„Alles ist möglich“: Charlize Mörz fährt mit großen Erwartungen zur EM

Turn-Europameisterschaft

Von Donnerstag bis Sonntag wird Zagreb zum Mittelpunkt des europäischen Kunstturnens. In der mehr als 15.000 Zuschauer fassenden Arena Zagreb will mit Charlize Mörz eine Mattersburgerin positiv überraschen.

Charlize Mörz will in Zagreb vor allem über ihre Paradedisziplin „Sprung“ für Furore sorgen.

Charlize Mörz will in Zagreb vor allem über ihre Paradedisziplin „Sprung“ für Furore sorgen.

© Turnsport Austria/Simone Ferraro, SIMONE FERRARO

Charlize Mörz reist mit viel Selbstvertrauen und in starker Form zur Europameisterschaft nach Zagreb. Für die 20-jährige Burgenländerin vom ASKÖ Kunstturnen Mattersburg ist es bereits die fünfte EM-Teilnahme. Vor allem am Sprung darf sich Österreichs derzeit beste Turnerin einiges ausrechnen – gelingt der ganz große Coup, könnte sie sogar österreichische Turngeschichte schreiben.

An den Start geht sie für Österreich gemeinsam mit Leni Bohle, Bianca Frysak, Rosa Schwaninger und Katrin Palicka. Nach einer gelungenen Vorbereitung sind die Erwartungen für die Titelkämpfe entsprechend hoch: „Ich fühle mich aktuell einfach sehr gut. Wenn an den Wettkampftagen alles zusammenpasst, ist alles möglich“, sagt Mörz.

Die größten Hoffnungen ruhen auf ihrem Paradegerät Sprung. Dort gelang Mörz im Oktober des Vorjahres mit Rang sieben bei der Weltmeisterschaft der internationale Durchbruch. Seither wurde weiter intensiv an Technik, Ausführung und Präzision gearbeitet.

Mörz selbst spürt die Fortschritte deutlich. „Ich habe im letzten halben Jahr einen weiteren Schritt nach vorne gemacht. Die Sprünge sind jetzt sauberer und noch viel höher, die Qualität eine bessere.“

Dass die Form stimmt, hat die 20-Jährige auch im bisherigen Saisonverlauf gezeigt. Beim Weltcup in Osijek sprang sie im April zu Bronze, beim Vier-Nationen-Länderkampf in Wien knackte sie erstmals die Marke von 50 Punkten im Mehrkampf.

Auch Neo-Nationaltrainerin Lara van Dyck traut der Burgenländerin einiges zu. „Charlize befindet sich in einer tollen Verfassung. Sie glaubt nun auch selbst daran, wie gut sie ist und kann auch unter Druck performen. Ich traue ihr bei der EM vieles zu“, sagt die Belgierin.

Sollte Mörz in Zagreb tatsächlich der Sprung auf das Podest gelingen, wäre das historisch: Noch nie konnte eine österreichische Turnerin bei Europameisterschaften eine Medaille gewinnen.

Mörz will sich allerdings nicht ausschließlich auf den Sprung konzentrieren, sondern in Zagreb den gesamten Mehrkampf absolvieren. Chancen auf eine Spitzenplatzierung besitzt sie auch am Boden. Auf diesem Gerät zählt die Mattersburgerin seit Jahren zur europäischen Spitze. 2024 feierte sie dort ihren ersten von bislang zwei Weltcupsiegen und sicherte sich außerdem den Sieg im Gesamtweltcup.

Mörz weiß allerdings, wie eng es gerade am Boden zugeht. „Die Konkurrenz ist extrem stark. Du darfst dir oft nicht den kleinsten Fehler erlauben, da muss alles perfekt sein.“

Die gesamte österreichische Mannschaft absolvierte zuletzt einen dreiwöchigen gemeinsamen Vorbereitungsblock am Bundesstützpunkt in Linz. „Wir haben intensiv an kleinen Details gearbeitet. Ich bin wirklich glücklich mit der aktuellen Form. Wir sind bereit für die EM“, zieht Nationaltrainerin van Dyck Bilanz.

Neben den individuellen Ambitionen von Mörz verfolgt die österreichische Mannschaft ein wichtiges gemeinsames Ziel. Ein Platz unter den besten 13 Nationen Europas soll gleichzeitig das Ticket für die Weltmeisterschaft im Oktober bringen.

„Wir wollen als Team unter die besten 13 Nationen Europas kommen und uns damit für die Weltmeisterschaft im Oktober qualifizieren“, erklärt van Dyck. Im Vorjahr hatte Österreich dieses Ziel trotz eines Punkterekords mit Platz 14 denkbar knapp verpasst. In den drei Jahren davor war die Qualifikation jeweils gelungen.

Neben Mörz wird auch Leni Bohle den kompletten Mehrkampf bestreiten. Die amtierende Staatsmeisterin schaffte es bei der vergangenen EM ins Mehrkampffinale und belegte dort Rang 21. Erfahrung bringt zudem Bianca Frysak mit, die bereits vor ihrer sechsten EM-Teilnahme steht.

Rosa Schwaninger und Katrin Palicka feiern hingegen ihre EM-Premiere. Palicka rückte nach der verletzungsbedingten Absage von Selina Kickinger ins Aufgebot. Kickinger zog sich bei einem Testwettkampf einen zweifachen Bänderriss im linken Sprunggelenk sowie ein ausgeprägtes Knochenmarksödem zu.

Los geht es für Mörz und die österreichischen Seniorinnen am Donnerstag mit der Qualifikation, in deren Rahmen auch die Mehrkampf-Entscheidung fällt. Gleichzeitig geht es um die Tickets für die weiteren Entscheidungen.

Sollte Mörz insbesondere am Sprung ihre zuletzt gezeigten Leistungen abrufen und den Einzug ins Gerätefinale schaffen, wird es für sie am Samstag richtig ernst. Dann werden die Medaillen an den einzelnen Geräten vergeben. Das Teamfinale der Seniorinnen bildet am Sonntag den Abschluss.

Österreich ist in Zagreb auch mit fünf Juniorinnen vertreten. Larissa Szanwald, Maria Strigl, Jana Dina Beck, Helene Richter und Lea Walli gehen am Freitag in Qualifikation und Team-Entscheidung an die Geräte. Die Juniorinnen-Finals finden am Sonntag statt.

Österreichs EM-Kader:

Seniorinnen: Bianca Frysak, Charlize Mörz (ASKÖ Kunstturnen Mattersburg), Leni Bohle, Rosa Schwaninger, Katrin Palicka.

Juniorinnen: Larissa Szanwald, Maria Strigl, Jana Dina Beck, Helene Richter, Lea Walli. Trainerteam: Lara van Dyck, Daniel Rexa, Johannes Schmidt, Nadine Ganyik.

Das EM-Programm:

Donnerstag, 13. August: Qualifikation Seniorinnen inklusive Mehrkampf-Entscheidung.

Freitag, 14. August: Qualifikation Juniorinnen inklusive Mehrkampf- und Team-Entscheidung.

Samstag, 15. August: Gerätfinals Seniorinnen.

Sonntag, 16. August: Teamfinale Seniorinnen und Gerätfinals Juniorinnen.