Wankelmütige Zeugin: Ex-Freund wieder vor Gericht
Bezirk Neusiedl
Eine 19-Jährige zeigte ihren Ex-Freund an, zog dann im Jänner 2024 vor Gericht alle Behauptungen zurück, wurde selbst wegen Falschaussage verurteilt und sagte nun neuerlich gegen ihren Ex-Freund aus.
Der 27-jährige Angeklagte, noch im Jänner freigesprochen, musste jetzt wegen derselben Vorwürfe wieder vor Gericht.
© BVZ/Kirchmeir
Am 4. November 2024 musste sich der Ex-Freund der wankelmütigen Zeugin nun neuerlich vor Gericht verantworten. Wie schoon beim ersten Prozess im Jänner bekannte er sich nicht schuldig.
Seine 19-jährige Ex-Freundin war am 13. November 2023 in Parndorf zur Polizei gegangen. Ihr Ex-Freund habe ihr am 7. November Faustschläge gegen Oberarm und Schulter versetzt und ihr gedroht, er werde sie töten oder ihr „Tschetschenen vorbeischicken“, wenn sie zur Polizei gehe.
Der Ex-Freund musste daraufhin vor Gericht und sagte, er habe seit 4. November 2023 keinen Kontakt mehr zu der Frau gehabt. Diese wiederum, damals als Zeugin befragt, zog alle Vorwürfe zurück. Sie habe aus Rache gehandelt und gehofft, den Ex-Freund zurückzugewinnen.
Im Jänner wurde der Angeklagte freigesprochen
Der 27-Jährige wurde damals freigesprochen.
Im April 2024 stand dann die 19-Jährige wegen Falschaussage und Verleumdung vor Gericht. Sie behauptete, vor der Verhandlung im Jänner von ihrem Ex-Freund bei einem Zusammentreffen am Parkplatz beim Gericht dazu gedrängt worden zu sein, bei ihrer Zeugenaussage alle Vorwürfe zu widerrufen.
Das habe sie dann auch getan, weil sie Angst gehabt habe, der Ex-Freund könne ihrem Kind etwas antun, sagte die 19-Jährige im April vor der Jugendrichterin. Wegen der unterschiedlichen Aussagen und Begünstigung des 27-Jährigen wurde die 19-Jährige im April zu zehn Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt.
Am 4. November 2024 öffnete sich die Tür zum dritten Akt in diesem Gerichts-Drama.
„Sie war extrem verliebt in mich“
„Warum belastete Ihre Ex-Freundin Sie?“, wollte die Richterin wissen. „Weil sie extrem in mich verliebt war und es nicht verkraftete, dass ich mit einer anderen Frau zusammenkam“, sagte der Angeklagte.
Er bestritt, vor der Verhandlung im Jänner auf die Frau eingewirkt zu haben, damit diese zu seinen Gunsten aussagte. Er legte Fotos vor, die zeigen sollen, dass er sich am 7. und 8. November nicht, wie von der Ex-Freundin behauptet, in Parndorf aufgehalten hatte.
„Was stimmt da jetzt?“, fragte die Richterin die 19-Jährige. „Alles stimmt“, antwortete diese. „Es gibt mehrere Aussagen“, hielt ihr die Richterin vor.
„Auf einmal begann er auf mich einzuschlagen“
„Das mit der Körperverletzung“, sagte die 19-Jährige. „Wir trafen uns am 7. November am Bahnhof Parndorf und stiegen in sein Auto ein. Am Anfang redeten wir normal. Auf einmal wurde er lauter und begann auf mich mit der Faust einzuschlagen“, berichtete sie.
Sie sei dann ausgestiegen und habe eine Freundin angerufen. „Das ist das erste Mal, dass Sie das erwähnen“, sagte die Richterin. „Mit der Freundin war ich dann unterwegs“, fügte die 19-Jährige zu ihrer Aussage hinzu.
„Und am nächsten Tag trafen Sie Ihren Ex-Freund noch einmal?“, wunderte sich die Richterin. „Wissen Sie, warum?“, sagte die 19-Jährige. „Weil er meinen Führerschein hatte. Ich wollte nur meinen Führerschein holen.“
„Meine Mama sagte, es ist besser, ihn anzuzeigen“
Sie habe blaue Flecken gehabt, die habe ihre Mutter gesehen. „Meine Mama sagte, es ist bersser, ihn anzuzeigen“, sagte die junge Frau.
„Wieso ruderten Sie bei der Verhandlung im Jänner zurück?“, wollte die Richterin wissen. „Weil ich Angst vor meinem Ex-Freund hatte“, sagte die 19-Jährige. Sie habe ihr Kind, das bei einer Pflegefamilie untergebracht sei, schützen wollen.
Im Jänner hatte sie behauptet, WhatsApp-Nachrichten, die ihren Ex-Freund belasteten, mit einer „Fake-App“ selbst hergestellt zu haben. Jetzt sagte sie, dass ihr Ex-Freund sie aufgefordert gehabt habe, das zu sagen. Die Richterin wollte daraufhin die Original-WhatsApp Nachrichten sehen.
„Nein, die gibt's leider nicht mehr“, sagte die Zeugin.
Ex-Freundin beklagte sich über Besuche am Arbeitsplatz
Sie behauptete, der Angeklagte sei an ihrem Arbeitsplatz aufgetaucht, das habe auch ihr Chef gesehen.
Die Richterin lädt jetzt die Eltern der 19-Jährigen, deren Freundin und den Chef als Zeugen vor. Der Prozess wurde vertagt.