Grenzeinsatz: Soldaten verletzten sich gegenseitig

Versöhnung vor Gericht

„Treffen sich ein Linzer und ein Grazer im Burgenland beim Grenzeinsatz“: Das ist kein Witz, sondern das Szenario eines Konflikts, der schließlich vor dem Landesgericht in Eisenstadt verhandelt wurde.

Die Bundesheer-Ex-Kollegen mussten auf der Anklagebank Platz nehmen.

Die Bundesheer-Ex-Kollegen mussten auf der Anklagebank Platz nehmen.

© BVZ/Kirchmeir

Im März dieses Jahres waren ein 20-jähriger Linzer und ein 22-jähriger Grazer beim Assistenzeinsatz in Nickelsdorf eingeteilt gewesen. Sie hatten sich beide nach dem Grundwehrdienst zu drei Monaten Hilfeleistung an der Grenze verpflichtet.

Am 17. März 2026 kam es in der Militärunterkunft in Nickelsdorf zu einem Streit. Beide Soldaten teilten kräftig aus, beide wurden verletzt. Die Staatsanwaltschaft klagte die jungen Männer an, am Freitag, 28. August 2026, wurde im Saal 8 des Landesgerichts verhandelt.

Am 17. März war der Grazer nach einem langen Dienst müde im Stockbett gelegen. Er wollte schlafen. Unter ihm telefonierte der Kollege aus Linz lautstark und mit eingeschaltenem Lautsprecher mit seiner Freundin. „Sei ruhig!“, forderte ihn der Grazer von oben auf.

Daraufhin wurde der Linzer wütend, zerrte den Grazer aus dem Bett und schlug dessen Kopf gegen die Wand. Der Grazer wehrte sich und versetzte dem anderen einen Faustschlag ins Gesicht. Der Linzer wiederum drohte wütend: „Ich bringe dich um!“

Der Grazer wurde mit einer Gehirnerschütterung und einer blutenden Kratzwunde stationär aufgenommen, die Rissquetschwunde des Linzers über einer Augenbraue wurde mit Stripes geklebt.

Nach dem Vorfall wurden die Soldaten in die Kaserne zurückgeschickt. „Wir mussten noch eine Woche gemeinsam in einem Zimmer verbringen“, berichtete der Linzer. „Wir haben gearbeitet und geputzt.“ Zu Beginn sei man noch „sauer aufeinander“ gewesen. Das Bundesheer verhängte im Rahmen eines Disziplinarverfahrens jeweils 500 Euro Geldstrafe.

„Haben Sie beide überreagiert?“, fragte die Richterin. Die Angeklagten nickten. Da sich beide einsichtig zeigten, wurde der Prozess äußerst milde beendet: Die Ex-Soldaten zahlten jeweils 150 Euro Pauschalkostenbeitrag ein und wurden dann zum Tatausgleich im Gerichtssaal aufgefordert.

„Tschuldigung“, sagten die jungen Männer und reichten sich die Hand. Als Angeklagte und gleichzeitig Opfer nahmen sie die Entschuldigungen gegenseitig an. Damit war die Angelegenheit beendet.