Blaulichtfahrt in Sigleß: „Kein Test für späteren Terroranschlag“

Taylor Swift-Konzert

Laut APA hatte ein 17-Jähriger in Sigleß, als die Beach Party Sless stattfand, Kontakt zum Terrorverdächtigen. Er saß seinen Angaben zufolge nämlich mit im Auto des 19-Jährigen, als der Hauptverdächtige ein Blaulicht und ein Folgetonhorn ausprobiert haben soll, die er später angeblich bei der Tatausführung benutzen wollte. Ersten Informationen zufolge absolvierte der 19-Jährige somit eine „Probefahrt“ samt Blaulicht für den geplanten Anschlag beim Taylor Swift-Konzert in Wien. Dies sei laut dem 17-Jährigen aber nicht so gewesen.

Der 19-jährige Terrorverdächtige fuhr mit einem Blaulicht durch Sigleß.

Der 19-jährige Terrorverdächtige fuhr mit einem Blaulicht durch Sigleß.

© APA/dpa/Sarah Knorr, Sarah Knorr

"Ich war in Sigleß auf einer Beach-Party", erinnerte sich der 17-Jährige an die Nacht auf den 4. August im Gespräch mit der APA. Weil es spät war und er nicht heimgekommen sei, habe er weit nach Mitternacht den 15-jährigen Zweitverdächtigen angerufen und gebeten, ob dieser dafür sorgen könne, dass er abgeholt wird. In weiterer Folge sei dann der 19-Jährige mit seinem Auto gekommen, in dem sich zwei weitere Personen befunden hätten.

Er sei eingestiegen, "und plötzlich stehen wir in einer Einbahn mit lauter Menschen auf der Straße, die heimwollten. Auf einmal hält der ein Blaulicht beim Fenster raus", berichtete der Bursch. Zusätzlich habe der 19-Jährige mit seinem Handy eine Polizeisirene abgespielt, "um durch die Menschenmenge zu kommen". Folgetonhorn habe es keines gegeben. "Keiner wusste, dass er ein Blaulicht dabei hat. Es muss sich irgendwo bei den Pedalen unterm Lenkrad befunden haben", mutmaßte der Jugendliche. Aufgrund des Blaulichts habe man dem 19-Jährigen jedenfalls "Platz gemacht und er ist an den Leuten vorbeigefahren und hat mich nach Hause gebracht".

Es habe sich aber um keinen "Test" für einen späteren Terror-Anschlag gehandelt, versicherte der Jugendliche der APA. Ein solcher sei während der Fahrt nicht angeschnitten worden oder auch nur am Rand Thema gewesen.

„Er war crazy“ und „ein Radikaler“

Den Hauptverdächtigen habe er gekannt, wenn auch nicht gut, schilderte der Jugendliche: "Ich hab' mitbekommen, dass er nicht klar im Kopf ist. Er hat etwas anders im Kopf getickt wie wir alle. Er war crazy." Der 19-Jährige Terrorverdächtige soll sich - wie mehrfach berichtet - nach Erkenntnissen der Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN) der radikalislamischen Terror-Miliz "Islamischer Staat" (IS) angeschlossen, am 7. Juli einen Treueschwur auf den neuen IS-Führer abgelegt und vor gehabt haben, am 8. oder 9. August mit seinem Pkw mithilfe eines Blaulichts und Folgetonhorns möglichst nahe ans Happel-Stadion heranzukommen, und davor versammelte Taylor Swift-Fans mit einem selbst gebastelten Sprengsatz bzw. einer Machete und Messern zu töten. Sein anfängliches Geständnis hält der 19-Jährige laut seinem Verteidiger Werner Tomanek inzwischen nicht mehr aufrecht.

Auf die Frage, ob der 19-Jährige den IS verherrlicht, die Scharia gutgeheißen und Anschlagspläne verfolgt habe, meinte dessen Bekannter nun gegenüber der APA: "Das hab' ich nicht mitbekommen." Der 19-Jährige sei aber "ein Radikaler" gewesen - im Unterschied zum zweitverdächtigen 17-Jährigen, der ebenfalls wegen terroristischer Vereinigung und krimineller Organisation in U-Haft sitzt. Der Zweitverdächtige soll laut aktuellem Ermittlungsstand den 19-Jährigen in dessen Terrorplänen psychisch bestärkt haben, außerdem hätte er beim Bühnenaufbau für die drei Wiener Swift-Konzerte mitarbeiten sollen. Am Weg zum Arbeitsplatz wurde der 17-Jährige am Nachmittag des 7. August festgenommen. Sein Verteidiger Nikolaus Rast bestreitet die gegen seinen Mandanten erhobenen Terror-Anschuldigungen.

"Wir sind miteinander in die Schule gegangen. Wir sind gleich alt. Wir sind seit Jahren befreundet. Das kann ich nicht glauben, dass der etwas machen wollte. Er war immer normal, wir sind spazieren gegangen, er ist gern mit seinem E-Scooter gefahren. Er ist nicht radikal. Ich hab' nie mitbekommen, dass er so etwas (gemeint: einen terroristischen Akt, Anm.) machen wollte", schilderte der mit dem Terror-Verdächtigen befreundete Jugendliche am Samstagabend der APA. Dass sein Freund für die Swift-Auftritte im Happel-Stadion arbeiten hätte sollen, sei "reiner Zufall. Er wollte nur Geld verdienen".

Der Jugendliche, der gemäß seinen Angaben bisher nicht von der Polizei befragt wurde, dürfte für die Strafverfolgungsbehörden als Zeuge interessant sein.