Als Neusiedl am See noch eine Straßenbahn hatte

Wege aus Eisen

Im Buch „Wege aus Eisen im Burgenland“ beleuchtet Peter Wegenstein die Geschichte der Eisenbahn.

 „Wege aus Eisen im Burgenland - Zur Geschichte der Eisenbahn in Österreichs jüngstem Bundesland“ ist im Verlag Edition Winkler-Hermaden erschienen.

„Wege aus Eisen im Burgenland - Zur Geschichte der Eisenbahn in Österreichs jüngstem Bundesland“ ist im Verlag Edition Winkler-Hermaden erschienen.

© Birgit Böhm-Ritter

Die Geschichte der Eisenbahn ist im Burgenland eine turbulente. Aufgrund der geografischen Lage des Landes hatten die politischen Veränderungen hier immer wieder große Auswirkungen auf die Bahnen. Peter Wegenstein hat sich auf die Spur der Eisenbahngeschichte des Burgenlands begeben und dabei auch die eine oder andere Kuriosität entdeckt: etwa eine Straßenbahn, die von 1928 bis 1939 in Betrieb war.

Als ehemaliger Mitarbeiter der Österreichischen Bundesbahnen ist Wegenstein immer noch begeisterter Eisenbahner, der die Eisenbahngeschichte ganz Österreichs dokumentiert. Im neuesten Band der Reihe „Wege aus Eisen“ hat er nun das Burgenland beleuchtet. Das Buch behandelt 178 Jahre Bahnhistorie und ist mit zahlreichen Bildern illustriert.

Die erste Eisenbahn erreichte das Burgenland 1846, die Nebenbahnen folgten 1888. In den Anfangszeiten war die Generalinspektion in Wien für alle Eisenbahnangelegenheiten im Kaiserreich Österreich zuständig. Mit dem Ausgleich zwischen Österreich und Ungarn 1867 wurde allerdings die Doppelmonarchie geschaffen, die Eisenbahn wurde nun von Österreich und Ungarn getrennt organisiert. Das Burgenland gehörte zu Westungarn, daher war für die Eisenbahn hier nun Ungarn zuständig.

Probleme zwischen Österreich und Ungarn

Erst als das Burgenland nach dem ersten Weltkrieg Österreich zugesprochen wurde, änderte sich die Zuständigkeit wieder. Im Bahnverkehr gab es allerdings Probleme, weil Nebenbahnen zwar als Ergänzung zum ungarischen Netz gebaut worden waren, in einigen Fällen aber die Verbindung zum Österreichischen Bahnnetz fehlte. Viele für den Betrieb erforderliche Einrichtungen, wie etwa Werkstätten, gab es zudem nur in Ungarn. Andererseits konnten die ungarischen Strecken mit österreichischen Loks nicht befahren werden, weil der Oberbau schwächer ausgebaut und damit nicht kompatibel war.

Im Buch „Wege aus Eisen im Burgenland“ sind alle Hauptbahnen und Nebenbahnen, darunter auch etwa jene der Neusiedlerseebahn zwischen Neusiedl am See und Pamhagen, beschrieben.

Wie Badegäste an den See gebracht wurden

Im allerletzten Kapitel widmete sich der Autor zudem der einzigen Straßenbahn des Burgenlandes. Sie hatte ihren besonderen Wert in den Anfangszeiten des Seetourismus. 1926 baggerte man in Neusiedl am See einen Kanal für Boote zum See aus und baute mit dem Aushubmaterial einen Damm. Darauf wurde eine Straßenbahn errichtet. Von 1928 bis 1939 wurden Fahrgäste vom Bahnhof über den Damm bis in die damals neu errichtete Badeanstalt am Neusiedler See transportiert. Auf dieser Strecke kam die aufgelassene Waldschulbahn aus Wiener Neustadt wieder zum Einsatz.

„Wege aus Eisen im Burgenland - Zur Geschichte der Eisenbahn in Österreichs jüngstem Bundesland“ ist imVerlag Edition Winkler-Hermadenerschienen.

Über den Autor

Ing. Peter Wegenstein, 1947 in Wien geboren, ab 1967 bei den Österreichischen Bundesbahnen im Bereich der Eisenbahnsicherungsanlagen beschäftigt. Viele Neuerungen auf diesem Gebiet gehen auf ihn zurück. Daneben hat er umfangreiche Forschungen zur Geschichte der Bahnstrecken durchgeführt und viele Artikel zu diesem Thema veröffentlicht. Autor zahlreicher Bücher über die österreichische Eisenbahngeschichte.