Rot-goldene Unterschiede bei der Wahl zum ÖTTV-Präsidenten

Tischtennisverband

Norbert Darabos unterlag bei den ÖTTV-Neuwahlen dem amtierenden Präsidenten Wolfgang Gotschke. Das Burgenland hatte der Kroatisch Minihofer nicht hinter sich.

Rot-goldene Unterschiede bei der Wahl zum ÖTTV-Präsidenten

© Shutterstock

Sie standen nach massiven Vorwürfen von Spielerseite aus schwer in der Kritik. Psychische Gewalt und Vernachlässigung soll von ÖTTV-Präsident Wolfgang Gotschke und Sportdirektor Stefan Fegerl ausgegangen sein. Dass es am Sonntag zur vorgezogenen Neuwahl gekommen ist und Fegerl dabei die Wahl gegen Ex-Europameisterin Liu Jia mit 19:23 Stimmen (bei einer Enthaltung) verlor, wird jene freuen, die einen personellen Umschwung im ÖTTV wollten.

Angeführt wurde die Umschwungs-Bewegung an der Spitze von Ex-Sportminister Norbert Darabos, der neben Liu Jia auch Ex-Weltmeister Werner Schlager als Berater ins Boot holen wollte. Die Jahrhundertspielerin wurde zur neuen Vizepräsidentin Sport gewählt, Darabos selbst musste sich dem umstrittenen Verbands-Boss Gotschke 17:21 (bei vier Enthaltungen) geschlagen geben. Bei der geheimen Wahl gab es 43 Stimmen.

Jeder Verband hat vier Stimmen, die größten Landesverbände Oberösterreich und Niederösterreich sechs und fünf. Vier Ehrenpräsidenten verfügen über je eine Stimme. „Ich bin nicht verärgert, aber enttäuscht und erschüttert, weil man aus meiner Sicht eine Chance vertan hat. Ich bin als Kandidat angetreten, der nichts mit den Grabenkämpfen im Verband zu tun hatte. Es wäre eine Win-win-Situation geworden, weil ich mein Netzwerk aus der Politik und der Wirtschaft einbringen hätte können. Zudem hatte ich bereits vier Sponsoren an der Angel, mit Liu Jia und Werner Schlager wäre es eine fachliche Top-Besetzung gewesen. Vor allem von Spielerseite her gab es eine breite Basis für meine Kandidatur,“ sagte Darabos.

Rot-goldene Unterschiede bei der Wahl zum ÖTTV-Präsidenten

© Wolfgang Millendorfer

Besagte „Susi“, wie Liu Jia genannt wird, wurde als potenzielle neue Brückenbauerin in die Verbandsspitze gewählt. Der verhinderte Präsident aus Kroatisch Minihof werde weiterhin „sehr genau beobachten“, wie sich die Lage im Verband entwickelt, etwa in Bezug auf Liu Jia. „Man hat im Vorfeld der Wahl versucht sie in die Enge zu treiben – Stichwort, ob sie sich das wirklich zutraut.“

Liu Jia soll nun ihren Teil dazu beitragen, damit das Miteinander forciert wird. Im Zuge einer ÖTTV-Aussendung sagte sie: „Ich freue mich auf die Herausforderungen. Wir müssen im Verband – wie in einer Koalition – Kompromisse finden. Wichtig ist, dass sich die Sportler:innen von uns optimal betreut fühlen können und, dass die Probleme der Vergangenheit auch wirklich der Vergangenheit angehören.“

ÖTTV-Präsident Gotschke, seit 2021 im Amt, wurde jedenfalls wiedergewählt. Weiter im Vorstand ist auch Helmut Jäger, Burgenlands Tischtennisverbands-Präsident, als Vertreter der Präsidentenkonferenz (ohne Stimmrecht). Im Zuge der Aussendung stellte auch Gotschke das Miteinander in den Vordergrund. Man habe im Vorfeld der Generalversammlung das Programm und die Ideen präsentiert, jetzt gelte es die Prozesse gemeinsam zu starten. Die Hand sei ausgestreckt zum Mitmachen, Ziel sei, wieder eine Einheit zu bilden: „Ich hoffe, wir werden an Fakten und Leistungen gemessen und bekommen die Chance für ein konstruktives Arbeiten im Sinne unserer Sportler:innen und unseres Sports.“

„Scheinbar ist Erneuerung nicht gewünscht“

Darabos stellt in diesem Zusammenhang klar: „Nach wie vor stehen die Vorwürfe psychischer Gewalt im Raum. Ich finde auch, dass die Funktionäre viel zu sehr im Vordergrund stehen. Deshalb ist die Wahl von Liu Jia auch sehr gut. Wünschen würde ich mir dennoch eine Debatte darüber, was die Strukturen im ÖTTV und generell im Sport betrifft. Zu oft ist es an der Spitze egal, was die Vereine denken und wünschen. Auch das müsste sich ändern, abgesehen vom Umgang. Aber scheinbar ist Erneuerung und Verbesserung auf breiter Basis nicht erwünscht.“

Übrigens: Die vier Stimmen aus dem Burgenland gingen bei der Wahl nicht zu Darabos, sondern zu Wolfgang Gotschke. BTTV-Präsident Helmut Jäger: „Ich habe das niemandem diktiert. Wir haben uns im Vorfeld im Vorstand intensiv Gedanken gemacht und einen einstimmigen Beschluss gefasst. Norbert Darabos ist ein guter Kandidat, aber was Tischtennis betrifft, ist Wolfgang Gotschke die bessere Wahl.“

Rot-goldene Unterschiede bei der Wahl zum ÖTTV-Präsidenten

© UTTC Oberwart/, Franz Felber

Auch bei der Position „Vizepräsident Sport“ zeigte sich Jäger dem bisherigen Sportdirektor Stefan Fegerl zugetan, denn: „Susi Liu Jia ist eine absolut integre Sportlerin. Ich bin mir aber nicht sicher, ob ihr bewusst ist, wie umfangreich die Aufgaben sind. Wenn sie das ehrenamtlich macht, gibt es zudem mit ihrer Tätigkeit als Trainerin Konfliktpotenzial. Man kann zu Stefan Fegerl stehen, wie man will, aber auch vom Fachlichen her wäre er besser gewesen.“

Wie angespannt die Lage im Verband war und ist, zeigt der Umstand, dass auch Jäger Druck von außen vor der Wahl erwähnte. In diesem Fall seien laut dem BTTV-Präsidenten burgenländische Vorstandsmitglieder beeinflusst worden, nicht für Gotschke abzustimmen. „Die letzten zwei, drei Wochen waren ein Wahnsinn.“

Aber was sagt Jäger zu den Vorwürfen der ausgeübten psychischen Gewalt jener beiden Personen, die der BTTV bei der Wahl unterstützt hat? „Ich war selbst Mitglied der vom Verband eingesetzten U-Kommission. Unser Auftrag war die verschiedenen Aussagen niederzuschreiben und zusammenzufassen. Es ist nichts bewiesen und es hatte vor allem keinen rechtlichen Bestand. Jetzt wird ein eigener Ausschuss eingesetzt, der sich aus drei Ehrenpräsidenten und einem Richter zusammensetzt. Da geht es jetzt um Klarheit.“ Sollten die Vorwürfe „nachhaltig bewiesen sein“, stellt Jäger klar, „dann muss man die Lage natürlich neu bewerten.“