Melby Joseph ist die erste indische Pflegekraft in der Klinik Oberwart
Verstärkung international
In den kommenden fünf Jahren rechnet man im Burgenland mit einem Bedarf von bis zu 1.700 zusätzlichen Pflegekräften. Deshalb hat das Land mehrere internationale Projekte gestartet, und in der Klinik Oberwart nimmt jetzt die erste indische Pflegekraft ihren Dienst auf. Im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Eisenstadt sind bereits neun Pflegerinnen aus Indien tätig.
Pflegekraft Melby Joseph mit Landeshauptmann Hans Peter Doskozil und Pfarrer Sebastian Edakarottu, der als Mitarbeiter des Bischofs den direkten Kontakt in die indische Partnerdiözese Kanjirappaly pflegt.
© Landesmedienservice
Eine langjährige Partnerschaft der Diözese Eisenstadt mit der indischen Diözese Kanjirapally war die Basis zur Zusammenarbeit im Pflegebereich, die 2024 eingeleitet wurde. Melby Joseph kommt aus dieser Region und ist nun im Südburgenland im Einsatz: In der Klinik Oberwart wurde die neue Pflegerin von Landeshauptmann Hans Peter Doskozil und Pfarrer Sebastian Edakarottu begrüßt.
Wie berichtet, ist die Partnerschaft mit der indischen Diözese eines von mehreren internationalen Projekten, die das Land und die Gesundheit Burgenland als Antwort auf den bundesweit prognostizierten Pflegekräfte-Mangel gestartet haben. Neben der indischen Kooperation wird mit dem BFI ein Programm für Arbeitskräfte aus Kroatien und Serbien umgesetzt, burgenländische Rekrutierungsprogramme gibt es auch auf den Philippinen. Die Barmherzigen Brüder setzen ebenfalls auf Verstärkung durch indische Pflegekräfte. So sind im Krankenhaus in Eisenstadt derzeit schon neun Frauen aus Indien tätig.
Das Burgenland unternehme eine „enorme Kraftanstrengung“ zur Ausbildung von Pflegefachkräften, hält Landeshauptmann Doskozil fest: etwa durch ein Anstellungsmodell ab dem ersten Ausbildungstag, „inklusive voller Versicherung, rund 1.000 Euro netto monatlich und einer Jobgarantie ab Tag eins“. Dennoch brauche es zur Abdeckung des steigenden Personalbedarfs auch zusätzliche Fachkräfte, die man mit den gezielten Kooperationen gewinnen will.
„Pflegepersonal aus dem Ausland ergänzt jene Bereiche, die wir durch Ausbildung alleine nicht abdecken können. Die Pflegekräfte aus Indien sind ein wichtiger Baustein einer breit angelegten Lösung“, sagt Doskozil. Sozial-Landesrat Leonhard Schneemann ergänzt: „Beide Wege – unsere Ausbildungsoffensive im Land und die Rekrutierung qualifizierter Fachkräfte aus Drittstaaten – sind entscheidend, um Pflege und Betreuung dauerhaft abzusichern.“
Im Krankenhaus in Eisenstadt kann man schon auf mehr als ein Jahr Erfahrung in der Zusammenarbeit zurückgreifen. Basierend auf der Verbindung mit dem Orden der Barmherzigen Brüder im südindischen Kerala werden Fachkräfte mit universitärem Abschluss ausgebildet. Dabei lernen die Pflegerinnen intensiv Deutsch und werden umfassend auf ihre Übersiedlung nach Österreich vorbereitet.
„Die Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit den Kolleginnen aus Indien haben unsere Teams auf den Stationen bereichert. Seit ihrer Ankunft vor 14 Monaten haben die Mitarbeiterinnen sich die fachlich weiter qualifiziert und sich gut bei uns in Eisenstadt eingelebt,“ erklärt Pflegedirektorin Susanne Wukovatz in Eisenstadt.
Der Landeshauptmann sieht die burgenländische Strategie als „sichtbaren Schritt“ im bundesweiten Pflege-Notstand: Man handle vorausschauend, „während auf Bundesebene seit Jahren über notwendige Reformen disktuiert wird“. Als Basis nennt Doskozil zudem den Ausbau der Struktur mit den geplanten 71 Pflege-Stützpunkten. Das Angebot wachse dadurch auch im stationären Bereich stark an.
Derzeit stehen in 45 burgenländischen Altenwohn- und Pflegeheimen insgesamt rund 2.300 Plätze zur Verfügung. 14 Pflege- und Sozialberaterinnen und -berater liefern über die Bezirkshauptmannschaften kostenlos Informationen.