Liste Hausverstand: „Jetzt braucht es vor allem auch Querdenker“

Wahlkampf-Auftakt

Spitzenkandidat Géza Molnár und sein Team luden in Deutschkreutz, der Heimatgemeinde des Listendritten Manfred Kölly, zum Auftakt des Intensiv-Wahlkampfs. Die Themen reichen von Gemeindefinanzen über die Gesundheitspolitik bis zur Corona-Aufarbeitung. Als „Alternative zum herkömmlichen Parteienspektrum“ will die Liste den Landtags-Einzug erreichen - und mehr.

Beim Auftakt-Event der Liste Hausverstand präsentierte Spitzenkandidat Géza Molnár auch die Plakate, mit denen man jetzt noch in den Wahlkampf einsteigt.

Beim Auftakt-Event der Liste Hausverstand präsentierte Spitzenkandidat Géza Molnár auch die Plakate, mit denen man jetzt noch in den Wahlkampf einsteigt.

© Wolfgang Millendorfer

In der Vinothek des Vinatriums hatte die Liste Hausverstand am Sonntagvormittag das Team und Unterstützer als „Allianz intelligenter Menschen“ geladen. So drückte es Kandidat Gerald Aufmuth aus, der mit ehemaligen Mitgliedern der MFG ebenfalls an Bord ist. Nicht mit Bussen habe man die Anhänger „angekarrt“, sagte der Ex-Bürgermeister Manfred Kölly in seiner Begrüßung, aber viele frühere und neue Mitstreiter seien versammelt worden.

Als „das Beste und vielleicht Verrückteste“, was er jemals gemacht habe, bezeichnete der freie Landtagsabgeordnete Géza Molnar die Gründung seiner Liste: „Aus einer emotionalen Regung heraus habe ich im Sommer gesagt: Ich schaue nicht mehr zu, ich ergreife die Initiative und will es durchziehen, dass es eine Alternative zum Parteienspektrum gibt.“

Man müsse sich vor den anderen Parteien „nicht verstecken“, sagte Molnár, man trete in allen Bezirken an, „und wir kosten dem Steuerzahler keinen Cent“. Damit sprach er auch die finanzielle Ausstattung kleinerer Listen an; der Beschluss zum Parteienförderungsgesetz sei nämlich Auslöser für seine Kandidatur gewesen, wiederholte der Spitzenkandidat.

Die FPÖ als ehemalige Partei Molnárs und einiger Kandidaten kam in der Auftakt-Rede zunächst nur am Rande vor, die SPÖ-Landesregierung und die Oppositionsparteien wurde im Gesamten kritisiert: „Im Landtag geht es nur um ein parteipolitisches Abwatschen, aber wie eine Veränderung aussehen soll, davon hört man nichts.“

Neben Molnár wurden einst ja auch Manfred Kölly und Listenzweiter Manfred Haidinger bei den Freiheitlichen ausgeschlossen, der Listenvierte Herbert Adelmann hatte von sich aus die Seite Heinz-Christian Straches gewählt. Und so bekam die FPÖ dann doch einiges an Kritik ab. In der Liste Hausverstand sei er nun „nicht mehr von Opportunisten umgeben“, meinte Molnár.

Unter anderem thematisierte der Spitzenkandidat einen „Zwang in der Kinderbetreuung“, die Bildungs- und Wirtschaftspolitik, fehlende Facharbeiter-Ausbildung oder den Hausärzte-Mangel. In Sachen Energiepreise regte Molnár kritisch an, dass es für faire Kosten aus seiner Sicht nur den Weg gebe, die Burgenland Energie zum gemeinnützigen Verein zu machen. Bei der Gesundheitsversorgung würde er „jedes Anrufsammeltaxi und jeden Geisterbus hintanstellen“, um es zu ermöglichen, auch ohne Privatordination schnelle Termine zu bekommen, sagte Molnár.

Manfred Kölly ging in seiner Ansprache noch über die Landespolitik hinaus: Das Amt des Bundespräsidenten sowie der Bundesrat „sollen endlich abgeschafft werden“, meinte der ehemalige LBL-Landtagsabgeordnete. In Sachen Tierschutz regt Kölly ein Verbot von Feuerwerken und Böllern an. Im Land gehe es unter anderem um die finanzielle Absicherung der Gemeinden.

Er selbst unterstütze die Liste Hausverstand, weil es ihm „reicht, was in der Politik los ist“, meinte Kölly, so gehe es vielen, meint er. „Ich muss nichts mehr werden, ich habe schon alle Bereiche in der Politik erlebt“, sagte Kölly, nur eines: „Bürgermeister in Deutschkreutz will ich nochmal werden.“

Mit der Aufarbeitung der Pandemie- und Lockdown-Zeit setzte sich in einer Ansprache Gerald Aufmuth auseinander. Der frühere Landessprecher der Impfgegner-Initiative MFG fordert Entschädigungs-Zahlungen und will „mit Herz, Hirn und Hausverstand gegen jede Form von Zwang“ auftreten.

Zum Abschluss kündigte Molnár noch an, dass man noch einmal in die private Tasche gegriffen habe, um – entgegen früherer Planung – doch noch mit Plakaten einzusteigen. Die wurden von Wahlkampfmanager Alexander Reinprecht, einem weiteren Ex-FPÖ-Funktionär, präsentiert. Ein Plakat zeigt Molnár im Querformat als Querdenker, das sei kein Schimpfwort, meint der Spitzenkandidat selbst, „sondern das, was man jetzt brauchen kann“.