Flexibel in Kindergarten & Schule: Eltern sollen wählen können

Wo Tagesbetreuung hilft

Große Unterschiede in der schulischen Tagesbetreuung zeigen neue Zahlen aus dem Bildungsministerium: Im Burgenland nehmen 38,9 Prozent der Pflichtschüler Ganztagesbetreuung in Anspruch, mehr als der Österreich-Schnitt und der solide dritte Platz. Im Land verweist man auf Ausbaupläne, aber auch auf die Zeit vor der Schule.

Ganztagesbetreuung im Gratiskindergarten. Janine Aigner aus Marz mit ihren beiden Kindern. „Man spart auch einiges an Geld!“

Ganztagesbetreuung im Gratiskindergarten. Janine Aigner aus Marz mit ihren beiden Kindern. „Man spart auch einiges an Geld!“

© Büro LR Winkler, Christoph Novak, Christoph Novakchristoph@werbec

„Dank der flexiblen Zeiten lassen sich Familie und Beruf für uns gut vereinbaren“, sagt Janine Aigner. Dass sich die zweifache Mutter aus Marz bei Bedarf auf die Ganztagesbetreuung für ihre Kinder verlassen kann, sieht sie als „enorme Entlastung“. Damit legt man im Burgenland auch in der aktuellen (Bundes-)Debatte um die Tagesbetreuung den Fokus schon auf die frühen Jahre einer „Bildungskarriere“.

Ausgehend von einer parlamentarischen Anfrage der Grünen an NEOS-Bildungsminister Christoph Wiederkehr zeigten sich - im Falle der schulischen Ganztagesbetreuung - regional starke Unterschiede: Am höchsten ist der Abdeckungsgrad in Wien, wo 56,6 Prozent der Pflichtschüler eine Ganztagsbetreuung bekommen, in Vorarlberg sind es 49,7 Prozent - am anderen Ende der Skala finden sich Tirol (18,8 Prozent) und Oberösterreich (21,7 Prozent) wieder.

Das Burgenland liegt mit 38,9 Prozent über dem Österreich-Schnitt (33,7 Prozent) und bundesweit auf Platz drei. Wobei Bildungslandesrätin Daniela Winkler eines betont: An rund 80 Prozent der burgenländischen Schulen werde eine Ganztagesbetreuung angeboten; angenommen wird es von den besagten 38,9 Prozent. Mit den Ministeriums-Zahlen zum Ausbau der Ganztagsschulen und dem Abschneiden am dritten Platz sieht Winkler den Weg des Burgenlandes bestätigt.

Flexibel in Kindergarten & Schule: Eltern sollen wählen können

© BVZ-Archiv, Landesmedienservice, Christoph Novak

Es sei wichtig, dass bei Bedarf eine ganztägige Betreuung angeboten werde, so Winkler: „Wir setzen im Burgenland bewusst darauf, dass den Eltern Wahlfreiheit eingeräumt wird. Welche Schulform am Standort angeboten wird, entscheidet die Schulpartnerschaft, das heißt der Schulerhalter mit den Lehrerinnen und Lehrern sowie den Eltern.“

Unterschiedliche Modelle: getrennte & verschränkte Schulform

Bei der getrennten Ganztagesschule sind Unterricht und Betreuungszeit klar voneinander getrennt. Vormittags findet der Regelunterricht statt, im Anschluss die Betreuung in Form von Freizeit und Lernzeit. Die Erziehenden können entscheiden, ob und an welchen Tagen ihr Kind die Nachmittagsbetreuung besucht.

Im Gegensatz dazu wechseln bei der verschränkten Form im Laufe des Tages Unterricht, Lern- und Freizeiteinheiten mehrmals ab. Die Anmeldung für die „GTS“ in verschränkter Form gilt für die Dauer des Schulbesuchs.

Wie es mit der schulischen Ganztagesbetreuung weitergeht, hat die Landesregierung im „Zukunftsplan 2030“ definiert: Demnach soll sie ausgebaut und optimiert werden, eine Weiterentwicklung der offenen und verschränkten Form erfolgt im Sinne der Schulautonomie. Dazu sollen aus dem unmittelbaren Umfeld des Standortes verstärkt außerschulische Partner wie Vereine, Organisationen und Institutionen eingebunden werden. Das Musikschulwesen soll mit dem Regelunterricht intensiver verschränkt und die Sport- und Bewegungsangebote ausgebaut werden.

Flexibel in Kindergarten & Schule: Eltern sollen wählen können

© Büro LR WInkler, Christoph Novakchristoph@werbec

Die Wahlfreiheit und bedarfsorientierte, flexible Ganztagesbetreuung habe man im Land mit dem Gratiskindergarten schon im elementarpädagogischen Bereich umgesetzt, sagt Winkler: „Das hat sich bei den Familien gut bewährt.“ Man wolle „ein hochqualitatives Angebot, das die Eltern freiwillig und entsprechend ihrer Bedürfnisse wählen können“.

Seitdem unter Landeshauptmann Hans Peter Doskozil 2019 der Gratiskindergarten eingeführt wurde, sind nur Beiträge für Verpflegung oder etwa Bastelmaterial zu bezahlen. „Wir sparen uns damit einiges an Geld“, erinnert auch die Marzer Mutter Janine Aigner.