Juristisches Nachspiel in Prüfnummern-Posse

Velich versus Weinbauamt

Im Prüfnummern-Streit zwischen Star-Winzer Roland Velich und Weinbauamtsdirektor Rudolf Dorner kommt es vielleicht sogar zum juristischen Nachspiel.

Was auf den Etiketten draufstehen darf, unterliegt strengen Regeln. Das war bisher eine Politdiskussion, wird aber vielleicht bald ein Rechtsstreit.

Was auf den Etiketten draufstehen darf, unterliegt strengen Regeln. Das war bisher eine Politdiskussion, wird aber vielleicht bald ein Rechtsstreit.

© Moric, Peter Wagentristl

Um es - wahrscheinlich nicht zum letzten Mal - zusammenzufassen: Der Blaufränkisch Alte Reben Lutzmannsburg 2023 vom Weingut Moric wurde als erster heimischer Blaufränkisch vom weltweit führenden Weinmagazin „James Suckling“ mit 100 Punkten als perfekt bewertet. Das Bundesamt für Weinbau (BAWB) versagte ihm aber bei zweimal die Prüfnummer: Nicht aufgrund der chemischen Analyse, sondern, weil er gegen die definierte Sortentypizität verstoßen habe. Das bedeutet, er darf weder Qualitätswein heißen noch eine Regionsbezeichnung tragen.

„Weinfaschismus“, nannte der James Suckling-Juror das. „Beispielhaftes Erfolgsmodell“, verteidigten es die Bundes- und Landes-Weinbauverbands-Präsidenten, Johannes Schmuckenschlager und Andreas Liegenfeld. Allerdings, räumten beide ein, stehe das dafür verantwortliche Weingesetz derzeit vor einer tatsächlich dringend notwendigen Novelle. Die dabei angedachte Professionalisierung der Prüfkommission sowie das Erweitern des Geschmackskataloges reichen Velich aber nicht: „Es gibt bei der Prüfung keine Einspruchsmöglichkeiten, keine höhere Kontroll-Instanz, man kann nur nochmal einreichen - da wird der Willkür Tür und Tor geöffnet!“

Jetzt geht es juristisch weiter: Velich kündigte gegenüber der BVZ an, Dorner auf Rufschädigung klagen zu wollen. Dieser habe einen Artikel der Fachzeitschrift „Vinaria“ verbreitet, worin mit einem Bild einer Etikette bewiesen werden sollte, dass Velich doch eine Prüfnummer bekommen habe. Allerdings: Das Bild ist eine vom Weingut Moric selbst angefertigte Photoshop-Montage für eine Falstaff-Präsentation - es gibt keine Prüfnummer, wie das BAWB hätte wissen müssen. Dorner habe also wissentlich Falschaussagen verbreitet und das werde Velich nun klagen.

Aus dem zuständigen Kabinett des Landwirtschaftsministeriums wird bestätigt, dass es keine Prüfnummer gibt. Dort verweist man aber darauf, dass Velich selbst nicht immer rechtlich korrekt gehandelt habe: „Seitens der Bundeskellereiinspektion (BKI) wird derzeit im Rahmen einer Kontrolle geprüft, ob es zu einer unbefugten Verwendung der Prüfnummer gekommen ist.“