Mit dem Nachwuchs in die Zukunft

Volkstanzgruppe Glasing

Die Volkstanzgruppe im Güssinger Ortsteil Glasing setzt bewusst auf ihren Nachwuchs, um Volkstanz und Brauchtum auch für kommende Generationen zu bewahren. Beim traditionellen Volkstanzfest am vergangenen Wochenende wurde deutlich, dass Tradition nicht in der Vergangenheit stehen bleiben muss, sondern durch junge Menschen weiterlebt.

Wer in der Volkstanzgruppe tanzt, übernimmt Verantwortung. Für den Verein. Für die Kultur. Für ein Stück Glasing.

Wer in der Volkstanzgruppe tanzt, übernimmt Verantwortung. Für den Verein. Für die Kultur. Für ein Stück Glasing.

© Unger, Mario Unger

Während viele Vereine heute um Nachwuchs kämpfen, setzt die Volkstanzgruppe Glasing bewusst auf Kinder und Jugendliche. Mit einer eigenen Kindervolkstanzgruppe seit 2012 und einer Jugendgruppe seit 2021 möchte der Verein sicherstellen, dass Volkstanz und Brauchtum auch in Zukunft lebendig bleiben. „Traditionen geben uns ein Gefühl dafür, woher wir kommen und was unsere Region ausmacht“, betont Obmann Andreas Laky. Gleichzeitig geht es nicht darum, alte Formen unverändert zu bewahren, sondern Werte, Wissen und Erfahrungen an die nächste Generation weiterzugeben.

Tänze, Musikstücke, Trachten und regionale Besonderheiten sind ebenso Teil des Brauchtums wie die Freude am gemeinsamen Feiern und das Verantwortungsgefühl innerhalb einer Gemeinschaft.

Besonders wichtig ist das generationenübergreifende Miteinander. Bei der Volkstanzgruppe tanzen Kinder, Eltern und Großeltern gemeinsam. Während die Jüngeren von der Erfahrung der Älteren profitieren, bringen sie gleichzeitig neue Ideen und moderne Zugänge in den Verein ein. Dadurch bleibe das Brauchtum lebendig und werde nicht bloß bewahrt, sondern weiterentwickelt.

Tradition müssen auch mit der Zeit gehen

Im Mittelpunkt der Vereinsarbeit steht die Erhaltung des österreichischen und insbesondere des burgenländischen Volkstanzes. Bewahrt werden dabei nicht nur die eigentlichen Tänze, sondern auch die dazugehörige Volksmusik, die Figuren, das Zusammenspiel innerhalb der Gruppe und die Tracht als Ausdruck regionaler Identität. „Sie ist für uns keine Verkleidung, sondern Ausdruck unserer Verbundenheit mit der Heimat“, erklärt Andreas Laky. Einen besonderen Stellenwert nimmt dabei auch die Livemusik ein. Neben dem langjährigen Musikanten Johann Simitz engagieren sich mittlerweile auch junge Musikant:innen im Verein. Tanz und Musik reagieren unmittelbar aufeinander und sorgen gemeinsam für eine besondere Atmosphäre.

Gemeinschaft verbindet Generationen

Verändert hat sich in den vergangenen Jahren allerdings die Art und Weise, wie Volkstanz vermittelt wird. Während Vereinsleben früher selbstverständlich zum Dorf gehörte, konkurriert es heute mit zahlreichen Freizeitangeboten. Deshalb ist es wichtig, den Volkstanz zeitgemäß zu präsentieren. Neben abwechslungsreichen Programmen und altersgerechten Gruppen setzt die Volkstanzgruppe auch auf soziale Medien, um Einblicke in Proben, Auftritte und Reisen zu geben. „Die Wurzeln sind gleich geblieben, aber die Äste wachsen weiter. Ein Baum bleibt nur lebendig, wenn er fest verwurzelt ist und zugleich neue Triebe entwickeln darf“, beschreibt Laky diese Entwicklung.

Dass dieses Konzept funktioniert, zeigte sich auch beim Volkstanzfest in Glasing. Neben der Gastgebergruppe nahmen vier Gastgruppen aus Österreich und Ungarn teil und präsentierten ihre Tänze, Trachten und musikalischen Besonderheiten. Für den Verein sind solche Begegnungen weit mehr als bloße Auftritte. Sie bieten die Möglichkeit, Erfahrungen auszutauschen, Freundschaften zu pflegen und zu zeigen, dass Volkstanz Menschen über Orts- und Landesgrenzen hinweg verbindet.

Buntes Programm sorgte für gute Stimmung

Musikalisch sorgten die Stadtkapelle Güssing, die Uhudler-Musi sowie Live-Musik in der Weinbar für Unterhaltung. Den Abschluss bildete ein Tanzabend mit den Poleros und Schlagersänger TUKO. Für Andreas Laky steht jedoch etwas anderes im Mittelpunkt. „Volkstanz bedeutet für mich in erster Linie Gemeinschaft“, sagt der Obmann. Niemand tanzt nur für sich allein. Man muss aufeinander achten, sich gegenseitig vertrauen und gemeinsam als Gruppe funktionieren. Genau dieses Miteinander ist es, das den Volkstanz seit beinahe fünf Jahrzehnten trägt. Wenn er sieht, mit welcher Begeisterung Kinder und Jugendliche tanzen und junge Musikanten musizieren, macht ihn das besonders stolz. Es zeigt, dass das, was frühere Generationen aufgebaut hätten, auch in Zukunft weiterleben wird.

Bunte Geschichte der Volkstanzgruppe

Die Geschichte der Volkstanzgruppe Glasing ist bunt wie die Gruppe selbst. Entstanden ist alles aus einem alten Hochzeitsbrauch: dem Vorspannen. Damals versperrten junge Leute bei Hochzeiten den Weg und gaben ihn nur gegen eine Spende frei, die oft noch in derselben Nacht ausgegeben wurde. Es folgte die Gründung der Gruppe, Ewald Steiner übernahm das Training – der Rest ist Tanzgeschichte.

Und wer mittanzen will? „Einfach melden. “Vorkenntnisse braucht man keine, nur Freude und – idealerweise – einen Tanzpartner“, sagt Obmann Andreas Laky.