Kastell Sulz: Eigentümer meldete sich krank, Prozess vertagt

Streit um Rückabwicklung

Der Konflikt um das Kastell in Sulz ist immer noch nicht beigelegt. Die geplante Zeugeneinvernahme von Eigentümer Sigurd Hochfellner konnte am Mittwoch, 27. Mai 2026, nicht stattfinden.

Um das Kastell Sulz wird vor Gericht gestritten.

Um das Kastell Sulz wird vor Gericht gestritten.

© BVZ

2018 hatte der Kastellverein das historische Gebäude sowie vier Hektar Grund an den Kärntner Mediziner Sigurd Hochfellner verkauft. Der Kaufpreis betrug 15.000 Euro.

Laut Kastellverein sagte der neue Eigentümer zu, der Öffentlichkeit den Zugang zu dem Gebäude zu ermöglichen, insbesondere sei vereinbart worden, bis Ende 2021 ein Kaffeehaus in den Räumlichkeiten zu errichten. Wichtig war dem Verein auch, dass die Parkanlage zugänglich bleibt. Doch die Zusagen seien nicht eingehalten worden. Insbesondere auf das Kaffeehaus wartete die Bevölkerung vergeblich.

Mittlerweile drängt der Kastellverein auf eine Rückabwicklung des Kaufvertrags. Darüber wird seit dem Vorjahr vor Gericht gestritten. Am Mittwoch, 27. Mai 2026, hätte eigentlich Sigurd Hochfellner am Zivilgericht in Eisenstadt einvernommen werden sollen, dazu kam es aber nicht: Laut dem Anwalt des Kastellvereins, Dieter Heine, hatte sich der Kastellbesitzer einen Tag vor dem Prozesstermin krankgemeldet.

Als Zeugen vor Gericht befragt wurden zwei anwesende Personen: der Obmann der Wassergenossenschaft und der Schriftführer des klagenden Vereins. „Die Zeugen bestätigten, dass Versprechungen gemacht, aber nicht eingehalten wurden“, berichtete Anwalt Heine.

Fortgesetzt werden soll der Prozess am 11. Juni.

Einst Kur- und Badezentrum

Das 1815 errichtete Kastell diente zunächst einer Gräfin als Witwensitz. Da sich am Grundstück Mineralwasserquellen befanden, richtete die Gräfin einen Kurbetrieb ein, der nach ihrem Tod eingestellt wurde.

Ein späterer Besitzer fand eine neue Nutzung für die Quellen: Er füllte das Mineralwasser in Flaschen ab und verschickte diese quer durch die gesamte österreichisch-ungarische Monarchie. 1905 wurden gegenüber dem Schloss eine Abfüllhalle und ein Lager errichtet. Das Wasser trug den Namen „Vita-Quelle“.

Eng mit Güssinger Mineralwasser verbunden

1956 wurde die Güssinger Mineralwasser AG gegründet. Nach Jahrzehnten der erfolgreichen wirtschaftlichen Nutzung des Mineralwassers schlitterte das Unternehmen 2019 in die Insolvenz, der Betrieb musste eingestellt werden.

Das leerstehende Kastell Sulz wurde 1973 unter Denkmalschutz gestellt und sollte damit vor Verfall und Abriss bewahrt werden. 1980 verkaufte die Güssinger Mineralwasser AG das Gebäude an den eigens gegründeten Kastellverein, der sich um Sanierungsarbeiten kümmerte und schließlich in dem Facharzt Sigurd Hochfellner einen Käufer fand.

„Ein Teil des Kastells wird nach der Renovierung öffentlich für Ausstellungen, Hauskonzerte, Hochzeiten und andere Veranstaltungen zur Verfügung stehen. Im Anbautrakt soll ein Café eingerichtet werden“, beschrieb der neue Schlossherr 2018 in der BVZ seine Pläne. Den anderen Teil des Gebäudes wollte der neue Besitzer privat nutzen, um Teile seiner Kunstsammlung und seiner Bibliotheksbestände unterzubringen.