Mehr Frauen in der Politik: Situation im Bezirk Neusiedl

Weltfrauentag

Zum Weltfrauentag am 8. März rücken Themen wie Chancengleichheit, gerechte Bezahlung und politische Teilhabe von Frauen verstärkt in den Fokus. Österreichweit wird zwar ein Rekordwert an Bürgermeisterinnen erreicht, der Handlungsbedarf bleibt aber insbesondere groß – auf lokaler Ebene, auch im Bezirk Neusiedl am See.

Mehr Frauen in der Politik: Situation im Bezirk Neusiedl

© APA/BARBARA GINDL, BARBARA GINDL

Frauen in der Kommunalpolitik: Rekord, aber Luft nach oben

Der Anteil weiblicher Bürgermeisterinnen in Österreich ist so hoch wie nie zuvor. Mit 236 Ortschefinnen liegt der Frauenanteil aber nur bei rund elf Prozent. Besonders viele Bürgermeisterinnen gibt es in Niederösterreich (15 Prozent), während das Burgenland mit 17 Frauen an der Spitze von 171 Gemeinden bei zehn Prozent liegt. Trotz des Anstiegs bleiben Frauen in kommunalpolitischen Spitzenfunktionen deutlich unterrepräsentiert.

Im Neusiedler Bezirk werden von 27 Gemeinden nur drei von Bürgermeisterinnen angeführt: In Neusiedl am See fungiert Elisabeth Böhm (SPÖ) als Bürgermeisterin, sie ist auch Abgeordnete zum Burgenländischen Landtag. In Podersdorf am See ist Michaela Wolfahrt (ÖVP) Ortschefin, in Apetlon Silvia Pitzl (SPÖ).

Detail am Rande: Von 2115 österreichischen Gemeinden, gibt es nur 15 in dem eine weibliche Doppelspitze den Gemeinderat anführt, in Burgenland sind es mit Neusiedl am See (Bürgermeisterin Böhm-SPÖ und Vizebürgermeisterin Nyikos-ÖVP), Oslip und Zillingtal drei Gemeinden.

Situation im Bezirk Neusiedl am See

Im Gleichstellungsindex, der kürzlich von der Arbeiterkammer Burgenland und dem Städtebund präsentiert worden ist, wird ersichtlich, dass der Neusiedler Bezirk jener Bezirk ist, der, basierend auf seinen Indexwerten von 2021 auf 2025, den größten Sprung nach oben gemacht hat. Unter den 93 österreichischen Bezirken ist statistisch hier die größte Entwicklung gelungen.

Der Gleichstellungsindex untersucht neun Dimensionen mit insgesamt 23 Indikatoren – die betrachteten Dimensionen reichen dabei von Kinderbetreuung, Bildung, Erwerbstätigkeit und Einkommen über Gesundheit, Gewaltschutz und Mobilität bis hin zu demografischen Entwicklungen und Repräsentation in Politik und Wirtschaft.

Der Neusiedler Bezirk erreicht in jender Studie einen Indexwert von 54 (von 100 Punkten). Zum Vergleich: Eine österreichische Durchschnittsgemeinde erreicht einen Index von 49. Im Gleichstellungsindex scheinen sechs Gemeinden des Neusiedler Bezirks unter den Top 20 des Burgenlands auf: 3. Jois (Indexwert 67), 4. Neusiedl am See (65), 11. Winden am See (62), 12. Bruckneudorf (62), 14. Podersdorf am See (60), 16. Apetlon (60).

Die Windenerin Gemeinderätin Margit Paul-Kienzl, Bezirkssprecherin der Grünen Neusiedl am See und seit einem Monat auch Landtagsabgeordnete, sieht insbesondere die wirtschaftliche Unabhängigkeit von Frauen als Problemfeld. „Die hohe Teilzeitquote im Einzelhandel und die ungleiche Bezahlung führen dazu, dass viele Frauen finanziell abhängig bleiben und später von Altersarmut bedroht sind.“

Ihre Einschätzung wird im Gleichstellungsindex bestätigt: Die geschlechterspezifischen Unterschiede in Österreich sind im Bereich Einkommen nach wie vor am größten.

Auch Frauen in politischen Entscheidungspositionen seien unterrepräsentiert, so Kientzl: „Ich wünsche mir, dass der Anteil der Bürgermeisterinnen im Bezirk auf 50 Prozent ansteigt – echte Gleichstellung ist nur möglich, wenn Frauen auch in der Politik mehr Verantwortung übernehmen.“

Initiativen wie „Girls do politics“ sollen dazu beitragen, junge Frauen frühzeitig für politisches Engagement zu begeistern. Das bundesweite Programm bietet Mädchen die Möglichkeit, einen Tag lang eine Bürgermeisterin oder einen Bürgermeister zu begleiten.

Maßnahmen für Gleichstellung

Die Grünen Burgenland fordern anlässlich des Weltfrauentags verstärkte Maßnahmen für die Gleichstellung. Der „Zukunftsplan Burgenland 2030“ sieht unter anderem folgende Schwerpunkte vor:

  • Gerechte Bezahlung: Maßnahmen zur Schließung der Lohnschere zwischen Männern und Frauen
  • Mehr Frauen in Führungspositionen: Einführung verbindlicher Gleichstellungspläne in öffentlichen Institutionen
  • Bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie: Ausbau flexibler Kinderbetreuungsangebote und Arbeitszeitmodelle
  • Stärkerer Gewaltschutz: Mehr finanzielle Mittel für Frauenhäuser und Präventionsprogramme