Zwischen Stillstand und Bewegung: Tim Reismüller mit Fotoausstellung
Im Savio Mattersburg
Vom spontanen Griff zur Kamera zur Ausstellung: Der 18-jährige Foto-Jugend‑Staatsmeister Tim Reismüller präsentierte im Rahmen seiner Ausstellung „Wien bei Einbruch der Dunkelheit“ im Savio 16 Lieblingsmotive – und erzählt, warum ihn Kontraste nach Einbruch der Dunkelheit magisch anziehen.
Für die Bilder seiner Ausstellung verbrachte Tim Reismüller unzählige Stunden in Wien.
© Richard Vogler
Als Tim Reismüller vor gut drei Jahren zum ersten Mal mit der alten Spiegelreflex seines Großvaters aufs Feld hinausging, war das mehr spontane Idee als Masterplan. „Ich hatte nichts zu tun und habe mir gedacht, ich frage meinen Großvater, ob er mir nicht seine alte Spiegelreflexkamera einmal borgt“, erzählte er damals – ein Funke, der sich zur Leidenschaft entfachte. „Fotografie ermöglicht mir, die Welt so festzuhalten, wie ich sie sehe.“
Die technische Seite hat sich Reismüller anfangs selbst erarbeitet – Tutorials, Online‑Kurse, Austausch im Fotoklub Forchtenstein – doch der wichtigste Lehrmeister ist die Praxis geblieben. „Am besten lernt man es, wenn man rausgeht und einfach fotografiert“, sagte er schon vor zwei Jahren.
Dass sein Weg konsequent war, zeigen frühe Erfolge. Tim gewann mit seinen Fotos bei den Bewerben „Wien baut Brücken“ und dem „Wiener Fotomarathon“, ehe die Teilnahme zur Jugend-Fotostaatmeisterschaft am Programm stand. In vier verschiedenen Kategorien galt es, jeweils vier Fotos einzusenden und auch hier wurden die Bilder des 16−Jährigem an erster Stelle gereiht. Der Vorsprung auf den Zweitplatzierten war ein immens großer und umso bemerkenswerter ist folgender Umstand: Tim, in der Alterslasse 1 (bis 17 Jahre) angetreten, erreichte eine bessere Berwertung als der Sieger der Altersklasse 2 (17 bis 23 Jahre).
Seine letzte Teilnahme bei einem Fotowettbewerb war erneut jene beim „Wiener Fotomarathon“ und auchier stellte er sein großes Talent hinter der Linse unter Bewerb: Unter rund 500 Teilnehmer:innen schaffte er es auf Platz drei. Der „Wiener Fotomarathon“ verlangt Tempo und Ideenreichtum: Zwölf vorgegebene Themen, in zwölf Stunden, exakt in Reihenfolge – um 21 Uhr muss alles hochgeladen sein. „Da muss man voll aus der Komfortzone raus“, sagt Reismüller. „Man kriegt Eigenschaftswörter als Themen und muss schnell etwas überlegen und trotzdem kreativ umsetzen.“
Worum es ihm in der Fotografie geht? „Für mich gibt es nicht den einen Aspekt, der ein Foto gut macht“, sagt Reismüller. „Es ist eine Kombination aus vielen Dingen – Lichteinfall, Kontraste –, aber am wichtigsten ist mir: Erzählt das Foto eine Geschichte?“ Gerade Wien nach Einbruch der Dunkelheit biete für ihn jene Gegensätze, die Bilder lebendig machen: „Zwischen Stillstand und Bewegung entstehen Kontraste – genau das fasziniert mich.“
Nun, mit 18, zeigte der Mattersburger seine Fotoausstellung im Cafe Savio – eine Serie, die über Monate entstanden ist und auch seine Maturaarbeit bildet. „Das Projekt habe ich vor etwa einem Jahr festgelegt“, sagt Reismüller. „Ich bin oft nach der Schule abends nach Wien gefahren und in der Nacht wieder heimgekommen.“
Seine Ausstellung im Lokal zeigte 16 Arbeiten – ausgewählt aus einem Fundus von mehr als 4.000 „Clicks“. „Das Reduzieren war die größte Herausforderung“, gibt er zu. „Manchmal war ich an einem Ort eine Stunde lang, bis ich mit dem Foto wirklich zufrieden war.“ Statt klassischer Postkartenmotive setzt er auf überraschende Blickwinkel: „Ich wollte nicht einfach nur den Stephansdom zeigen, sondern Ecken und Perspektiven, die man sonst nicht sieht.
Der Weg ins Cafe Savio führte über einen Film: Sein Freund Francisco Thaler drehte „I’m a psycho“, Savio‑Chef Florian Tremmel spielte eine Rolle – Reismüller half mit. „Wir waren nach dem Dreh öfter im Savio. Mit Florian Tremmel bin ich ins Gespräch gekommen, und er hat mir die Möglichkeit gegeben, auszustellen“, erzählt Reismüller. Dass die Schau mehrere Tage dauerte, war ihm wichtig: „Damit möglichst viele Leute kommen konnten – und damit ich auch auf die Fragen eingehen konnte.“
Auf die Frage nach dem Aufwand lächelt er: „Viele, viele Stunden Arbeit – aber es macht mir einfach großen Spaß.“ Und nach der Matura? „Ich möchte mich als Fotograf selbstständig machen. Ich will mich in diesem Bereich noch etwas ausprobieren in den verschiedenen Genren. Ob es dann Architektur-Fotografie oder Event-Fotografie ist, da will ich mich jetzt noch nicht festlegen. Nebenbei will ich eine Ausbildung an der Uni absolvieren.“
Für Savio-Chef Florian Tremmel ist es wichtig, „jungen Künstlern eine Bühne zu bieten und, mit dieser Ausstellung öffnen wir uns auch einem anderen Publikum. Und die Bilder von Tim sind ja wirklich extrem gut. Die Fotoausstellung ist enorm gut angekommen.“