Kammer kritisiert „alternative Arbeitsvergaben“ in Schattendorf

Streit

Die BVZ berichtete kürzlich von einem „alternativen Ansatz“ der Gemeinde Schattendorf bei der Vergabe von Arbeiten. Es werden nun zahlreiche Arbeiten von Gemeindebediensteten durchgeführt. Ebenso ging man eine Kooperation mit dem Arbeitsmarktservice ein, und die Gemeinde beschäftigt nun beim AMS gemeldete Arbeitssuchende. Die Wirtschaftskammer kritisiert nun diese Vorgangsweise.

Die Gemeinde Schattendorf wählt bei den Arbeitsvergaben einen anderen Weg.

Die Gemeinde Schattendorf wählt bei den Arbeitsvergaben einen anderen Weg.

© Symbolbild: Shutterstock, Nickiii97

Am Beispiel der Volksschule hat die Gemeinde Schattendorf alle ramponierten Wände durch die Beschäftigung eines beim AMS gemeldeten Malers innerhalb von fünf Wochen wieder auf Vordermann bringen lassen. Im Kindergarten wurde mit den Ausmalarbeiten bereits in den Semesterferien begonnen. Der Rest der zu tätigen Malerarbeiten in der Gemeinde-Infrastruktur folgt in den kommenden Wochen.

Diese Vorgangsweise sorgt nun für Kritik von Seiten der Wirtschaftskammer. „Das ist ein völlig falsches Signal, angesichts der aktuell mehr als angespannten wirtschaftlichen Lage vieler burgenländischer Klein- und Mittelbetriebe, gerade im Bau- und Baunebengewerbe“, sagt Kommerzialrat Bernhard Breser, Innungsmeister der Landesinnung Bau.

„In der Gemeinde Schattendorf gibt es aktuell 114 Unternehmen, die rund 220 Mitarbeiter beschäftigen und vier Lehrlinge ausbilden. Das Kommunalsteueraufkommen dieser Betriebe beläuft sich auf mehr als 200.000 Euro. Geld, das direkt der Gemeinde zugutekommt. Zudem könnten viele Schattendorfer Vereine ohne die Unterstützung der diversen Unternehmen kaum ihren Vereinsbetrieb in der aktuellen Form aufrechterhalten“, gibt auch Gerald Guttmann, Obmann der Sparte Gewerbe und Handwerk, zu bedenken.

Kammer kritisiert „alternative Arbeitsvergaben“ in Schattendorf

© BKA/Andy Wenzel, Andy Wenzel

„Bürgermeister Hoffmann war langjähriger Mitarbeiter im Büro des Wirtschaftslandesrats, ist gegenwärtig Landtagsabgeordneter und die Gemeinde Schattendorf ist gemäß dem gerade vorgestellten Bericht des Rechnungshofs unter den Top-10-Gemeinden im Burgenland bei der Höhe der Bedarfszuweisungen von Bund und Land“, so Guttmann. „Wir appellieren an die Vernunft. Burgenlands Betriebe sind unverzichtbar, Ankündigungen wie diese schaden nicht nur der heimischen Wirtschaft, sondern am Ende auch der Gemeinde Schattendorf!“

Geht es nach dem Schattendorfer SPÖ-Bürgermeister und Gemeindesprecher Thomas Hoffmann, so wird in Schattendorf aus der Not eine Chance geschaffen. Er verweist auf die beängstigende finanzielle Situation, in der die österreichischen Gemeinden stecken, und erklärt, dass man einen alternativen Ansatz gewählt habe, um dringend notwendige Instandhaltungsmaßnahmen durchzuführen. Durch die Einbindung von Gemeindebediensteten und eine Kooperation mit dem Arbeitsmarktservice (AMS) werden Langzeitarbeitslose in die Arbeiten integriert. So entstehe eine Win-Win-Situation - die Infrastruktur wird verbessert, während gleichzeitig Arbeitsplätze geschaffen werden.

„Die Schattendorfer Volksschule, der Kindergarten, die Leichenhalle und andere Gemeindeeinrichtungen befinden sich seit etwa 25 Jahren in einem stark abgenutzten Zustand. Die Bevölkerung hat ein Recht darauf, dass dringende Arbeiten zeitnah erledigt werden. Mit diesem Ansatz möchten wir sowohl die Bedürfnisse der Bürgerinnen und Bürger erfüllen als auch Arbeitslosen eine Perspektive bieten“, so Hoffmann.

Kammer kritisiert „alternative Arbeitsvergaben“ in Schattendorf

© zVg

Hoffmann betont, dass der alternative Ansatz keineswegs die jahrzehntelange partnerschaftliche Zusammenarbeit mit heimischen Unternehmen in Frage stellt. „Wir schätzen die lokalen Betriebe und ihre Bedeutung für die Wirtschaft. Die 171 Bürgermeisterinnen und Bürgermeister des Landes sind echte Freunde der heimischen Wirtschaft und wissen um die Herausforderungen, vor denen die Klein- und Mittelbetriebe stehen. Die Gemeinden sind der echte Beschäftigungsmotor des Landes. Allerdings müssen wir in dieser herausfordernden finanziellen Lage kreativ und flexibel handeln“, erklärt Hoffmann.

Er weist auch darauf hin, dass die aktuelle Situation nicht nur eine Herausforderung, sondern auch eine Gelegenheit ist, um innovative Lösungen zu finden. „Ich brauche keine Zurufe aus der Wirtschaftskammer. Die Kritik der Wirtschaftskammer ist völlig überzogen und scheint eher dem ‘Zufall’ der bevorstehenden Wirtschaftskammerwahl geschuldet zu sein. Von Herrn Guttmann habe ich in den letzten fünf Jahren keine nennenswerte Aktivität vernommen. Im Gegensatz dazu gibt es in Schattendorf aber einen namensgleichen Gerald Guttmann, der sich als Privatperson in den letzten Wochen mit Sicherheit mehr in die Dorfgemeinschaft eingebracht hat. Vielleicht kann er sich an seinem Namensvetter ein Beispiel nehmen“, so Hoffmann.

Er ergänzt, dass Arbeitslose nur für gewisse Tätigkeiten temporär eingesetzt werden, während für komplexere Projekte Gewerbebetriebe und Professionisten zum Zug kommen. „Sobald es die Gemeindefinanzen wieder erlauben, werden wir selbstverständlich auch wieder auf die Expertise der lokalen Unternehmen setzen“, versichert der Landtagsabgeordnete.

Mit Blick auf die Vergangenheit kritisierte der Bürgermeister die Politik der damaligen ÖVP-geführten Bundesregierung. „Sie hat ein finanzielles Totalfiasko hinterlassen. Die stetig sinkenden Ertragsanteile zwingen uns dazu, neue Wege zu gehen. Dennoch bin ich optimistisch, dass wir mit diesem alternativen Ansatz sowohl die Gemeinde als auch die Menschen unterstützen können“, so Hoffmann abschließend.

Die BVZ hat berichtet: