Sigleßer Freibad schließt bereits am 17. August: Streit wegen Ursachen

Undichte Leitungen

Mitten in den Sommerferien endet die Badesaison im Freibad Sigleß heuer deutlich früher als geplant. Aufgrund massiver Undichtheiten im Leitungssystem wird der Betrieb bereits am 17. August eingestellt. Die Ankündigung sorgt nicht nur bei den Badegästen für Enttäuschung, sondern auch für heftige politische Diskussionen zwischen SPÖ und ÖVP.

Der Betrieb vom Sigleßer Freibad wird heuer bereits am 17. August eingestellt.

Der Betrieb vom Sigleßer Freibad wird heuer bereits am 17. August eingestellt.

© zVg

Scharfe Kritik kommt von der ÖVP Sigleß. In einer Aussendung spricht die Volkspartei von „jahrzehntelanger Misswirtschaft und Nachlässigkeit“ und sieht die Verantwortung bei der seit Jahrzehnten regierenden SPÖ-Gemeindeführung. Die Schließung mitten in der Hauptsaison sei das Ergebnis einer Entwicklung, die sich über viele Jahre abgezeichnet habe.

Die ÖVP verweist dabei auf Diskussionen aus dem Jahr 2023, als ein ungewöhnlich hoher Wasserverbrauch des Freibads festgestellt worden war. Damals seien zusätzliche Wasserkosten von rund 15.000 Euro mit einem Rechenfehler erklärt worden. Rückblickend zweifeln die ÖVP-Mandatare diese Darstellung an. „Dass defekte Rohrdichtungen an vielen Stellen plötzlich von einer Saison auf die andere gleichzeitig auftreten, kann auch ein Laie als äußerst unwahrscheinlich erkennen“, heißt es in der Aussendung.

Zudem erinnert die Volkspartei an eine Förderung in Höhe von 21.898 Euro, die zurückbezahlt werden musste, nachdem eine geplante Erneuerung der Beckenfolie nicht umgesetzt worden war. Aus Sicht der ÖVP hätten damals möglicherweise bereits bestehende Schäden erkannt und behoben werden können. Heute stehe man vor einem Freibad mit „defekten Rohren und enormem Wasserverbrauch“.

Die SPÖ Sigleß weist die Kritik entschieden zurück und bezeichnet die ÖVP-Aussendung als „politischen Populismus“ und „Wahlkampfmache“. Die Behauptung, der hohe Wasserverbrauch der vergangenen Jahre habe auf die nun festgestellten Schäden hingedeutet, sei schlicht falsch. Laut SPÖ habe sich der Wasserverbrauch zwischen 2023 und 2026 mit durchschnittlich rund 4.000 Kubikmetern jährlich im Normbereich bewegt.

Auch beim Thema Förderung stellt die SPÖ die Situation anders dar. Die Förderung für die Erneuerung der Beckenfolie sei zwar beantragt worden, die geschätzten Gesamtkosten hätten jedoch bereits damals bei rund 120.000 Euro gelegen. Da eine bloße Erneuerung der Folie ohne Austausch der Leitungen wenig sinnvoll gewesen wäre und die Finanzierung nicht darstellbar erschien, sei das Projekt letztlich nicht umgesetzt worden. Die Förderung wurde deshalb zurückgezahlt.

Laut SPÖ seien über die Jahre sehr wohl Investitionen ins Freibad erfolgt. Allein im Jahr 2025 habe die Anlage einen Abgang von rund 75.000 Euro verursacht, wobei ein wesentlicher Teil auf Sanierungsmaßnahmen zurückzuführen sei.

Bürgermeisterin Kitzinger betont, dass die Gemeinde ihre Investitionen stets nach Dringlichkeit priorisieren musste. In den vergangenen Jahren seien insbesondere Hochwasserschutzmaßnahmen und die Errichtung von Rückhaltebecken im Vordergrund gestanden, um Bevölkerung und Infrastruktur zu schützen.

Der aktuelle Wasserverlust von bis zu 140 Kubikmetern pro Tag verursache nicht nur erhebliche Kosten, sondern stelle auch eine nicht vertretbare Verschwendung von Ressourcen dar. „Es wäre kurzfristig einfacher gewesen, den Betrieb fortzuführen. Verantwortungsvolle Politik bedeutet jedoch, auch unpopuläre Entscheidungen zu treffen“, so die Bürgermeisterin.

Nach derzeitigen Erkenntnissen dürfte die Ursache für die Probleme im Bereich unter dem Schwimmbecken liegen. Eine Reparatur sei deshalb nur im Rahmen einer umfassenden technischen Sanierung möglich und könne nicht während des laufenden Badebetriebs durchgeführt werden.

Für Besitzer von Saisonkarten wurde zunächst eine Übergangslösung gefunden: Sie können das Freibad im rund 15 Kilometer entfernten Schattendorf kostenlos nutzen. Auch diese Entscheidung sorgte für politische Diskussionen. Die ÖVP kritisiert zunächst, dass keine Lösung mit näher gelegenen Gemeinden wie Pöttsching, Mattersburg oder Bad Sauerbrunn gesucht worden sei. Die Argumentation der Bürgermeisterin, nach Schattendorf bestünden bessere Kontakte, könne man nicht nachvollziehen.

Die SPÖ hingegen verteidigte zunächst die Vereinbarung als pragmatische Lösung für die betroffenen Badegäste. Die Kritik der ÖVP an den Anfahrtswegen sei aus ihrer Sicht nicht nachvollziehbar, da den Saisonkartenbesitzern zumindest eine kostenlose Alternative angeboten werde.

Als Reaktion darauf wurde von Kitzinger weitere „Ausweichmöglichkeiten“ gefunden: „Ich habe mit der Bürgermeisterin von Mattersburg und den Bürgermeistern von Pöttsching sowie Bad Sauerbrunn gesprochen. Sie haben sich alle spontan bereit, die Sigleßer Saisonkartenbezieher kostenlos in ihre Freibäder zu lassen“, so Kitzinger.

Trotz aller politischen Differenzen besteht Einigkeit darüber, dass das Freibad Sigleß langfristig erhalten werden soll. Die Gemeinde lässt derzeit Angebote von Fachfirmen einholen, um das Ausmaß der erforderlichen Sanierungsarbeiten festzustellen. Anschließend sollen Gespräche mit dem Land Burgenland über mögliche Förderungen geführt werden.