Kombination aus Hitzestress und Trockenheit belasten Weinreben
Weingut Steiger
Hitzerekorde mit über 40 Grad und seit Wochen kaum Niederschlag. Was bedeutet das für die heurige Weinlese? Die BVZ hat bei DAC-Rosalia Winzer Franz Steiger vom Neudörfler Weingut Steiger nachgefragt.
Das Weingut Steiger wurde 1949 gegründet. Seit einigen Jahren muss auch Franz Steiger junior, der 2007 übernahm, lernen mit den extremeren Wetterbedingungen zurechtzukommen.
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„Das Jahr hat eigentlich super angefangen“, erzählt Steiger. Im Winter und Frühjahr sei ausreichend Feuchtigkeit vorhanden gewesen. Dazu kamen günstige Bedingungen während der Vegetationsperiode: Frost und Spätfrost blieben ebenso aus wie Hagel. Das Wetter war mäßig warm und gleichzeitig stand den Reben ausreichend Wasser zur Verfügung. Die Blüte habe sich hervorragend entwickelt.
Ab Mitte und Ende Juni änderte sich die Situation grundlegend. Es wurde trocken, gleichzeitig stiegen die Temperaturen auf ein Niveau, das im Burgenland für den Weinbau außergewöhnlich war. Temperaturen von rund 40 Grad wurden erreicht. Für die Reben selbst seien solche Temperaturen nicht grundsätzlich ein Problem, erklärt Steiger. In anderen Weinbauregionen der Welt seien solche Temperaturen seit Jahrzehnten Realität. Gerade Rotweinsorten würden Wärme und Trockenheit durchaus entgegenkommen. Entscheidend sei vielmehr die Kombination aus extremer Hitze und fehlendem Wasser.
„Die enormen Temperaturen und kein Wasser ist eine schlimme Kombination. Seit Mitte Juni hat es keine 15 Liter Wasser geregnet“, fasst der Winzer die Situation zusammen. Die Reben verfügen zwar über tiefreichende Wurzeln und können dadurch auch längere Trockenperioden überstehen. Trotzdem wird der Ertrag voraussichtlich darunter leiden. Steiger rechnet vorsichtig mit Einbußen von etwa 20 Prozent, möglicherweise sogar 30 Prozent.
Im Weingut Steiger wachsen viele Rebsorten. Bei den Rotweinen dominieren Zweigelt und Blaufränkisch. Dazu kommen kleinere Anteile von Cabernet Sauvignon, Merlot und Rösler. Bei den Weißweinen ist Grüner Veltliner die wichtigste Sorte, ergänzt durch Welschriesling, Muskat Ottonel, Sauvignon blanc und Chardonnay.
Die Sorten reagieren unterschiedlich auf die außergewöhnliche Witterung. Rotweinsorten kommen mit Wärme grundsätzlich gut zurecht. Auch Burgundersorten wie Chardonnay können mit den Bedingungen besser umgehen. Empfindlicher reagieren dagegen fruchtbetonte Sorten wie Muskat Ottonel oder Welschriesling.
Eine einfache Lösung mit der Trockenheit umzugehen, gibt es nicht. Große Flächen zu bewässern, sei praktisch unmöglich, erklärt Steiger. In manchen Lagen kommt hinzu, dass keine neuen Brunnen mehr geschlagen werden dürfen. Wasser zu den Weingärten zu transportieren, würde wiederum erhebliche Kosten verursachen.
Junge Rebanlagen werden deshalb nur teilweise bewässert, um sie durch die schwierige Phase zu bringen. Bei älteren Anlagen sei eine Bewässerung hingegen nicht machbar.
Es gäbe aber trotzdem ein paar Ansatzpunkte, die Bewirtschaftung an die veränderten Bedingungen anzupassen. Gerade bei der Wahl der Lagen könnte sich langfristig einiges verändern. Früher galten vor allem Süd- und Osthänge als besonders wertvoll, weil sie viel Sonne bekommen. Unter den heutigen Bedingungen können dagegen West- und Nordhänge Vorteile haben, weil die Sonneneinstrahlung weniger extrem ausfällt, mein Franz Steiger.
Auch bei den Rebsorten könnte sich in Zukunft etwas verändern. Steiger geht davon aus, dass die Züchter bereits an Sorten arbeiten, die hitze- und trockenheitsresistenter sind.
Zudem gewinnt das Bodenmanagement an Bedeutung. Ziel ist es, möglichst wenig Wasser unnötig verdunsten zu lassen. Die Winzer müssen daher verschiedene Maßnahmen kombinieren und lernen, mit den veränderten Bedingungen umzugehen.
Trotz aller Schwierigkeiten bringt die Trockenheit allerdings auch einen wichtigen Vorteil mit sich: Der Druck durch Pilzkrankheiten ist heuer ausgesprochen gering, berichtet Steiger. „Wir haben heuer zweimal Spritzen erspart.“ Weil es kaum Feuchtigkeit gab, konnten sich viele Pilzkrankheiten nicht entsprechend entwickeln.
Auch der Blick auf die bevorstehende Weinlese ist von den Witterungsbedingungen geprägt. Der genaue Start steht im Weingut Steiger noch nicht endgültig fest. Entscheidend wird sein, ob noch Regen fällt und wie sich die Temperaturen entwickeln. Steiger rechnet aber damit, dass es in der ersten Septemberwoche losgehen wird.