem Namen „Ich bin für das Spital in Gols“.

„Fast 2.000 Mitglieder sprechen sich in unserer Facebook-Gruppe schon für das neue Spital in Gols aus – und es werden laufend mehr“, berichtet er. Der Golser begrüßt die vom Burgenländischen Landtag beschlossene Änderung des Krankenanstaltengesetzes.

Dass etwa die niederösterreichischen Umweltorganisation „Pro Thayatal“ juristisch gegen das Umwidmungsverfahren für den Klinikbau in Gols vorgeht, kann er nicht verstehen: „Wenn Umweltorganisationen benutzt werden, um aus einem Spitalsbau ein Politikum zu machen, ist das schlichtweg unfair. Hier wird aus der Ferne mit unserer Gesundheit gespielt! Ginge es bei der ganzen parteipolitischen Agitation wirklich um die Umwelt, dann würden die Wohnprojekte und Restaurantbauten in der Umgebung hinterfragt werden, aber doch nicht ein Spital, das wir hier brauchen."