Geplanter Konzert-Anschlag: „Probefahrt“ in Sigleß
Taylor Swift in Wien
Der 19-jährige mutmaßliche Anhänger der radikalislamistischen Terror-Miliz "Islamischer Staat" (IS), der gemeinsam mit einem angeblich gleichgesinnten 17-Jährigen einen Anschlag auf die am 8. und 9. August angesetzteTaylor-Swift-Konzertreihe im Wiener Ernst-Happel-Stadion geplant haben soll, wurde bereits seit dem 2. August observiert. Am Abend der Siglesser Beach Party „Sless“ machte er eine „Probefahrt“ durch eine Menschenmenge, die sich in Richtung Beachparty begab.
Der unter Terror-Verdacht festgenommene mutmaßliche Anhänger der radikalislamischen Terror-Miliz "Islamischer Staat" (IS) auf einem vom BMI veröffentlichten Foto.
© APA/ROLAND SCHLAGER, ROLAND SCHLAGER
Aus einem Bericht der Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN), der Bestandteil des Ermittlungsakts ist, geht hervor, dass die DSN am 2. August – und damit sechs Tage vor dem ersten von drei Konzertterminen, die vom 8. bis zum 10. August über die Bühne hätten gehen sollen – Kenntnis von den Anschlagsplänen bekam, wobei in dem Bericht angemerkt wird, die entsprechenden Informationen seien zunächst „noch nicht gerichtsverwertbar freigegeben“.
Laut APA wurde das Handy des 19-Jährigen erstmals am 2. August um 17.30 Uhr gepeilt. Mit den Observationsmaßnahmen an der Adresse des jungen Mannes in Ternitz (Bezirk Neunkirchen) wurde um 19.00 Uhr begonnen. Bereits am selben Abend bzw. in der darauf folgenden Nacht wurde auch der 17-jährige Freund des Hauptverdächtigen an dessen Adresse vom Observations-Team erfasst.
Der 17-Jährige ist dem Landesamt Staatsschutz und Extremismusbekämpfung (LSE) Wien seit längerem bekannt. Er verkehrte nach Erkenntnissen der Verfassungsschützer im radikalislamistischen Milieu und besuchte regelmäßig die einschlägig bekannten Moscheen, welche der IS-nahen Szene zuzuschreiben sind. Aktuell seien gegen den 17-Jährigen „Erkundigungen wegen ‚Sittenwächterei'“ im Laufen, wird in einem Verfassungsschutz-Bericht an die Justiz vermerkt. Fest steht auch, dass der Bursch in die gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Tschetschenen und Syrern bzw. Afghanen in Wien involviert gewesen sein dürfte. Bei einem Angriff auf mehrere Syrer am 7. Juli 2024 am Bahnhof Meidling soll er insofern dabei gewesen sein, als er die Tathandlungen filmte.
Wie die APA weiters berichtet, soll sich der 17-Jährige am 3. August von 01.08 Uhr bis 6.24 Uhr im Wohnhaus des 19-Jährigen aufgehalten haben.
In der darauf folgenden Nacht wurden die beiden dabei beobachtet, wie sie in Sigleß um 1.40 Uhr eine „Probefahrt“ in dessen Auto unternahmen. Dabei montierte der 19-Jährige ein Blaulicht auf das auf seine Mutter zugelassene Fahrzeug und schaltete ein Folgetonhorn ein. Damit fuhren sie „durch eine ‚Menschengruppe‘, welche sich zur damals veranstalteten Beachparty in Sigleß begab“, notierten die Ermittler.
Verletzt wurde dabei niemand, aus Sicht der Verfassungsschützer handelte es sich dabei um einen „Testlauf“ – der 19-Jährige habe in Umsetzung seiner Anschlagspläne mit dem mütterlichen Auto unter der Vorgabe, er sei ein Polizist oder eine Einsatzkraft in zivil, möglichst nahe ans Happel-Stadion herankommen wollen, um vor dem Stadion befindliche Taylor-Swift-Fans zu töten.
Die BVZ fragte bei Helmut Marban, Sprecher der Landespolizeidirektion Burgenland, nach: „Ich kann dazu nichts sagen, die Ermittlungen führen die Kollegen vom DSN.“ Er habe keine Berechtigung, zu dem angeblichen Vorfall bei der Sless Beach Party am 3. August 2024 in Sigleß etwas zu sagen. Er wollte auch nicht Auskunft dazu geben, ob überhaupt ein derartiger Zwischenfall an die Polizei gemeldet worden war.