Oschep & Liegenfeld: „Wir sind für das faire Achterl“
Wein-Duo im Talk
Weintourismus-Obmann Herbert Oschep soll im März auch bei Wein Burgenland übernehmen. Als Duo wollen Oschep und Präsident Andreas Liegenfeld faire Achterl-Preise in der Gastronomie und keinesfalls die Klassifizierung für heimische Riede: „Wir müssen nicht elitärer werden.“
Vinophiles Duo. Weinbaupräsident Andreas Liegenfeld und Weintourismus-Burgenland-Obmann Herbert Oschep (v.l.) stoßen mit dem Jahrhundertwein an. Der „Centum“ zeigt vor, in welche Richtung es mit einem Burgenland DAC gehen könnte.
© Wolfgang Millendorfer
In der Weinwirtschaft im Burgenland ist man zuletzt vehement gegen die Klassifizierung der Anbauflächen aufgetreten. Warum gerade jetzt und in dieser ungewohnten Schärfe?
Herbert Oschep: Weil wir im Burgenland eine klare Devise haben: Wir halten zusammen, wir wollen gemeinsam und nicht elitär auftreten. Natürlich gibt es Winzerinnen und Winzer im höheren Preissegment, sie stehen aber ebenfalls hinter uns, und wir wollen alle vertreten.
Die Entwicklung der Klassifizierung steht dem konträr entgegen. Das ist aus unserer Sicht ein ungerechtes System, mit dem man die Unterschiede von Lagen nur hervorstreicht. Dagegen wollten wir jetzt einfach die rotgoldene Flagge zeigen.
Woraus hat sich diese Entwicklung ergeben?
Andreas Liegenfeld: Die Intention der Klassifizierung von Weinrieden kommt aus der privaten Organisation der Österreichischen Traditionsweingüter, die etwa in Niederösterreich stark vertreten sind. Die Diskussion wird schon seit zwei Jahren geführt. In einem Interview hat der Obmann jetzt gemeint, dass man auch die Bundesländer für die Idee begeistern will, und dass es im Burgenland bei den Herkünften ohnehin noch viel Nachholbedarf im Marketing gäbe.
Unsere Antwort darauf ist eben, dass wir in unserer Strategie den burgenländischen Weg gehen. In der Zwischenzeit haben wir viele Rückmeldungen, auch aus anderen Bundesländern, und die geben uns zu 100 Prozent recht. Wir haben auch in den Gremien die Beschlüsse gefasst, dass wir diese Klassifizierung nicht wollen. Unsere Betriebe sind perfekt ausgebildet, haben einen weltoffenen Zugang und Verantwortung für die Region.
© Wolfgang Millendorfer
Wie sehr ist die niederösterreichisch-burgenländische Weinfreundschaft jetzt belastet?
Liegenfeld: Die offizielle Weinwirtschaft in Niederösterreich hat neutral reagiert, ebenso in der Steiermark. Aus meiner Sicht sind die Beziehungen nicht belastet. Es war eine klare Aussage, im Burgenland schwafelt man nicht groß herum.
Zum Thema Weintourismus, der jetzt den Kinderschuhen entwachsen ist: Welche Projekte stehen heuer an?
Oschep:Allein die Nächtigungszahlen aus dem Vorjahr zeigen, dass das Zusammenspiel von Tourismus und Wein dem Burgenland gut getan hat. Das sehen wir an den ersten Erfolgen von Aktionen wie dem Martiniloben, dem Weinfrühling oder der Werbekampagne mit Nicholas Ofczarek.
Und man kann nicht oft genug erwähnen, dass wir mit Landeshauptmann Hans Peter Doskozil großen Rückhalt haben. Das gibt Kraft und Motivation, und diese positive Perspektive wollen wir an die Winzerinnen und Winzer weitergeben. Die Projekte werden weitergeführt, es gibt schon spannende neue Ideen. Zum Beispiel wollen wir 200 Haubenköche und Haubenköchinnen ins Burgenland einladen.

© Wolfgang Millendorfer
Liegenfeld: In Donnerskirchen wird im Sommer dann das erste „House of Wines“ eröffnet. Die Genehmigungen sind schon erteilt, jetzt beginnen die Ausschreibungen. Hier ist die noch größere Symbiose von Wein und Kulinarik geplant. Bei weiteren Standorten werden noch die Konzepte geprüft, das zweite Haus soll jedenfalls in Gols umgesetzt werden.
Zusammen mit Geschäftsführer Christian Zechmeister und Obmann Matthias Siess sind Sie als das „burgenländische Weinquartett“ bekannt. Sollen die Bereiche – auch personell – noch stärker zusammengeführt werden?
Liegenfeld: Im Jahr 2024 wollen wir unser Profil schärfen und als Antwort auf die Lagen-Klassifizierung eine Herkunftspyramide entwerfen. Sie soll für alle Betriebe gelten und Konsumenten einen Überblick verschaffen, von den Gebietsweinen bis zu den großen Cuvées an der Spitze.
Zusammen soll das in einem DAC Burgenland enden. Dazu braucht es Personen und Organisationen, die das tragen können, im operativen Bereich die Wein Burgenland und den Weintourismus, im strategischen Bereich das regionale Weinkomitee. Dem stehe ich vor, und im Vorstand der Wein Burgenland ist es kein Geheimnis, dass Herbert Oschep eine noch stärkere Rolle spielen soll.
Wann ist die Übergabe bei der Wein Burgenland geplant?
Oschep: Sofern die Beschlüsse so getroffen werden, werde ich im März als Obmann übernehmen. Das muss natürlich offiziell vollzogen werden. Wenn es von den Winzerinnen und Winzern so gewollt ist, dann werde ich mich da nicht verschließen.
Wie würden Sie diese Rolle anlegen, was wäre neu? Sie beide stehen ja jetzt schon für den Wein im Land ...
Oschep:Wir wollen uns nicht in den Vordergrund drängen. Mir ist es wichtig, dass ich von den Winzerinnen und Winzern mit Aufträgen ausgestattet werde. Sie wissen, wo der Schuh drückt, und wo sie hinwollen. In unseren Funktionen wollen wir das noch stärker nach außen vertreten.
Von Wirtschaftskammer-Präsident Andreas Wirth und Landwirtschaftskammer-Präsident Nikolaus Berlakovich habe ich auch schon die Zusage, dass sie den jährlichen Mitgliedsbeitrag für die Wein Burgenland erhöhen werden.

© Wolfgang Millendorfer
Wie kann man sich jetzt die Umsetzung des Burgenland DAC konkret vorstellen?
Oschep: Man muss wirklich alle einbinden und ein gutes System finden, auch zusammen mit externen Experten. Denn am Ende des Tages geht es darum, das Image des Weins, das im Burgenland ja schon ein sehr gutes ist, noch zu verstärken. Wir wollen in anderen Bundesländern auch Wein verkaufen.
Deshalb reagieren wir so allergisch auf die Lagen-Klassifizierung. Als gebürtiger Salzburger kenne ich das selbst: Da war Wein für mich früher immer etwas Elitäres, etwas, das man im Glas beschreiben muss. Von diesem Image wollen wir weg, denn der Wein ist aus meiner Sicht eins der ehrlichsten und bodenständigsten Produkte, die es gibt, da steckt so viel Herzblut drinnen.
Wie eng werden Wein Burgenland und Weintourismus dabei noch zusammenrücken?
Oschep:Die Vereine werden auf lange Sicht eher noch mehr miteinander verschmelzen.
Liegenfeld: Wobei es strategisch sinnvoll ist, die Einteilung in klare Kompetenzen so zu belassen. Wir wollen keine Vereinsmeier sein. Ich will es aber auf jeden Fall unterstützen, wenn Herbert hier noch mehr Verantwortung übernimmt. Er hat sich ein authentisches Ansehen innerhalb der Weinwirtschaft erarbeitet, er nimmt das extrem ernst. Und das merken die Winzerinnen und Winzer
Oschep: Die bestehenden DAC-Regionen wird es natürlich auch weiterhin geben. Wir wollen die Marke Burgenland, die Sonne, ganz nach vorne stellen, weil wir wissen, dass sie noch besser und sympathischer ankommt. Da liegt es nahe, dass wir dieses Trumpf-Ass öfter ausspielen.
Muss man sich im Weinbau oft auch der Kritik stellen?
Liegenfeld: Auch das ist nötig. Wir haben viele junge, weltoffene, kritische und gut ausgebildete Winzerinnen und Winzer. Die haben natürlich auch ihre Ideen, das muss man in einen Guss bringen. Man wird es nicht schaffen, dass immer alle zufrieden sind, aber die Arbeit der vergangenen Jahre hat bewirkt, dass wir im Burgenland schon eine sehr große Einigkeit haben.
Was folgt bei der Kampagne mit Nicholas Ofczarek auf die Themen Wein und Genuss?
Oschep: Der Wein und die Kultur! Man muss dazusagen, es war auch ein bisschen Glück, dass wir Nicholas Ofczarek gewinnen konnten. Bei fremden Nummern am Handy hebt er nämlich normalerweise nicht ab. Wir haben in der Coronazeit angerufen, und er hat nur abgehoben, weil er gedacht hat, es ist die Behörde. Es war aber Didi Tunkel (lacht), und zwei Wochen später haben wir uns schon in Wien am Naschmarkt getroffen.
Er hätte es aber nicht gemacht, wenn es nicht auch atmosphärisch gepasst hätte, oder?
Oschep: Das hätte er niemals gemacht, auch nicht, wenn wir das Dreifache gezahlt hätten.
Zur Weinproduktion hört man, dass die Rotwein-Keller aktuell nicht ganz so leer sein sollen, wie man es gerne hätte. Man hört auch von Rotweingütern, die lieber mehr Weißwein produzieren. Zeichnet sich da eine Trendwende ab, oder ist das eine Momentaufnahmen?
Liegenfeld:Das ist eher punktuell, weil unsere Werkstatt ja die Natur ist, das Wetter beeinflusst auch die Produktionsmenge. Trotzdem wurde zuletzt vermeldet, dass weltweit erstmals mehr Weiß- und Roséwein konsumiert wurde als Rotwein.
Im Gegenzug habe ich aber von großen Händlern gehört, dass die Nachfrage nach Rotwein extrem gestiegen ist, weil die Hotels in Westösterreich mit der guten Buchungslage wieder viel ordern und wegen Corona bis jetzt noch Wein im Keller hatten. Im Burgenland sind wir jedenfalls bestrebt, dass wir das Thema Rotwein hochhalten.

© Wolfgang Millendorfer
Im Weinland Burgenland ist aber wahrscheinlich nicht immer alles eitel Wonne. Wo gibt es aus Ihrer Sicht noch Verbesserungspotenzial?
Oschep:Die größten Projekte sind die Marketingstrategie und der Burgenland DAC, das wird uns zwei oder drei Jahre lang begleiten.
Wir haben außerdem beim Österreichischen Weinmarketing das Thema angesprochen, dass es unverständlich ist, wenn der Wein in der Gastronomie teils überteuert verkauft wird. Das schadet dem Image des Weins. Daher wollen wir eine Initiative starten.
Liegenfeld:Es wäre von Vorteil, wenn man das in ganz Österreich ausrollen würde. Da gibt es eine gute Gesprächsbasis mit der Wirtschaftskammer, auch im Burgenland – wir wollen die Wirte vor den Vorhang holen, die ein „faires Achterl“ kalkulieren.
Wir treten also nicht gegen jene auf, die den Wein zu teuer verkaufen, sondern wollen ein positives Zeichen setzen. Die Weinwirtschaft hat immer die Gastronomie zum Partner. Wobei es generell eine Herausforderung ist, dass der Weinkonsum weltweit eher zurückgeht.
Oschep:… außer im Burgenland.
Liegenfeld: Genau (lacht)! Aber das klassische Gasthaus hat es derzeit auch schwer. Eine weintouristische Überlegung ist es darum, dass man jeden Winzerbetrieb mit der Symbiose aus Ab-Hof-Verkauf, Präsentationen und Buschenschank künftig ein bisschen als Wirtshaus-Ersatz sehen kann.
Oschep: Auf höherer Ebene besprechen wir im Februar in Brüssel ein weiteres Thema: Es gibt in der EU Lobbyisten, die beseelt davon sind, gegen jegliches Genussprodukt vorzugehen. Wir wissen schon, dass der Wein Alkohol enthält, aber Entwicklungen wie Warnhinweise auf den Etiketten würden einem Weinland wie dem Burgenland sehr schaden.
Landesrat Heinrich Dorner wird dagegen Initiativanträge im Ausschuss der Regionen einbringen, wir reden mit Weinregionen, die unseren Standpunkt vertreten. Mit dem Burgenland wollen wir da eine führende Rolle übernehmen.