Jagdsymposium: Altersbestimmung beim Rotwild fordert selbst Experten
Treffen in Donnerskirchen
Das diesjährige Jagdsymposium der Esterhazy-Betriebe und der PANNATURA GmbH. widmete sich am Bio-Landgut in Donnerskirchen der schwierigen Frage der Altersbestimmung von Rotwild. Rund 200 Fachbesucher diskutierten aktuelle Methoden und rechtliche Herausforderungen der Jagdpraxis.
Beim Jagdsymposium (v.l.): Esterhazy-Vorstand Matthias Grün, Christa Kummer, Stefan Pfefferle, Eva Erlacher, Andreas Schatz
© Foto: (c) pannatura-zeleny
Im Bio-Landgut Esterhazy in Donnerskirchen trafen sich am Mittwoch rund 200 Fachleute zum intensiven Austausch. Im Mittelpunkt der hochkarätig besetzten Veranstaltung stand die Altersansprache beim Rotwild, die Jägerinnen und Jäger im Revier regelmäßig vor große Herausforderungen stellt. Da fehlerhafte Einschätzungen weitreichende Konsequenzen haben können, beleuchteten die Vortragenden das Thema sowohl aus praktischer, wissenschaftlicher als auch aus juristischer Sicht.
David Simon, Leiter für Naturschutz, Jagd, Fischerei und Forschung bei PANNATURA, betonte bei der Begrüßung den Anspruch der Tagung: „Gerade bei der Altersansprache ist es entscheidend, Theorie und Umsetzung zusammenzuführen und praxistaugliche Lösungen zu erarbeiten.“
Den fachlichen Auftakt bildeten zwei Impulsreferate. Revierjagdmeister Stefan Pfefferle erklärte die schwierige Schätzung am lebenden Wild: „Das Ansprechen von Wild ist eine gesetzliche, aber vor allem eine ethische und biologische Verpflichtung, bei der äußere Einflüsse und das Verhalten des Wildes eine große Rolle spielen.“ Er forderte zudem eine Abstimmung mit den Behörden auf Augenhöhe. Demgegenüber präsentierte Andreas Schatz, Gründer des Instituts für Altersbestimmung von Cerviden, seine wissenschaftliche Zahnschliffmethode zur exakten Altersbestimmung. „Eine Altersschätzung ist keine Altersbestimmung. Herkömmliche Schätzungsmethoden haben nachweislich eine Ungenauigkeit von ein bis drei Jahren“, so Schatz, dessen Verfahren die Alterslinien des Zahnzements wie Jahresringe sichtbar macht.
Bei der anschließenden Podiumsdiskussion stand die rechtliche Unsicherheit im Fokus. Rechtsanwältin und Jägerin Eva Erlacher betonte dazu: „Die Erfahrung zeigt, dass sich Abweichungen bei der Altersansprache in der Praxis nicht vermeiden lassen. Bei Verwaltungsstrafen für Fehlabschüsse ist daher entscheidend, wie groß die subjektive Vorwerfbarkeit im Einzelfall ist.“ In der Regel werde beim ersten Verstoß nicht das volle Strafmaß verhängt.
Matthias Grün, Vorstandsvorsitzender der Esterhazy Betriebe AG, zog zum Ende der Veranstaltung ein klares Resümee: „Die Altersschätzung beim Rotwild ist besonders in vielfältigen Lebensräumen wie im Burgenland, wo Winterfütterung nicht notwendig ist, eine große Herausforderung.“ Selbst nach der Erlegung bleibe es eine Schätzung mit naturgemäßen Schwankungen. Er forderte, diesem Umstand durch praktikable, leicht verständliche und kontrollierbare Vorgaben in den gesetzlichen Regelungen Rechnung zu tragen. Die Jägerschaft hofft nun, dass die Politik die Vorschläge aufgreift, um künftig mehr Rechtssicherheit bei der Jagd im Burgenland zu gewährleisten. Beim anschließenden Ausklang mit Wildspezialitäten im Restaurant Zum Gogosch wurde der Dialog fortgesetzt.