Umjubelte Traumkulisse Manfred Wabas bei „Traviata“-Premiere in Wien

WIENER OPERNSOMMER

Es war eine „Traviata“, wie sie Wien noch nicht erlebt hat. Verantwortlich dafür gezeichnet hat unter anderem der bekannte Podersdorfer Bühnenbildner Manfred Waba. Am Heumarkt im 3. Wiener Gemeindebezirk kreierte er eine Open Air-Opernkulisse, die ob ihrer Opulenz Premierenbesucher am Dienstagabend staunen ließ.

Cristina Pasaroiu glänzte in der Rolle der Violette. Ihr Sopran verzauberte selbst das kulturverwöhnte Publikum.

Cristina Pasaroiu glänzte in der Rolle der Violette. Ihr Sopran verzauberte selbst das kulturverwöhnte Publikum.

© Nina Mayer

Zum ersten Mal wählte man beim Wiener Opernsommer den Heumarkt als Kulisse aus. Mit „La Traviata“ präsentierte man wohl eine der schönsten Opern der Musikgeschichte. Kaum einer, der das bekannte „Trinklied“ nicht kennt, kaum einer, der nicht schon einmal mit Violetta tausende Tode gestorben ist.

Bühnenbildner Manfred Waba schaffte das fast Unmögliche, nämlich dass man sich vom ersten bis zum letzten Ton ins Paris der 1850er-Jahre versetzt fühlte. Dekadenz und Standesdünkel beherrschten das Leben der feinen Gesellschaft, in der die Kurtisane Violetta keinen Platz zu finden schien. Viel Gold dominierte die Szenerie, 50 Skulpturen, teilweise bis zu vier Meter hoch, Karusselpferdchen, schwere, rote, bodenlange Vorhänge, Kristallluster, opulente Blumengestecke.

Umjubelte Traumkulisse Manfred Wabas bei „Traviata“-Premiere in Wien

© Nina Mayer

Eine Violetta, mit der man bereit ist zu sterben

Cristina Pasaroiu brillierte in der Rolle der Violetta. Tiefe Traurigkeit nahm man ihr genauso ab wie unbändige Lebenslust. Ihre Stimme, ein Sopran der seinesgleichen sucht, im Timbre silberner Schimmer in den Höhen, Erotik in den Tiefen, mit einer stimmlichen Präsenz, die der Freiluftarena nicht nur Stand halten konnte, sondern sie erfüllte. Wild, unbändig, hingebungsvoll - eine Violetta, die man begehrte, anbetete.

Auch die Kostüme wurden von Manfred Waba ausgesucht, der dafür extra nach Mailand geflogen ist, um das Publikum visuell mit Samt und Seide einzukleiden, ihm weit-schwingende Ballkleider, Roben, Hüte und Schuhe anzuziehen, die beeindruckten. Jedes Detail war bis zur Perfektion abgestimmt, nichts überließ man dem Zufall.

Umjubelte Traumkulisse Manfred Wabas bei „Traviata“-Premiere in Wien

© Nina Mayer

Klassisch und mit Flair dank Waba und Zenhof-Söns!

Regisseur Dominik Am Zehnhof-Söns Idee, Karl Markovic eingangs als Erzähler „Giuseppe Verdi“ auftreten zu lassen, fand durchaus Gefallen und erläuterte auch weniger Opernaffinen die Handlung und die Entstehungsgeschichte der „Traviata“. Zehnhof-Söns und Waba inszenierten zur Freude des Publikums klassisch. Endlich wieder eine Oper, die nicht durch Minimalismus ihrer Atmosphäre beraubt wird.

Liparit Avetisyan mimte Alfredo Germont, den Mann, in den sich Violetta unsterblich verliebte, hin- und hergerissen in ihren Wünschen zwischen Liebe und Freiheit, Anerkennung in einer Gesellschaft, die ihr ob strenger Standesdünkel keine Chance gab. Sein lyrischer Tenor war geprägt von warmen, gefühlvollen Elementen, die sich besonders in den Liebesduetten vollendet entfalteten. Die Frage drängte sich auf: „Gibt es Lieben, die so groß sind, dass die Wirklichkeit dafür zu klein ist?“

Umjubelte Traumkulisse Manfred Wabas bei „Traviata“-Premiere in Wien

© Nina Mayer

Das End' vom Lied...

Dann Krankheit, Intrigen, Alfredos eigener Vater, Giorgio Germont, Schuld daran. Thomas Weinhappel glänzte in der Rolle des Vaters, die durchaus keine einfache ist. Sein Bariton ließ keinen Zweifel an seiner despotischen Haltung und väterlichen Autorität. Am Schluss sah er seine nie wieder gut zu machende Schuld ein, von Violetta zu verlangen, ihre große Liebe Alfredo auf Grund von Gesellschaftszwängen aufzugeben. Das Ende: unendlich traurig, unendlich tragisch.

Violettas Tod unvermeidlich, inszeniert von Manfred Waba in einer genialen Idee. 300 brennende Kerzen umgeben die im Rollstuhl an Schwindsucht sterbende „Kameliendame“. Plötzlich: eingefroren die Szene. Violettas Seele einweicht ihrem von Krankheit gezeichneten Körper, wird aufgefangen von nebeligem Licht, das sie aufnimmt und in die Ewigkeit führt.

Umjubelte Traumkulisse Manfred Wabas bei „Traviata“-Premiere in Wien

© Nina Mayer

Weil's so schön war

Ja, da hat man sich was einfallen lassen bei der „Traviata“ des Wiener Opernsommers. Über allem: Klänge des Wiener Kammerorchesters von Intendant Joji Hattori selbst dirigiert. Tosender Applaus bei den Premierengästen, unter denen sich Wiens Bürgermeister Michael Ludwig genauso befand, wie Societylady Birgit Sarata, Dompfarrer Toni Faber, Adi Hirschal, Christian Kolonovits oder Werner Fasslabend.

Von 1. Juli bis 19. Juli hat man die Möglichkeit zwölf Vorstellungen beizuwohnen. Wie sich nach der begeistert umjubelten Premiere herausstellte, wird es durchaus Wiederholungstäter geben, die noch einmal mit Violetta und Alfredo wahre Liebe, tiefe Emotionen und unendliche Traurigkeit durchleben werden.