Vorbestrafter gab sich als Bruder aus: „War verliebt“
Wieder vor Gericht
Wegen seiner vielen Vorstrafen hatte sich ein 37-Jähriger als sein Bruder ausgegeben. Die Behörden glaubten ihm, jetzt stand der Mann unter richtigem Namen wieder vor Gericht.
Der Angeklagte gab zu, unter dem Namen seines Bruders vor Gericht gestanden zu sein.
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„Ich machte das aus Liebe“, erzählte der 48-Jährige am Donnerstag, 19. Februar 2026, offenherzig vor der Richterin am Landesgericht Eisenstadt. Diese konnte gar nicht glauben, wie der Angeklagte es im Vorjahr bei einem Strafprozess in Wien geschafft hatte, unter dem Namen seines Bruders zu einer teilbedingten Haftstrafe verurteilt zu werden.
„Ich musste einen Weg finden, dass ich nicht lange in Haft gehe“, meinte der 37-Jährige. Er habe den Namen und das Geburtsdatum seines Bruders angegeben, der „seit 13 Jahren straffrei“ gewesen sei. „Wir schauen uns gar nicht ähnlich“, sagte er über seinen zwei Jahre älteren Bruder. „Plötzlich saß ich unter seinem Namen in der Zelle.“
Er hätte gedacht, dass der Schwindel spätestens im Gefängnis auffliegen würde.
Lange blieb er nach der Enthaftung nicht auf freiem Fuß: Im Oktober wurde er bei einer Kontrolle in Wien verhaftet, die Polizei fand in seiner Hose einen gefälschten 50-Euro-Schein. Diesen habe er in den Kauf von Drogen investieren wollen, gab der damals unterstandslose Mann an. Gearbeitet hatte er zuletzt 2024.
14 Vorstrafen waren im Strafregister des 37-Jährigen bereits eingetragen. Nun legte ihm die Staatsanwaltschaft Eisenstadt versuchten Ladendiebstahl, Drogenhandel, den Besitz einer verlorenen Bankomatkarte und Tätlichkeiten gegenüber seiner früheren Lebensgefährtin - bereits 2022 - vor.
Den gefälschten 50er habe er gefunden, so der Angeklagte. Ein Bekannter habe ihn darauf aufmerksam gemacht, dass auf Türkisch „ungültig“ draufstand, aber das habe er nicht geglaubt. Die Diebstähle gab er zu, nicht jedoch die Körperverletzung seiner Ex-Freundin.
Zwei Jahre lang sei er „auf der Straße“ gewesen, so der Angeklagte. Er habe vier verschiedene Medikamente, Benzodiazepine, Kokain und Crystal Meth konsumiert. Am Tag der Verhaftung sei er „bummzu“ gewesen.
„Den ersten Drogenrausch hatte ich mit 11 Jahren in Zagreb. Dort ging es noch schlimmer zu als in Österreich“, erzählte der Angeklagte. Eine Drogentherapie habe er noch nie gemacht. Einmal habe er sich in Haft für eine Behandlung angemeldet, dann habe man bei ihm eine Spritze entdeckt und er habe die Therapie nicht beginnen dürfen.
Zur Sprache kam vor Gericht auch ein Vorfall aus dem Jahr 2022. Damals soll der Angeklagte seine Freundin geschlagen haben, was diese aber erst zwei Jahre später anzeigte. Der Angeklagte sagte, seine Freundin habe damals bei einer größeren Schlägerei in einem Lokal in Oberwart „eine kassiert“. „Wir fuhren heim, da war sie schon verletzt“, sagte der Angeklagte.
Anders schilderte es die Ex-Freundin nun vor Gericht: Der Angeklagte habe sie geschlagen, gewürgt und ihr ein Messer an den Hals gehalten. 25.000 Euro Schmerzensgeld forderte sie von dem Angeklagten.
„Das stimmt nicht“, erwiderte der Angeklagte.
Die Richterin schätzte die Aussage der Zeugin als unglaubwürdig ein und verurteilte den 37-Jährigen nur wegen der anderen Delikte zu drei Jahren Haft. Außerdem muss er jene zwölf Monate verbüßen, die er unter dem Namen seines Bruders als bedingte Strafe bekommen hatte.
Der Angeklagte nahm das Urteil an, der Staatsanwalt gab keine Erklärung ab. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.