Von der Austria-Sportdirektion zum Außendienst beim WM-Finale in Katar
U17-WM im violetten Fokus
Manuel Takacs ist seit vergangener Woche offiziell Teil der dreiköpfigen Austria Wien-Sportdirektion. Aus aktuellem Anlass wird der Sportliche Leiter der Austria-Akademie kurzfristig in Katar verweilen, um beim U17-WM-Finale den Youngsters vor Ort auf die Beine zu sehen. Drei Austria-Spieler sind mittendrin.
Violette U17-WM-Beteiligung: Tormanntrainer Michael Walker (jetzt bei der Austria-Akademie, davor in der Fußballakademie Burgenland beschäftigt), Ifeanyi Ndukwe, Christoph Witamwas (der gebürtige Stremer ist ebenfalls als Betreuer bei der Austria-Akademie und Ex-AKA-Burgenland-Trainer), Hasan Deshishku und Vasilije Markovic (v.l.). Das Quintett jubelte am Montag über den 2:0-Semifinalsieg gegen Italien. Beim heutigen WM-Finale gegen Portugal wird auch Austrias Akademieleiter Manuel Takacs vor Ort dabei sein.
© ÖFB/Andreas Pichler
Unmittelbar nach dem Schlusspfiff und dem 2:0-Halbfinalsieg gegen Italien war der Flug Richtung Katar gebucht. Manuel Takacs wird beim historischen WM-Finale – erstmals steht eine rot-weiß-rote Mannschaft bei einer Weltmeisterschaft im Endspiel – dem österreichischen Team als Beobachter vor Ort die Daumen drücken. Der Bezug liegt auf der Hand. Österreichs (gegen Italien gesperrter) Top-Innenverteidiger Ifeanyi Ndukwe befindet sich als violette Nachwuchshoffnung bei den Young Violets ebenso voll im operativen Einzugsgebiet von Takacs wie Hasan Deshishku oder auch Vasilije Markovic. „Ndukwe hat als Innenverteidiger ein super Profil, Markovic ist im Mittelfeld ein spielstarker Kilometerfresser und Deshishku ein richtiger Käfigkicker mit dem nötigen Spielwitz“, umreisst der 39-jährige Südburgenländer die fußballerischen „Skills“ der jungen Austrianer im U17-Nationalteam.
Doch nicht nur ihre Fertigkeiten sind ein Faktor für den WM-Endspieleinzug. Der gesamte Tross rund um Teamchef Hermann Stadler präsentiert sich als geschlossene Einheit.
Ob nun am Donnerstag im WM-Finale gegen Portugal tatsächlich der sensationelle Titel „U17-Weltmeister“ folgen wird? Die Portugiesen setzten sich in einem dramatischen Elferschießen gegen Brasilien durch. Erst stand es 0:0 nach regulärer Spielzeit, dann verschoss Portugals Schlussmann den fünften und letzten Elfer, die Brasilianer konnten ihrerseits aber nicht den Sack zumachen, scheiterten ebenfalls und in weiterer Folge noch einmal vom Punkt.
Gespielt wird das rein europäische Finale dann übrigens im gut 45.000 Zuschauer fassenden Khalifa International Stadium westlich von Katars Hauptstadt Doha. Möglich ist der totale WM-Traum dann klarerweise. Immerhin ist Österreich das einzige Team, das auf dem Weg bis in das große Endspiel alle Spiele gewinnen konnte und in der K.o.-Phase keinen Gegentreffer einstecken musste.
Nach der WM wird vor der nächsten Entwicklung sein
Und doch wird das sportliche Leben für alle Youngsters nach diesem Triumphzug wieder vergleichsweise normale Bahnen nehmen. Wenn dann das Finale gespielt ist, gilt es freilich, das Potenzial der Jungs bei ihren Vereinen weiter zu hegen, pflegen, entwickeln. Das war die Aufgabe von Takacs als Leiter der Austria-Akademie bisher, die größten Talente im violetten Konstrukt behutsam über die Young Violets in Richtung Profis weiterzuführen. Neuerdings ist die berufliche Gewichtung des gebürtigen Schachendorfers – er lebt mittlerweile mit seiner Familie in Oberwaltersdorf – aber um eine verantwortungsbewusste Facette reicher. Manuel Takacs wurde in die neu geschaffene Sportdirektion von Austria Wien befördert.

© Daniel Shaked
Nach der Trennung von Manuel Ortlechner wurde erst einmal Ex-Profi und Unternehmer Michael Wagner zum neuen Sportdirektor ernannt. Ihm zur Seite stehen in der besagten Sportdirektion nun Robert Urbanek als Technischer Direktor und eben Manuel Takacs als Akademieleiter. Dieses Trio ist für sämtliche sportliche Bereiche des Klubs verantwortlich, vor allem geht es hier klarerweise auch um die diversen Kaderzusammenstellungen. „Als Austria Wien hast du immer den Druck fix einmal nach dem Grunddurchgang in die Top-Sechs der Bundesliga zu kommen. Es wird aber dennoch auf die Mischung aus Ergebnis und Entwicklung ankommen, auch um die Wirtschaftlichkeit zu garantieren.“
Einnahmen durch das internationale Geschäft oder durch Spielerverkäufe sind hier Faktoren im bewegten Fußballgeschäft. Hier soll die laufende Austria-Fußballschmiede noch besser ins Laufen kommen, wenn es um den Einbau ganz oben geht. „In jedem Jahrgang sprechen wir von zwei, drei Spielern, die über ein gutes internationales Profil verfügen. Es liegt an uns, sie im Erwachsenenfußball nach oben zu führen.“
Österreichs U17-Sensations-Crew performe, wie Takacs klarstellt, aktuell im weltweiten Vergleich jahrgangsmäßig top. „Der Übergang ist dann trotzdem erst zu gehen.“ Erfahrungsgemäß werden nach einem Event wie der U17-WM im Anschluss auch internationale Angebote folgen. „Im Ausland wird es für die meisten trotzdem erst einmal die U19 sein, bei uns ist der schnellstmögliche Transfer in den Erwachsenenfußball einfacher, weil die Möglichkeiten andere sind. Wichtig ist auch, dass uns das Umfeld der Spieler vertraut“, glaubt Takacs daran, dass der konkrete Sprung rauf in Österreich für die Talente wahrscheinlicher sein kann.
Vorausgesetzt, der Wille der Vereine zum besagten Einbau stimmt. Den sieht das Neo-Sportdirektions-Mitglied bei der Wiener Austria definitiv: „Ich bin hier ein Freund von Bodenständigkeit. Wir haben gute, junge Österreicher.“
Sie sollen einen Teil der künftigen Kaderstruktur bilden. Diese setze sich idealerweise aus sogenannten Ankerspielern (Stichwort Aleksandar Dragovic und Co.), Benchmark-Spielern in den frühen Zwanzigern mit einem entsprechenden Wiederverkaufswert und eben jungen Eigenen zusammen.
Auf die Mischung kommt es, wie so oft im Fußball, an. Hier ein sportstrategischer Teil der violetten Führungsetage zu sein, ist für Takacs eine neue, interessante Herausforderung. „So etwas kannst du nicht planen. Ich freue mich jedenfalls über diese Möglichkeit“, wohlwissend, dass die Akademie-Agenden deshalb nicht wegfallen. „Wenn es gerade keine Baustellen gibt, läuft alles. In der Sportdirektion haben wir parallel zwei bis drei fixe Termine pro Woche, in denen die Zeit geblockt ist und die Themen abgearbeitet werden. Die Aufgabe ist sehr interessant. Aber es gilt auch im Arbeitsalltag Dinge zu priorisieren.“
Am heutigen 27. November wird am U17-Sektor priorisiert, weshalb Takacs in Katar dabei ist. Was er vor dem Finalduell sagt? „Schon nach der Quali gegen Deutschland und Spanien haben wir gewusst, dass die Jungs überraschen können. Jetzt ist alles möglich. Dass sie sich als Mannschaft so entwickelt haben, freut mich ungemein.“