Betriebsratsvorsitzender: „Es braucht dringend neuen Kollektivvertrag“
Walstead-Leykam Neudörfl
Die Offenbarung, dass es für einen Großteil der Beschäftigten beim Druckerunternehmen Walstead-Leykam mit Standort Neudörfl in diesem Jahr keine Lohnerhöhung geben wird, komme einem Schlag ins Gesicht gleich, hatte Betriebsratsvorsitzender Marco Prohaska in einer ersten Presseaussendung vor einer Woche es formuliert. Mit der BVZ sprach er noch einmal über die aktuelle Situation, warum Streik keine Option sei und was sich seiner Meinung nach in Zukunft unbedingt ändern müsse, damit der Beruf im Grafischen Bereich wieder attraktiv wird.
Die aktuelle Nulllohnrunde nach spärlichen Lohnerhöhungen in den vergangenen Jahren habe man bei Walstead-Leykam in Neudörfl mittlerweile wohl oder übel akzeptiert. Noch einmal wolle man sich das aber nicht gefallen, sagt Betriebstratsvorsitzender Marco Prohaska. Die kommende Herbstverhandlung sei entscheidend.
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Zwei Drittel der Beschäftigten, in absoluten Zahlen 155 von 215 Mitarbeitern am Unternehmensstandort von Walstead–Leykam in Neudörfl, müssen sich heuer mit einer Nulllohnrunde begnügen. Harsche Kritik kam umgehend von ÖGB-Vertretern sowie von Betriebsratsvorsitzenden Marco Prohaska. Der Wiener, der seit mehr als 20 Jahren als Drucker im Unternehmen arbeitet und seit April 2023 Vorsitzender des Betriebsrates ist, sprach in einer ersten Stellungnahme von einem Schlag ins Gesicht der Mitarbeitenden.
15 Prozent Lohnverlust in fünf Jahren gegenüber anderen Branchen
Eine Woche später sitzt der Frust weiterhin tief, nicht zuletzt deshalb, weil Lohnanpassungen schon in den vergangenen Jahren bei Walstead-Leykam eher spärlich ausfielen und nicht die tatsächliche Inflationsrate widerspiegelten. „Unterm Strich hatten wir in den letzten fünf Jahren rund 15 Prozent Lohnverlust gegenüber anderen Unternehmen, die einen aufrechten Kollektivvertrag haben“, berichtet Prohaska.
All das hätten die Mitarbeitenden von Walstead-Leykam in Neudörfl noch mehr oder minder zähneknirschend akzeptiert. Mit der aktuellen Nulllohnrunde sei allerdings ein Punkt erreicht worden, der Grund zur Besorgnis sei.
Ca. 8.000 Beschäftigte sind laut Marco Prohaska, der auch im Landesvorstand des ÖGB tätig ist, österreichweit bei Grafischen Betrieben angestellt. Einen Kollektivvertrag, der jährlich neu ausverhandelt wird, gebe es für diese doch sehr große Zahl an Beschäftigten nicht. Das sei ein Problem, sagt Prohaska, das unbedingt gelöst werden müsse. 2017 wurde zum vorerst letzten Mal Kollektivvertragsverhandlungen in der Druck- und Grafikbranche von den beiden Interessenvertretungen, Gewerkschaft und Wirtschaftskammer, geführt. Die Wirtschaftskammer habe damals, schildert Marco Prohaska, bei den Verhandlungen gleichzeitig auch die Kündigung des Kollektivvertrags vorgelegt.
„So etwas kann jederzeit passieren, auch in anderen Branchen.“ Seitdem fehle das Gegenüber, der Verhandlungspartner, der sich weigere, in Verhandlungen zu treten. Der Kollektivvertrag mit allen Zulagen (Nachwirkung) usw. gelte zwar noch für alle Mitarbeiter, die seit 2017 angestellt sind. Lohnerhöhungen müssen allerdings über den Betriebsrat, soweit vorhanden, ausverhandelt werden. Für neu angestellte Mitarbeiter gelte nicht einmal der alte Kollektivvertrag, so Prohaska, sondern Dienstverträge, die eine Verschlechterung der Rahmenbedingungen beinhalten.
Gefühlte Wertschätzung liegt de facto bei null
Nicht nur die aktuellen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen setzen dem Grafischen Gewerbe zu, ist sich Marco Prohaska durchaus bewusst, auch branchenintern wächst der Druck. „Es werden immer weniger Zeitungen und Zeitschriften gelesen, durch die Digitalisierung schwindet die Auftragslage. Die Firma Walstead hat auch Standorte in Polen, Slowenien, Tschechien, wo günstiger produziert werden kann.“ Hauptsächlich werden in Neudörfl Flugblätter gedruckt. Schon 2023 schloss die Firma Walstead den Produktionsstandort im burgenländischen Müllendorf mit ca. 90 Mitarbeitern.
Die ausbleibenden Lohnerhöhungen und der reale Kaufkraftverlust ist ein Aspekt. Darin spiegle sich zugleich eine psychologische Komponente wieder, so Prohaska. „Wenn man überhaupt keine Lohnerhöhung bekommt, ist die gefühlte Wertschätzung des Unternehmens für den einzelnen Mitarbeiter de facto bei null.“
Kommende Herbstverhandlung sei entscheidend
Der abschließende Appell des Betriebsratsvorsitzenden: Es brauche einen neuen Kollektivvertrag für die Druck- und Grafikbranche. Und auch die Politik, zumal eine sozialdemokratisch geführte Landesregierung, müsse ein Auge auf die kommenden Herbstverhandlungen legen. Noch einmal kann man sich das nicht gefallen lassen, das Ziel muss fairerweise eine Lohnerhöhung im Bereich der Inflationsrate jährlich sein, fasst Marco Prohaska die Stimmung bei Neudörfler Traditionsunternehmen zusammen.
Die Geschäftsführung von Walstead-Leykam in Neudörfl wollte keine Stellungnahme abgeben.